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Auf gutem Weg zur Europameisterschaft in Berlin: DM Bahn zeigt Leistungssteigerung auf breiter Ebene

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 13 Juni 2017    
 
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Theo Reinhardt & Kersten Thiele
Foto: Arne Mill

Die 131. Deutschen Bahnmeisterschaften in Frankfurt/Oder, bei denen insgesamt 45 Titel in sechs Altersklassen von Jugend bis Elite vergeben und außerdem noch zwei Demonstrationswettbewerbe ausgetragen wurden, gab es zum Teil ganz hervorragende Leistungen zu konstatieren. Nach dem wenig überzeugenden Auftritt der Elite bei den letzten Weltmeisterschaften, gab es vor der Haustür eine wahre Leistungsexplosion, die im Ausdauerbereich für Furore sorgte.

weinstein

Schon in der Qualifikation der Einerverfolgung fuhr Domenic Weinstein mit 4:14,080 Minuten eine Topzeit und auch seine Teamkameraden von rad-net ROSE Kersten Thiele (4:17,754 Minuten), Lucas Liss (4:20,338 Minuten) und Theo Reinhardt (4:20,904 Minuten) konnten mehr als überzeugen. Dazwischen schoben sich noch zwei weitere Fahrer mit Leon Rohde vom Development Team Sunweb mit 4:19,509 Minuten und Justin Wolf vom RSV Unna, der mit phantastischen 4:20,013 Minuten wie Phönix aus der Asche aufstieg und den Etablierten den Kampf ansagte. Letzterer steigerte sich im Finale um Platz drei nochmals auf 4:19,923 Minuten und holte sich damit die Bronzemedaille vor Leon Rohde, während Domenic Weinstein souverän den Titel gegen Kersten Thiele errang und dabei mit nochmaliger Steigerung auf neuem deutschen Rekord von 4:13,453 Minuten ein absolutes Ausrufezeichen setzte.

roseDie hervorragenden Zeiten in der Einerverfolgung bestätigten sich auch in der Mannschaftsverfolgung, wo das rad-net ROSE Team in der Besetzung Lucas Liss, Theo Reinhardt, Kersten Thiele und Domenic Weinstein im Finale um Gold gegen das eigene zweite Team mit Bastian Flicke, Jasper Frahm, Felix Groß und Nils Schomber mit der hervorragenden Zeit von 3:58,338 Minuten gegenüber 4:06,270 Minuten einen souveränen Sieg landete. Gegen Theo Reinhardt/Kersten Thiele hatten auch die Berliner vom RSV Irschenberg Marcel Kalz und Maximilian Beyer im Madison keine Chance und mussten sich mit Platz zwei vor den überraschend auf Platz drei einkommenden Stefan Schäfer vom RK Endspurt Cottbus und Hans Pirius von der RSG Hürth begnügen. „Alles gut“ war die knappe Aussage von Marcel Kalz nach dem Rennen, der sich mit Silber durchaus anfreunden konnte. 

kalz

Während Lucas Liss im Scratch einen weiteren Sieg für das rad-net ROSE Team vor Roger Kluge vom Team Orica-Scott und Maximilian Beyer herausfuhr, gab es im Punktefahren keine weitere Medaille für die übermächtigen Nationalfahrer. Theo Reinhardt und Lucas Liss zählten zwar zu den insgesamt 11 Fahrern, die einen Rundengewinn verbuchten, aber der Sieg ging überraschend an Henning Bommel vom RK Endspurt Cottbus, der Achim Burkart vom RSV Edelweiß Oberhausen knapp niederrang, während Maximilian Beyer mit dem Gewinn der doppelt zählenden letzten Wertung den enttäuschten, äußerst stark fahrenden Erik Schubert vom RSC Nordsachsen auf den undankbaren vierten Platz verwies. 

Bommel

Im Kurzzeitbereich der Männer war einmal mehr Maximilian Levy vom Team Erdgas 2012 das Maß aller Dinge, der nach überstandener Verletzung nicht weniger als drei Titel im Sprint, Keirin und Teamsprint gemeinsam mit Erik Balzer und Maximilian Dörnbach errang. Letzterer holte sich den Titel im 1000 m Zeitfahren vor Marc Jurczyk vom RSC Turbine Erfurt und Routinier Robert Förstemann vom RSC Cottbus, der im Sprint hinter Rene Enders vom RSC Turbine Erfurt noch eine weitere Bronzemedaille gewann. Im Keirin gab es für Marc Jurczyk noch eine weitere Silbermedaille und für Maximilian Dörnbach Bronze, der mit drei Medaillen den Heimweg antreten konnte.  

