Tony Martin holt 7. Zeitfahrtitel - Sensationeller Sieg von Richard Banusch bei der U23

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 25 Juni 2017    
 
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Tony Martin ist zum 7. Mal Deutscher Meister im EZF
Foto: Arne Mill

Mit einem Paukenschlag begannen die Deutschen Meisterschaften in Chemnitz im Einzelzeitfahren in der Klasse U 23, als der noch 18-jährige Richard Banusch vom LKT Team Brandenburg als siebter Starter eine Zeit von 38:01,78 Minuten für die 31,2 km lange Strecke vorlegte, die von keinem der nachfolgenden Fahrer mehr erreicht wurde. Der eigentliche Bahnspezialist mit Vorliebe für das Punktefahren war auf die Minute topfit und ließ in seinem ersten Jahr in dieser Altersklasse aufhorchen!

Im Feld der 71 Starter – insgesamt waren es 94 im Rahmen des gleichzeitig als dritten Wettbewerb ausgetragenen Rennens der Rad-Bundesliga „Müller-Die lila Logistik“ – ließ er Patrick Haller vom rad-net ROSE Team mit 23 Sekunden Rückstand und Julian Braun vom Team Lotto-Kern Haus mit 39 Sekunden Rückstand keine Chance. Selbst dessen ältere Teamkameraden Joshua Huppertz (10 Sekunden zurück), Christopher Hatz (16 Sekunden zurück) und Raphael Freienstein (21 Sekunden zurück) auf den Plätzen 2 bis 4 im Wettbewerb der Rad-Bundesliga mussten die Überlegenheit des wie entfesselt fahrenden gebürtigen Vetschauers Richard Banusch neidlos anerkennen. Dafür führen Raphael Freienstein mit 435 Punkten, Christopher Hatz mit 379 Punkten und Joshua Huppertz mit 339 Punkten jetzt die Bundesligawertung an, in der Richard Banusch aktuell auf Platz 7 mit 266 Punkten zu finden ist. 

Banusch

Darüber hinaus nimmt das Team Lotto-Kern Haus mit 81 Punkten souverän den ersten Platz in der Gesamt-Mannschaftswertung vor dem Team Heizomat mit 55 Punkten und dem Herrmann Radteam mit 53 Punkten ein. In der Wertung des Nachwuchses des Jahrgangs 1998 führt der neue Deutsche Meister Richard Banusch vor Jonas Rutsch vom Team Lotto-Kern Haus und Johannes Adamietz vom Team Heizomat. 

„Ich bin sehr überrascht über diesen Erfolg, zumal ich nur ein kleines Programm als Vorbereitung zum Einzelzeitfahren absolviert habe“, gestand der sympathische, überglückliche Richard Banusch bei der Pressekonferenz. „Ab der Wende in Markersdorf gab ich Vollgas und hatte meine Kräfte offensichtlich richtig eingeteilt. Für mich geht es jetzt mit einer polnischen Rundfahrt und der anschließenden Oder-Rundfahrt weiter“, fuhr der junge Mann fort, der auch sichtliches Interesse für einen Einsatz in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn signalisierte. 

Banusch

Ein wenig enttäuscht zeigte sich zunächst der als Mitfavorit gehandelte Patrick Haller, der die beste Zwischenzeit gefahren war. „Nach der Zwischenzeit ist das etwas ärgerlich, aber letztlich bin ich mit dem 2. Platz zufrieden“, äußerte er sich gegenüber der Presse. Dagegen strahlte der Drittplatzierte Julian Braun, dem die vom Profil her flache Strecke entgegenkam. „Ich habe mir vorher wenig Druck gemacht und den Ausgang nicht unbedingt so erwartet“, war der BWL-Student am Ende durchaus happy. 

Das Rennen der Frauen – ebenfalls zusätzlich gewertet als Bundesligarennen – mit immerhin  58 Starterinnen wurde zu einem Zweikampf der beiden Frauenprofiteams CANYON-SRAM Racing und Cervelo-Bigla Pro Cycling, die die Plätze 1 bis 5 belegten. Nachdem zunächst die Berlinerin Charlotte Becker von Hitec Products mit 41:58,87 Minuten Bestzeit aufgestellt hatte, ging es danach Schlag auf Schlag. Lisa Klein von Cervelo-Bigla Pro Cycling unterbot die Zeit von Charlotte Becker immerhin um 31 Sekunden, doch reichte diese Zeit am Ende nur zum undankbaren vierten Platz, während Charlotte Becker noch auf einen guten 7. Platz durchgereicht wurde. Nachdem Lisa Brennauer von CANYON-SRAM Racing mit 41:04,56 Minuten eine neue Bestzeit fuhr und die ihr folgende Stephanie Pohl von Cervelo-Bigla Pro Cycling mit 41:14,22 Minuten um zehn Sekunden langsamer war, konnte nur noch die Titelverteidigerin Trixi Worrack ihre Teamgefährtin vom ersten Platz verdrängen. Und die routinierte, 35-jährige Trixi Worrack schaffte es tatsächlich um ganze zwei Sekunden, um ihren Vorjahrestitel zu verteidigen und sich ihren insgesamt 10. Titel bei einer Deutschen Meisterschaft zu sichern. Bei 41:02,14 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45,62 km/h blieben die Uhren nach 31,2 km stehen und Trixi Worrack hatte einmal mehr in einem dramatischen Ausgang die Nase vorn. 

