101. Austragung der Flandern-Rundfahrt von Philippe Gilbert dominiert

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 04 April 2017    
 
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Philippe Gilbert beim Jubeln
 

Nach Rudi Altig im Jahre 1964 und Steffen Wesemann im Jahre 2004 wartete man beim belgischen Frühjahrsklassiker vergeblich auf den dritten deutschen Erfolg, den John Degenkolb von Trek-Segafredo nur allzu gern erringen wollte. „Die Flandern-Rundfahrt ist ein Monument, das ich schon gern einmal gewinnen möchte“, hatte John Degenkolb schon im letzten Jahr nach seinen schlimmen Sturzverletzungen zu Beginn der Saison geäußert. Am Ende blieb für ihn ein guter 7. Platz in  einer Verfolgergruppe mit 53 Sekunden Rückstand übrig, aber der insgeheim erhoffte Sieg ließ sich nicht realisieren.

Ronde

Bislang wurde die Geschichte dieses Monumentes nahezu ausschließlich von den Belgiern dominiert, die 68. Mal, zuletzt 2012 durch Tom Boonen, siegreich waren und bis auf fünfmal stets auf dem Treppchen standen. Nun führte die 101. Austragung bei herrlichem, warmen  Frühlingswetter wieder zu einer Machtdemonstration der sieggewohnten Belgier, die mit Philippe Gilbert, dem Teamkameraden von Tom Boonen bei Quick-Step Floors und dem derzeit ebenfalls in phantastischer Form fahrenden Greg van Avermaet von BMC Racing einen Doppelsieg feiern konnten. Aber geprägt wurde das Rennen in erster Linie von Philippe Gilbert, der einen nahezu sensationellen Ausreißversuch schon 55 Kilometer vor dem Ziel bei der zweiten Überquerung des Oude Kwaremont inszenierte und sich aus einer Favoriten-gruppe absetzte. 

Ronde

Zu den spektakulären Passagen des Rennens über insgesamt 260,8 Kilometer von Antwerpen nach Oudenaarde gehörten fünf Kopfsteinpflasterstraßen und 18 Hellinge, darunter auch wieder die Mauer von Geraardsbergen. Eine zunächst achtköpfige Spitzengruppe, die  ausschließlich mit Außenseitern besetzt war, ließ man bis auf maximal 11 Minuten ziehen, bis dann die Topteams der Favoriten das Zepter in die Hand nahmen. Es war an der berüchtigten Mauer, als die Teams Sky und Quick-Step Floors das Tempo derart verschärften, so dass sich eine 14 Fahrer starke Gruppe lösen konnte. Mit Tom Boonen, Philippe Gilbert und Matteo Trentin waren drei Quick-Step Fahrer dabei, die alsbald die acht Führenden einholten, während die Topfavoriten Peter Sagan von Bora-Hansgrohe und Greg van Avermaet fehlten. Als es den Beiden gelang zur Gruppe von Tom Boonen aufzuschließen, hatte Philippe Gilbert bereits am Oude Kwaremont die Initiative ergriffen und einen unwiderstehlichen Ausreißversuch unternommen, den er bis ins Ziel durchhielt. 

Bora

Für Tom Boonen kam am Taaienberg das Aus, als er mit einem Schaltungsschaden Probleme hatte und auch ein Ersatzrad nicht einsatzbereit schien. Pech auch für Peter Sagan, der mit einem Absperrgitter kollidierte und stürzte und dabei auch Greg van Avermaet und den Belgier Oliver Naesen von Ag2r La Mondiale mitriss. Greg van Avermaet war der einzige, der schnell wieder aufs Rad stieg und am Ende mit 29 Sekunden Rückstand die Niederländer Niki Terpstra von Quick-Step Floors und Dylan van Baarle von Cannondale-Drapac im Kampf um Platz zwei niederrang. Der Norweger Alexander Kristoff von Katusha-Alpecin führte mit 53 Sekunden Rückstand eine weitere 14-köpfige Gruppe ins Ziel mit John Degenkolb auf Platz 7 als besten Deutschen. Einen guten Eindruck hinterließ auch Andre Greipel von Lotto Soudal, der auf Platz 20 einkam, während Tony Martin von Katusha-Alpecin nicht das Ziel erreichte. 

