Six Day Gesamtsieg für Kenny de Ketele/Moreno de Pauw auf Mallorca

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 19 März 2017    
 
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Siegerehrung auf Mallorca
Foto: Arne Mill

Letztlich war der Sieg für die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw beim Six Day Finale auf Mallorca mehr als verdient, auch wenn sie erst mit dem letzten Spurt die siegbringenden Punkte ergatterten und ihre stärksten Widersacher Albert Torres/Sebastian Mora aus Spanien dabei leer ausgingen. Verdient vor allem deshalb, weil sie die konstanteste Leistung während der gesamten Six Day-Saison erbracht hatten, während sich zum Beispiel die hier stark fahrenden spanischen Europameister Albert Torres/Sebastian Mora erst durch eine Wildcard für dieses Finale qualifizierten.

de Pauw

Zwölf Teams waren zum Finale angetreten, nachdem die Niederländer Pim Ligthart/Jens Mouris und auch die Australier Callum Scotson/Cameron Meyer auf einen Start kurzfristig verzichtet hatten. Auch die ebenfalls qualifizierten Dänen Michael Mörköv/Lasse Norman Hansen sowie die Briten Mark Cavendish/Bradley Wiggins blieben dem Finale fern, da sie derzeit im Straßenrennsport unterwegs sind bzw. Bradley Wiggins seine Laufbahn bekanntlich beendet hat. Als Nachrücker mit Wildcard bekamen daher die Deutschen Meister Achim Burkart/Nico Heßlich, die Briten Andrew Tennant/Christopher Latham, die bereits erwähnten Spanier und die Niederländer Nick Stöpler/Roy Pieters eine Chance. 

Im ersten Wettbewerb des Abends unterstrichen die Lokalmatadoren Albert Torres/Sebastian Mora ihre Ambitionen, als sie die kleine Jagd über 20 Minuten gewannen und dabei ebenso wie Kenny de Ketele/Moreno de Pauw, die Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga, die Franzosen Morgan Kneisky/Benjamin Thomas und Andrew Tennant/Christopher Latham eine Runde Vorsprung herausgefahren hatten. Im 15 km Punktefahren waren die Schweizer Tristan Marguet/Claudio Imhof erfolgreich, während die Mannschaftsausscheidung eine Beute der Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga wurde. So besaßen vor der Finaljagd über 60 Minuten die fünf, mit Rundenvorsprung führenden Teams die besten Chancen auf den Gesamtsieg. Nach Punkten führten die Spanier vor den Niederländern und den Belgiern, die aber noch längst nicht aus dem Rennen waren.

Grasmann

Mit Beginn der Jagd gab es gleich erste Ausreißversuche von den Österreichern Andreas Müller/Andreas Graf, die aber jeweils schnell wieder vom Feld gestellt wurden. Das Tempo war hoch und so scheiterten auch weitere Versuche der Lokalmatadoren und der Franzosen Morgan Kneisky/Benjamin Thomas, die sich sehr angriffslustig zeigten. Dagegen war von den vermeintlich stärksten deutschen Teams kaum etwas zu sehen, wobei vor allem Leif Lampater/Marcel Kalz enttäuschten und auch Christian Grasmann/Maximilian Beyer keine Initiative ergriffen, sich aber wenigstens an der Nachführarbeit beteiligten. In den ersten 40 Minuten gab es keinen einzigen Rundengewinn, weil jeder Ausreißversuch im Keim erstickt wurde, das sah für die Zuschauer nicht gerade spektakulär aus. Als noch 51 Runden zu fahren waren, traten Kenny de Ketele/Moreno de Pauw in Aktion und schafften als Erste einen Rundengewinn, der kurz danach von Albert Torres/Sebastian Mora und Yoeri Havik/Wim Stroetinga gemeinsam egalisiert wurde. 

Durch die mittlerweile beiden ersten Sprintwertungen, die das Rennen merklich positiv beeinflussten, lagen die Belgier nun auch nach Punkten in Führung, doch die Spanier konterten bei der dritten Wertung und vor der Schlusswertung führten sie dann mit zwei Punkten vor den Belgiern, so dass der Zielspurt entscheiden musste. Hier zeigte sich die ganze Routine eines Kenny de Ketele, der zum richtigen Zeitpunkt seinen Partner ins Rennen schickte, der zwar nicht mehr den letzten Sprint gewann, aber mit erspurteten sechs Punkten die leer ausgehenden Spanier noch vom ersten Platz verdrängen konnte. Für die ebenfalls rundengleichen Yoeri Havik/Wim Stroetinga blieb am Ende mit 17 Punkten Rückstand auf die Sieger nur der dritte Platz übrig.