Trixi

In der Wertung als Bundesligarennen triumphierte Corinna Lechner von BTC City Ljubljana vor Claudia Lichtenberg von Wiggle High5 und Liane Lippert vom Team Sunweb Women, die in der Bundesliga alle als Einzelfahrerinnen am Start sind. Sie hatten sich im Meisterschaftsrennen als 6., 8. und 9. platziert, nehmen aber in der Gesamt-Einzelwertung der Bundesliga derzeit keine Podiumsplätze ein. Hier führt nach dem fünften Rennen Wiebke Rodieck vom Team D.Velop-Cycle Cafe Ladies mit 745 Punkten vor Beate Zanner vom  „maxx-solar LINDIG women cycling team 2017“ mit 714 Punkten und dem großen Talent Christa Riffel vom Team-Gesundshop24.de, die 639 Punkte auf ihrem Konto hat. In der Mannschaftswertung führt das Team D.Velop-Cycle Cafe Ladies mit 136 Punkten knapp vor dem „maxx-solar LINDIG women cycling team 2017“, das 131 Punkte aufweist.

Martin

Im Hinblick auf die am nächsten Samstag in Düsseldorf startende Tour de France war natürlich das Einzelzeitfahren der Elite Männer der Höhepunkt des ersten Meisterschaftstages in Chemnitz. Die radsportbegeisterte Stadt hatte nicht für hervorragende Organisation gesorgt, auch die Medien wurden mit Informationsmaterial bestens versorgt und letztlich spielte auch das Wetter nach den Kapriolen des Vortags mit. So war auch besonders im Start-/Zielbereich großes Zuschauerinteresse vorhanden, allein schon wegen eines Tony Martin, von dem sich ja viele erhoffen, dass er zum Tour-Start das Einzelzeitfahren über 14 km gewinnt und ins Gelbe Trikot schlüpft. 

Der Fahrer des Teams Katusha Alpecin wurde dann auch seiner Favoritenrolle bei der Meisterschaft gerecht, legte die schnellste Zwischenzeit mit 27 Sekunden vor Jasha Sütterlin vom Movistar Team vor, um am Ende die 48 km Strecke in 54:16,49 Minuten zu absolvieren und damit eine fast schon sensationelle Durchschnittsgeschwindigkeit von 53,06 km/h (!) zu erzielen. Hochachtung auch vor der Leistung von Jasha Sütterlin, der auf dem zweiten Teil der Strecke den Rückstand auf 15 Sekunden zu Tony Martin verringern konnte. Das sollte doch für einen Start am kommenden Samstag bei der Tour ausreichen, wo er im vorläufigen Aufgebot seines Teams steht. Eine Klasseleistung bot auch Nils Politt von Katusha Alpecin, der mit 1:17 Minuten Rückstand den dritten Podiumsplatz erreichte, so dass der diesjährige Shootingstar bei den Profis, Maximilian Schachmann von Quick-Step Floors, trotz ebenfalls hervorragender Leistung nur auf dem undankbaren vierten Platz landete. „Ein Platz auf dem Podium sollte es schon sein“, gab der Berliner vor dem Rennen zu Protokoll, er sollte sich aber bei der starken Konkurrenz der deutschen Einzelzeitfahrer nicht grämen, zumal dem erst 23-jährigen die Zukunft noch einiges bieten dürfte. Darüber hinaus hat er in seinem ersten Jahr in der WorldTour schon derart bemerkenswerte Ergebnisse eingefahren, die so nicht unbedingt zu erwarten waren.

DM

Um die deutschen Zeitfahrer muss man sich offensichtlich auch in Zukunft keine Gedanken machen. In diesem Bereich gibt es mit Marco Mathis von Katusha Alpecin und Lennard Kämna vom Team Sunweb bei der Elite weitere Topathleten und auch der U 23-Bereich mit einem Richard Banusch an der Spitze sollte im internationalen Vergleich wieder eine gewichtige Rolle spielen können.

Update: Aufgrund eines Fehlers bei der Zeiterfassung, der erst im Nachfeld festgestellt wurde, muss Richard Banusch das DM-Trikot (EZF U23) wieder abgeben. Die Fahrtzeit wurde auf 39:14 Minuten korrigiert. Patrick Haller rückte nun nach und darf sich über das Meister-Trikot freuen, das ihm bei passender Gelegenheit vom BDR überreicht wird.

Text: Bernd Mülle 

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: Straßen-DM 2017 in Chemnitz

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
BDR-Meisterschaft
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