Sekt

„Es war eine tolle Teamleistung, die mir den Sieg ermöglichte“, ließ sich der überglückliche  Philippe Gilbert zitieren, der mit seiner Alleinfahrt im Stile eines Zeitfahrers ein ganz besonderes Highlight setzte. Nunmehr hat Philippe Gilbert nach Lüttich-Bastogne-Lüttich (2011) und dem Amstel Gold Race (2010, 2011 und 2014) mit der Flandern-Rundfahrt das dritte Radsport-Monument gewonnen, so dass ihm mit Paris-Roubaix und Mailand-San Remo nur noch zwei fehlen, um sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Am nächsten Wochenende bietet sich ihm die Möglichkeit bei Paris-Roubaix, wo er erneut zu den Favoriten zählt. Durch seinen grandiosen Erfolg rückte er mit 1.170 Punkten auf den dritten Rang des WorldTour Rankings vor, das von Greg van Avermaet mit 1.898 Punkten vor dem amtierenden Weltmeister Peter Sagan mit 1.235 Punkten angeführt wird.

Auch die Frauen trugen im Rahmen ihrer WorldTour Serie mit Start und Ziel in Oudenaarde ihre Ronde van Vlaanderen über 153,2 Kilometer aus, die im Spurt einer 19-köpfigen Spitzengruppe – drei Fahrerinnen fielen mit Sekundenabständen noch zurück - von der US-Amerikanerin Coryn Rivera vom Team Sunweb vor der Australierin Gracie Elvin von Orica-Scott und der Niederländerin Chantal Blaak von Boels-Dolmans gewonnen wurde. Damit feierte sie nach ihrem Sieg bei der Trofeo Alfredo Binda im fünften Rennen den zweiten Sieg und übernahm gleichzeitig mit 325 Punkten die Führung in dieser Serie vor der Italienerin Elena Cecchini von Canyon SRAM Racing mit 265 Punkten und der Niederländerin Annemiek van Vleuten von Orica-Scott mit 254 Punkten. 

Ronde

In einem sehr schnellen Rennen, das auch von Defekten und Stürzen geprägt wurde, zeigte sich an der berüchtigten Mauer von Geraardsbergen die Deutsche Lisa Klein  von Cervelo-Bigla für kurze Zeit an der Spitze des Feldes, bevor der Kruisberg für eine Vorentscheidung sorgte. Dafür verantwortlich war eine Gruppe mit der WorldTour-Führenden Elisa Longo Borghini von Wiggle-High5, der Olympiasiegerin aus den Niederlanden Anna van der Breggen von Boels-Dolmans, der Polin Katarzyna Niewiadoma vom WM3 Pro Cycling Team und Annemiek van Vleuten, die am Paterberg einen Vorsprung von 30 Sekunden herausgefahren hatten. Unter Führung der Teams Sunweb und Canyon SRAM Racing wurde es auf der langen Zielgeraden äußerst spannend, als die Verfolger aufschließen konnten. Gegen die schnelle Coryn Rivera waren am Ende alle anderen ohne Chance! Für Lisa Klein blieb am Ende als beste Deutsche der 29. Platz mit einem Rückstand von 5:32 Minuten übrig.

Im Rennen der Junioren über 127 Kilometer von Herzele nach Geraardsbergen siegte der Niederländer Maikel Zijlaard im Alleingang mit 27 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Michele Gazzoli und dem Belgier Davide Bomboi.

Text: Bernd Mülle    

Fotos: Arne Mill (frontalvision.com)

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Rundfahrt
Name des Radrennens
Ronde Van Vlaanderen
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