Kopenhagen beschließt Six Day Serie mit dänischem Sieg

Autor: Bernd Mülle     veröffentlicht am 03 Februar 2017    
 
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Six Day Copenhagen 2017
Foto: Arne Mill

Die letzte Station der Six Day Serie in Kopenhagen vor dem großen Finale im März auf Mallorca hat zum großen Teil ihren eigenen Charakter behalten. Lediglich die sogenannte „Longest Lap“ wurde als neuer, zusätzlicher Wettbewerb übernommen, ansonsten hat die Madison Sports Group als Ausrichter der Six Day Serie keinen Einfluss auf das Rennen gehabt, das auch weiterhin als eigenständiges Event weitergeführt wird.

Was gut war, muss nicht immer eine tiefgreifende Änderung erfahren und nur so ist es auch zu erklären, dass eine 75 Minuten dauernde Jagd als Ouvertüre das dänische Fachpublikum wie in den vergangenen Jahren sofort in den Bann zieht. Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, wenn ständig Rundengewinne herausgefahren werden, die das Publikum begeistern. Das Salz in der Suppe, das zum Beispiel in Berlin zum großen Teil fehlte! Dazu eine wesentlich bessere, geringere Punktvergabe in allen Wettbewerben, die die Bonusrunden relativierten und auch wieder eine Sprintserie mit den früher so beliebten 5, 3, 2, 1 Punkten. 

Six Day Berlin Fotos

Hinzu kam die Tatsache, dass gleich zwei dänische Teams vor heimischen Publikum dem Rennen ihren Stempel aufdrückten und auch die anderen Lokalmatadoren sich immer wieder ins Rampenlicht schoben. Die Sieger von 2013, Lasse Norman Hansen/Michael Mörköv, dominierten von der 1. Nacht an, nur einmal gaben sie in der 3. Nacht die Führung an die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw ab, um dann wieder durchgehend bis zum Finale an der Spitze zu liegen. Das fleißige Sammeln von Punkten zahlte sich aus, um die am Ende rundengleichen Belgier auf Platz zwei zu verweisen. Stark fuhren auch die Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga, die nur eine Runde preisgeben mussten und im Finale sogar eine Doublette fuhren, am Ende aber kräftemäßig nichts mehr zuzusetzen hatten. 

Die zweite dänische Mannschaft, die diverse Akzente setzte, waren die jungen Casper von Folsach/Frederik Rodenberg Madsen, die in den Rahmenwettbewerben ganz hervorragende Leistungen boten. Gleich in der 1. Nacht siegten sie im 250 m Zeitfahren mit 12,561 Sekunden, dabei nur knapp den Bahnrekord von Marcel Kalz aus dem Jahre 2013 verfehlend, und schlugen auch den etablierten Teams im Dernyrennen als Sieger ein Schnippchen. In jeder Nacht waren sie im 250 m Zeitfahren überlegen und steigerten dabei den Bahnrekord am Samstag auf 12,469 Sekunden, um dann am nächsten Tag mit 12,449 Sekunden noch einen draufzusetzen! Toll auch ihre Leistung im 500 m Zeitfahren, wo sie in der 2. Nacht nach hervorragenden 26,561 Sekunden (neuer Bahnrekord) von Alex Rasmussen/Casper Pedersen mit nahezu unglaublichen 25,917 Sekunden den gerade neu aufgestellten Rekord nochmals pulverisierten.

Six day

Ihr erneuter Sieg im Derny-Finale über 60 Runden gegen die Topteams am Montagabend –auch in der Revanche am Dienstag waren sie erfolgreich - wurde in dieser Nacht noch durch den Erfolg in der Handicap-Jagd über 300 Runden (75 km) übertroffen. Dieses in der Geschichte der Sixdays einmalige und längste Spektakel, das nach einer Fahrzeit von 1:22:37 Stunden beendet war, stellte mit einer sensationellen Durchschnittsgeschwindigkeit von 54,468 km/h einen neuen Rekord auf. In dieser Jagd waren ihre Landsleute Marc Hester/Jesper Mörköv die großen Verlierer, die nach nur einer Runde Rückstand nach dieser Nacht mit vier Verlustrunden ihre Ambitionen auf das Podium begraben mussten. Die großen Drei aber, die mit einem Handicap von sieben Runden in diese Jagd gegangen waren, lagen nach der 5. Nacht weiterhin rundengleich in Führung, nachdem sie sich in dieser Rundenjagd nicht aus den Augen gelassen hatten.

