Marcus Burghardt gewinnt spannende Straßen-DM in Chemnitz

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 27 Juni 2017    
 
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Straßenrennen der Männer in Chemnitz
Foto: Arne Mill

Auf die beiden Erstplatzierten dieser Meisterschaft können sich der slowakische Straßen-Weltmeister Peter Sagan und der Pole Rafal Majka als Spitzenfahrer von BORA hansgrohe bei der am kommenden Samstag startenden Tour de France freuen. Sowohl der neue Deutsche Meister im Straßenrennen Marcus Burghardt als auch der Zweitplatzierte Emanuel Buchmann drückten dem Rennen über 213,4 km in bemerkenswerter Weise ihren Stempel auf.

Bei seinem Heimspiel in Chemnitz holte sich der 33-jährige Marcus Burghardt seinen ersten Meistertitel in seiner langen Karriere und alle gönnten es ihm von Herzen. Als zuverlässiger Helfer ist er für seine jeweiligen Kapitäne seit Jahren nahezu unverzichtbar und so stand er in der Vergangenheit relativ selten im Rampenlicht. Dennoch verzeichnete er auch große Erfolge mit den Siegen beim Klassiker Gent-Wevelgem im Jahre 2007 und auf einer Etappe der Tour de France im Jahre 2008, an der er nun in diesem Jahr zum 9. Mal teilnehmen wird. 

Bora

Es war ein temporeiches und auch sehr turbulentes Rennen mit vielen Ausreißversuchen von diversen Gruppen, wobei Teams wie Sunweb oder BORA hansgrohe aufgrund ihrer Mannschaftsstärke gegenüber einzelnen Fahrern wie John Degenkolb von Trek-Segafredo oder auch Andre Greipel von Lotto Soudal, der nur Marcel Sieberg an seiner Seite wusste, schon im Vorteil waren. Zunächst war es eine 8-köpfige Spitzengruppe u.a. mit dem späteren Vizemeister Emanuel Buchmann und Nils Politt vom Team Katusha Alpecin, aber als weitere Fahrer die Flucht ergreifen wollten, zersplitterte das Peloton in viele Grüppchen. Letztlich kam es zu einem Zusammenschluss einer großen Gruppe, in der nur Titelverteidiger Andre Greipel fehlte, der letztlich trotz kräftezehrender Aufholjagd den Anschluss nicht mehr zur Spitze herstellen konnte.

DM

In der neunten von 11 zu fahrenden Runden über jeweils 19,4 km waren es dann der starke Roger Kluge von Orica-Scott und John Degenkolb, die sich aus dem Staub machten und von Emanuel Buchmann, Nils Politt und Marcus Burghardt verfolgt wurden, während eine weitere Verfolgergruppe um den Berliner Simon Geschke vom Team Sunweb immer mehr an Boden einbüßte. Dann verlor auch Roger Kluge das Hinterrad von John Degenkolb, zu dem am letzten Anstieg zunächst Emanuel Buchmann aufschloss. Der bärenstarke Youngster, vor zwei Jahren bereits Deutscher Straßenmeister, hatte Nils Politt und Marcus Burghardt im Schlepptau und als Emanuel Buchmann nochmals die Vorentscheidung suchte, schaffte nur Marcus Burghardt den Anschluss. Im Spurt triumphierte dann der Routinier über den an diesem Tag wohl stärksten Fahrer und so konnte sich Marcus Burghardt erstmals das Meistertrikot überstreifen, das er am Samstag beim Start zur Tour de France mit Stolz tragen dürfte.

DM

Für den sehr stark fahrenden John Degenkolb blieb am Ende der Bronzeplatz übrig mit einem Rückstand von 43 Sekunden, nachdem er vor imponierender Zuschauerkulisse vorher alles riskiert hatte und Nils Politt auf den vierten Rang verwies. „Hier zu gewinnen ist ein tolles Gefühl, wo der Beginn meiner Karriere stattfand“, war Marcus Burghardt überglücklich über seinen nicht unbedingt zu erwartenden Erfolg. Dagegen waren die zum Favoritenkreis zählenden, aber hier geschlagenen Andre Greipel (18.) und Marcel Kittel von Quick-Step Floors (30.) schon wieder in Gedanken beim Tour-Start in Düsseldorf, wo sie mit voller Kraft sich beim Einzelzeitfahren am Samstag ins Zeug legen wollen.

Bei herrlichem Wetter war die Chemnitzer Meisterschaft ein wahres Ausscheidungsrennen, denn von den ursprünglich gestarteten 196 Fahrern erreichten nur 74 das Ziel, was aber auch auf den anspruchsvollen Stadtkurs zurückzuführen war. Ein ganz starkes Rennen fuhr auch der Berliner Maximilian Schachmann von Quick-Step Floors, der mit 2:11 Minuten Rückstand auf Platz fünf einkam und den ebenfalls sich glänzend präsentierenden Roger Kluge um weitere drei Sekunden auf den 6. Platz verdrängte.

Noch ein Nachtrag zur Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren der Klasse U 23: Nach einer Ergebniskorrektur heißt der neue Deutsche Meister nunmehr Patrick Haller vom Team rad-net ROSE und zurück blieb ein mit Sicherheit mehr als enttäuschter Richard Banusch vom LKT Team Brandenburg. Was war geschehen? Ein Auswertungsfehler bei der Zeiterfassung wurde nach nochmaliger Kontrolle aller elektronischen und manuellen Aufzeichnungen festgestellt. Die ursprüngliche Zeit von Richard Banusch von 38:01,78 Minuten wurde auf 39:14,00 Minuten korrigiert, so dass der vermeintliche Sieger auf Platz 11 zurückfiel. Damit versilberte Julian Braun vom Team Lotto-Kern Haus seine Bronzemedaille, die nunmehr Manuel Porzner vom Team Heizomat in Empfang nehmen darf. 

Banusch

Ein Bedauern der beteiligten Kommissäre und die Tatsache, dass Ergebnisse bis 30 Tage nach dem Rennen bei berechtigten Zweifeln geändert werden können, lassen dennoch einen bitteren Beigeschmack zurück. Diesen bedauerlichen Fauxpas hatten die glänzend von der Stadt Chemnitz ausgerichteten Deutschen Meisterschaften nicht verdient! Es bleibt die Frage im Raum, wann die Unstimmigkeiten auftraten und man die Siegerehrung auch ein oder zwei Tage später hätte vornehmen können!?    

Bemerkenswert im Nachgang die Fairneß seitens des Teams LKT Brandenburg, dessen Teamchef Steffen Blochwitz die zum Nachteil seines Fahrers geänderte Zeit als korrekt akzeptierte, aber gleichzeitig natürlich enttäuscht war. Er haderte mit der aus seiner Sicht zu späten Entdeckung dieses Fehlers, nahm aber die Entschuldigung der Jury an. 

Text: Bernd Mülle        

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: Straßen-DM 2017 in Chemnitz

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
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BDR-Meisterschaft
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