Bei den Frauen war Aushängeschild Kristina Vogel vom Team Erdgas 2012 einmal mehr das Nonplusultra der Meisterschaften. Im Sprint, Teamsprint mit der aufstrebenden Pauline Sophie Grabosch, ebenfalls vom Team Erdgas 2012, und im Keirin war sie einmal mehr nicht zu schlagen und unterstrich ihre Dominanz eindrucksvoll. Im 500 m Zeitfahren musste sie aber ihrer sonstigen Teamsprintpartnerin Miriam Welte vom 1. FC Kaiserslautern und Pauline Sophie Grabosch den Vortritt lassen und handelte sich obendrein noch eine Geldstrafe ein, als sie eine Anweisung der Kommissäre missachtete.  

frauen

Eine deutliche Leistungssteigerung auch bei Gudrun Stock vom RC Die Schwalben München, die in der Einerverfolgung über 3000 m mit 3:33,687 Minuten ebenfalls einen neuen deutschen Rekord aufstellte. Ihre diesjährigen Leistungen geben zur Hoffnung Anlaß, ebenso die Entwicklung von Tatjana Paller vom RSV Unna, die hier Silber vor dem großen Talent Franziska Brauße vom RSV Öschelbronn gewann und sich dafür mit dem Titel im Punktefahren schadlos hielt. In der Mannschaftsverfolgung siegten überlegen Lisa Küllmer vom RSC Cottbus, Christina Koep vom RC Staubwolke Quadrath, Tatjana Paller und Gudrun Stock, die zudem Silber im Scratch holte, wo sie gegen Lisa Küllmer das Nachsehen hatte. 

stock

Im Juniorenbereich Ausdauer strebt der Nachwuchs gewaltig nach vorn und dürfte für kommende internationale Aufgaben u.a. durch Max Gehrmann vom RSC Turbine Erfurt, Rico Brückner von der RSG Muldental Grimma und Per Christian Münstermann von der SG Radschläger Düsseldorf gut gerüstet sein. In dieser Reihenfolge belegten sie das Podium in der 3000 m Einerverfolgung und auch im Vierer siegte Max Gehrmann mit dem Landesverband Thüringen gemeinsam mit Michel Aschenbrenner (SV Sömmerda), Johannes Banzer (1. RC Jena) und Jannis Peter (SSV Gera), dabei mit 4:12,930 Minuten eine ausgezeichnete Zeit fahrend. Seinen dritten Sieg fuhr der bärenstarke Max Gehrmann im Punktefahren heraus, als er Kim Alexander Heiduk vom RSV Öschelbronn und Berlins Aushängeschild Calvin Dik vom RSV Werner Otto distanzierte, die allesamt zwei Rundengewinne herausgefahren hatten. Mit Vereinskamerad Jakob Geßner errang Max Gehrmann noch eine Silbermedaille im Madison, das von Nils Weispfennig vom RSV Edelweiß Oberhausen mit Per Christian Münstermann überlegen nach Punkten gewonnen wurde. 

Die Titel in den Kurzzeitdisziplinen gingen an den RV Dudenhofen im Teamsprint mit Timo Bichler, Sascha Deringer und Elias Edbauer, der auch im Keirin triumphierte und Zweiter im Sprint hinter Carl Hinze vom Schweriner Sport Club wurde. Mit einem weiteren zweiten Platz im 1000 m Zeitfahren hinter Valentin Schumann vom Chemnitzer PSV war Elias Edbauer in dieser Altersklasse der erfolgreichste Teilnehmer. Bei den Juniorinnen war Lea Sophie Friedrich vom RST Dassow die überragende Athletin, die im Sprint, 500 m Zeitfahren und Keirin den Sieg davontrug und außerdem noch mit Sarah Marie Wagner vom SV Dassow die Silbermedaille im Teamsprint hinter Christina Sperlich vom SV Sömmerda und Emma Götz vom RV Elxleben errang. Im Ausdauerbereich überzeugte Paulina Maxima Klimsa vom RC Die Schwalben München als souveräne Siegerin in der 2000 m Einerverfolgung, Lea Lin Teutenberg vom FC Lexxi Speedbike, die das Punktefahren gewann und der Vierer vom Team Mangertseder mit Ricarda Bauernfeind, Paulina Maxima Klimsa, Clara Hamberger und Mareike Germann, der sich im spannenden Duell über 4000 m gegen den Landesverband NRW mit Franziska Koch (RSV Unna), Theresa Peveling (SG Radschläger Düsseldorf), Luisa Siersleben (TSVE Bielefeld) und Lea Lin Teutenberg knapp durchsetzte.   