Das 55. Sechstagerennnen von Kopenhagen mit Michael Sandstoed als Cheforganisator, der als ehemaliger Profi die Fäden fest und gut in der Hand hatte, ging am Schlusstag vor ausverkauftem Hause zu Ende. Der Ex-Profi weiß nur allzu genau, was beim fachkundigen Publikum ankommt und so konnte auch sein Nachwuchsprogramm voll überzeugen. Nicht nur die U 23-Fahrer mit den überlegenen dänischen Siegern Kristian Kaimer Eriksen/Julius Johansen konnten überzeugen, vielmehr gab es Rennen für Junioren und vor allem den Minis, die mit weiblicher Beteiligung einen Madison-Wettbewerb austrugen und dabei schon recht hohes Niveau nachwiesen. Kein Wunder, dass die dänischen Nachwuchsfahrer Jahr für Jahr u.a. bei der kids-tour in Berlin immer wieder dominieren! 

Morkov

Das Finale der Six Day Serie findet im März auf Mallorca statt, wo die 12 besten Teams bzw. Frauen starten sollen. Wer dann letztlich dabei ist, ist derzeit noch nicht abzusehen, zumal Marcel Kalz und Christian Grasmann als qualifizierte Fahrer verletzungsbedingt kaum antreten können. Auch ein Bradley Wiggins aus Großbritannien, der seine Laufbahn beendet hat, oder der Niederländer Jens Mouris, der in Berlin sein letztes Sechstagerennen fuhr, werden auf Mallorca kaum am Start stehen. Welche Nachrücker dann in Frage kommen, werden die Veranstalter zu entscheiden haben, wobei die Teams auf den derzeitigen Plätzen 13 bis 15, Achim Burkart/Nico Heßlich aus Deutschland, die starken Briten Andrew Tennant/Christopher Latham und Albert Torres/Sebastian Mora als spanische Lokalmata-doren, die größten Chancen haben, beim Finale dabei zu sein. Der Sieg dort wird aber nur über die Belgier Kenny de Ketele/Moreno de Pauw und die Niederländer Yoeri Havik/Wim Stroetinga führen, die in der Gesamtwertung die ersten beiden Plätze einnehmen.

Bei den Frauen, wo in Kopenhagen vor heimischen Publikum die Dänin Trine Schmidt vor der Norwegerin Anita Yvonne Stenberg und der Deutschen Gudrun Stock siegte, haben auf Mallorca die Britinnen Katie Archibald, Elinor Barker und Neah Evans vor allem die starken Däninnen Amalie Dideriksen und Trine Schmidt zu fürchten, während aus deutscher Sicht Tatjana Paller als 9. der Gesamtwertung, Gudrun Stock (11.) und Anna Knauer (12.) nur Außenseiterchancen haben dürften. 

Six Day Fotos

Mit dem Sommer-Sechstagerennen in Fiorenzuola und den ebenfalls nicht in die neue Serie integrierten Rennen in Gent, Rotterdam und Bremen ist die Sechstagesaison in Kopenhagen nach insgesamt acht Rennen beendet worden. Das italienische Rennen einmal außen vor, werden die Rennen in Gent, Rotterdam und Bremen wohl ihre Eigenständigkeit behalten, wenngleich Gesprächsbereitschaft mit den Machern der Serie angedeutet wurde. Die Beispiele Gent mit seinem vorrangig sportlich ausgerichteten Rennen im Mutterland des Radsports und Bremen mit seiner hervorragenden Vermarktung brauchen sich andererseits vor keiner Konkurrenz zu fürchten. Insofern werden sich die dortigen Veranstalter sehr genau überlegen, ob sie der Six Day Serie in Zukunft beitreten wollen, zumal in der abgelaufenen  Saison beide Rennen erfolgreich durchgeführt wurden. 

Aber gerade die Abschlussveranstaltung in Kopenhagen hat gezeigt, dass durchaus an Bewährtem festgehalten werden kann, ohne dass das Publikumsinteresse verloren geht. Dennoch ist das Engagement der britischen Madison Sports Group zu begrüßen, der es insbesondere darum geht, neue, junge Zuschauer für den Radsport zu begeistern und den einen oder anderen Wettbewerb neu ins Programm zu bringen. Spannende, spektakuläre und dabei einfach zu erklärende Disziplinen sind gefragt, aber auch eine Jagd als das Herzstück eines jeden Sechstagerennens lässt sich über Hinweise auf einer Anzeigetafel, wie in Berlin praktiziert, recht einfach darstellen. Inwieweit ein passendes Rahmenprogramm wie DJ oder Band in Zukunft ein derartiges Event begleitet, sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden. Wichtig ist vor allem, dass der Funke zum Publikum und zu den Sportlern überspringt, denn nur so kann am Ende von einer richtig guten Veranstaltung gesprochen werden. 

Text: Bernd Mülle 

Fotos: Arne Mill

Inhalt der Neuigkeit:
Rennbericht
Radrennen-Art:
Six Days
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