Mallorca

Einen starken Wettkampf lieferten sich auch die 14 für Mallorca qualifizierten Frauen, darunter mit Anna Knauer, Lisa Küllmer, Tatjana Paller, Stephanie Pohl und Gudrun Stock auch fünf Fahrerinnen aus Deutschland. Gleich im ersten Rennen, dem Scratch über 10 km, gab es durch Tatjana Paller einen Überraschungssieg, der noch durch den dritten Rang von Anna Knauer die gute Leistung der deutschen Frauen untermauerte. Im folgenden Ausscheidungsfahren, fast schon generell keine Disziplin für deutsche Radsportlerinnen, siegte die große Favoritin Katie Archibald aus Großbritannien vor ihrer Landsmännin Neah Evans und Amalie Dideriksen aus Dänemark, während Lisa Küllmer und Anna Knauer auf den Plätzen 7 und 8 folgten. Bereits als Zweite ausgeschieden verspielte Tatjana Paller ihre gute Ausgangsposition vom Scratchrennen und konnte diese im abschließenden Punktefahren mit Platz 8 nicht mehr wesentlich verbessern. Hier siegte die Straßenweltmeisterin Amalie Dideriksen vor Elinor Barker aus Grossbritannien, die beide gemeinsam einen Rundengewinn vollziehen konnten. Dahinter folgte Gudrun Stock auf Platz drei, der ein Sieg in den Wertungssprints reichte, um diesen Platz zu belegen. Im Endstand triumphierte etwas überraschend Elinor Barker knapp vor ihrer Landsmännin Katie Archibald und erwies sich bei den drei Wettbewerben als die konstanteste Athletin. 

Die Sprinter kamen im Rahmen des Six Day Finals auch zur Geltung und hier erwies sich der Tscheche Tomas Babek unter sechs Startern als der Stärkste. Er gewann das 200 m Zeitfahren vor dem Spanier Juan Peralta, der den Tschechen aber im Sprintfinale hinter sich ließ. Die Entscheidung brachte schließlich das Keirinrennen, das Spezialist Tomas Babek als amtierender Europameister in dieser Disziplin vor Juan Peralta gewann und somit auch vor dem Spanier Gesamtsieger bei den Sprintern wurde.

Die Veranstalter haben mit der Serie neue, positive Akzente im Sechstagesport gesetzt, wenngleich aber nicht alles reibungslos über die Bühne ging. Die Übertragung bei Eurosport war z.B. in Berlin und Kopenhagen nicht zu realisieren, die Zuschauerresonanz – auch auf Mallorca – blieb etwas hinter den Erwartungen zurück und das sportliche Programm wurde zwar gestrafft, aber vor allem die Jagden ließen von der Spannung her oftmals zu wünschen übrig. Immer dann, wenn es zu Wertungssprints innerhalb der Jagden kam, wurde das Rennen aber spannend, so dass die Überlegung, generell eine Jagd mit Punktwertungen alle zehn oder zwanzig Runden zu bestreiten, nicht von der Hand zu weisen ist. Auch die Reduzierung der Siegesprämie von 30.000,-- auf 20.000,-- Euro hat bestimmt bei den Akteuren nicht den besten Eindruck hinterlassen. Dazu ein Finale auf Mallorca erst sechs Wochen nach Beendigung der Sechstagesaison führt dann dazu, dass qualifizierte Fahrer aufgrund ihrer Straßenverträge nicht mehr dabei sind. Der Ansatz mit dem Finale ist gut, aber es sollte spätestens zwei Wochen nach dem letzten Sechstagerennen ausgetragen werden und dann entweder in London oder Berlin. Die vielen auf Mallorca derzeit trainierenden Athleten haben jedenfalls die Halle beim diesjährigen Finale nicht gefüllt, dafür sah man wenigstens Prominenz wie die ehemaligen Profis Miguel Indurain, fünfmaliger Gewinner der Tour de France, oder Jan Ullrich in der Halle, der 1997 ebenfalls die Frankreich-Rundfahrt gewann. 

Lassen wir uns überraschen, wie es in der nächsten Winterbahnsaison auf Europas Pisten weitergeht. 

Text: Bernd Mülle

Fotos: Arne Mill

 

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
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