DM

Bei der männlichen Jugend gewann Julien Jäger vom RSC Turbine Erfurt sowohl das 500 m Zeitfahren als auch das Keirinrennen, während Maarten Zillmer vom Schweriner Sport Club sich den Titel im Sprint sicherte. Die weibliche Jugend hatte im Kurzzeitbereich in Alessa-Catriona Pröpster von der RSG Zollern Alb ihre herausragende Teilnehmerin, die sich die Titel im Sprint, Keirin und 500 m Zeitfahren sicherte und darüber hinaus auch dem Ausdauerbereich ihren Stempel aufdrückte, als sie die 2000 m Einerverfolgung gegen Thalea Mäder vom RSC Turbine Erfurt gewann, die noch in der Qualifikation mit 2:32,476 Minuten neuen Rekord gefahren hatte. Für Alessa-Catriona Pröpster gab es außerdem Bronze im Punktefahren und in der Mannschaftsverfolgung, so dass sie in allen sechs Disziplinen Medaillen holte. Mit einer sensationellen Leistung wartete Henri Uhlig vom RSC Kelheim bei den Ausdauerfahrern auf, der mit 2:14,866 Minuten den 18 Jahre alten Rekord von Christoph Meschenmoser bereits in der Qualifikation deutlich unterbot. Im Finale reichten immer noch gute 2:16,199 Minuten, um sich den Titel gegen Luca Rohde von der RG Hamburg zu holen. Gemeinsam mit Leslie Lührs vom RSV Irschenberg triumphierte er auch überlegen im Madison und in der Mannschaftsverfolgung über 3000 m waren beide mit Claus Carste und Luca Dreßler vom RSV Irschenberg für den Landesverband Bayern erfolgreich. Im Punktefahren, das Michel Heßmann vom RSV Unna vor Roman Duckert vom Frankfurter RC 90 und Luca Dreßler gewann, musste sich der sympathische Henri Uhlig mit dem sechsten Platz begnügen, was aber nichts an seiner Sonderstellung in dieser Altersklasse änderte. Zum Abschluss der Woche siegte er noch am Sonntag beim 12. Radfestival in Kladow, ein Rennen, das er auf dem Weg nach Hause noch mitnahm, um dort noch seinen bereits 19. Saisonsieg zu realisieren.    

Zum Abschluß noch ein Wort zum Demonstrationswettbewerb Madison des weiblichen Bereichs und zum 500 m Zeitfahren für die Ausdauerfahrer, wo es keine Titel zu gewinnen gab. Über die 500 m dominierten auch hier die Fahrer des rad-net ROSE Teams mit Felix Groß, der den Wettbewerb vor Bastian Flicke und dem favorisierten Lucas Liss gewann. Erstaunlich dann das erste Madisonrennen für den weiblichen Bereich, das von der Jugend, den Juniorinnen und den Frauen gemeinsam bestritten wurde. Die 15 km wurden in 19:02 Minuten absolviert und das Rennen verlief absolut sturzfrei, was vorher nicht unbedingt so zu erwarten war, zumal man bei internationalen Rennen der Frauen in der noch jungen Disziplin schon anderes erlebt hat. Hut ab vor der couragierten Leistung aller zehn Teams, die dieses Rennen bestritten. Eine gute Leistung mit Platz fünf rundengleich mit der Siegerpaarung Alina Lange vom Verein Cölner Straßenfahrer und Franziska Brauße erreichte das junge Team mit der Berlinerin Eleonora Schütz von der NRVg. Luisenstadt und Lea Lin Teutenberg, die im Gegensatz zu ihrer Partnerin schon etwas Madison-Erfahrung bei Winterbahnrennen in NRW gesammelt hatte.

Teutenberg

„Wir haben ohne Sturz überlebt, es lief besser als erwartet und ich bin zufrieden“, war die erste Äußerung von Eleonora Schütz nach dem Rennen. „Durch das gemeinsame Rennen mit den Frauen wurde richtig Rad gefahren“, fuhr die sympathische Abiturientin fort, die am kommenden Mittwoch noch ihr mündliches Abi in Politik bewältigen muss. Ganz relaxt kam auch Lea Lin Teutenberg rüber, die sich erst seit 2015 richtig dem Radsport verschrieben hat. „Bei mir ist Familiensport angesagt, Vater Lars, Bruder Tim Torn und Onkel Sven, sie alle sind mit dem Radsport verwachsen, da ging auch an mir der Kelch nicht vorbei“, gab sie zu Protokoll, nachdem sie sich beim Lehrgang des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) entschlossen hatte, in Frankfurt/Oder mit der Berlinerin an den Start zu gehen. Beide harmonierten schon recht gut und man merkte, dass Lea Lin Teutenberg nicht ganz unbedarft ins Rennen ging. „Madison wird olympische Disziplin und da möchte ich schon ganz gerne in Tokio 2020 am Start stehen, das wäre super“, sagte sie abschließend und hinterließ dabei einen äußerst focussierten Eindruck.

Teutenberg

Die Eindrücke von Frankfurt/Oder insgesamt stimmen sehr positiv und so sollten wir uns alle auf eine spannende Europameisterschaft auf der Bahn in Berlin freuen, die vom 19. bis 22. Oktober 2017 im Velodrom zur Austragung kommt. 

Text: Bernd Mülle         

Fotos: Arne Mill

> zur turus-Fotostrecke: DM Bahn in Frankfurt/Oder 2017

          

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Bahnradsport
Name des Radrennens
Deutsche Meisterschaften im Bahnradsport
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