„Gmeinsam ufwärts!“ - Der erste Schritt: FC Aarau besiegt den FC Winterthur

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 03 April 2018    
 
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turus Fotostrecke
Choreo der "Fanszene Aarau"
Foto: Arne Amberg

Fakt ist, es gab bereits weitaus bessere Zeiten beim FC Aarau, der einst am 26. Mai 1902 ins Leben gerufen wurde. Von 1981 bis 2010 spielte der Fußballclub aus der 21.200-Einwohner-Stadt Aarau (Kanton Aargau) nonstop in der ersten Schweizer Liga und erhielt aus diesem Grund den Spitznamen „Die Unabsteigbaren“. Wir erinnern uns: Auch in Deutschland gab es in der 1. Bundesliga mal ein paar „Unabsteigbare“ - und man glaubt es aus heutiger Sicht kaum, es handelte sich doch tatsächlich um den VfL Bochum! Von 1971 bis 1993 konnte mit vergleichsweise wenigen finanziellen Mitteln die Klasse gehalten. Stichwort Finanzen: Auch in Aarau sprudelt nicht das Geld in üppigen Strömen aus Quellen, die niemals versiegen mögen. Kurzum, der Verein war Ende 2002 total pleite. Konntest du quasi nen Kreuz machen, würde man hier dazu sagen. Der damalige Präsident Michael Hunziker hatte jedoch einen Plan, und zwar einen richtig guten. Der Club wurde in eine Aktiengesellschaft überführt, bei der rund 4.500 Aktionäre ihre Anteile haben. Die Gründungsversammlung fand am 7. Januar 2003 im Restaurant Schützen in Aarau statt, der FC Aarau konnte saniert werden, die Mannschaft konnte demzufolge den Spielbetrieb im Fußballoberhaus weiter führen.

Aarau

Ganz nach oben in die Europapokalränge ging es jedoch nicht mehr. Die Auftritte auf europäischem Terrain fanden allesamt in den 1980er und 1990er Jahren statt. Im Europapokal der Pokalsieger hatte es der FC Aarau im Herbst 1985 mit Roter Stern Belgrad zu tun, drei Jahre später traf Aarau in der ersten UEFA-Pokal-Runde auf den 1. FC Lokomotive Leipzig. Beide Gegner waren eine Nummer zu groß. Immerhin konnte im Sommer 1993 in der Qualifikation der Champions League Omonia Nikosia ausgeschaltet werden, in der ersten Runde gab es dann den späteren CL-Gewinner AC Mailand als Gegner. Mächtig reingehangen - denkbar knapp mit 0:0 und 0:1 musste der FC Aarau die Segel streichen. Mitte der 1990er folgten noch Duelle im UEFA-Pokal gegen den NK Mura Murska Sobota, CS Maritimo Funchal, FC Lantana Tallinn und Brøndby IF.

Aarau

Nach dem Abstieg in die zweite Liga am Ende der Saison 2009/10 droht sogar der Durchmarsch ins Amateurlager, doch konnte die Kurve gekriegt und am Ende der Zweitligasaison 2012/13 als souveräner Tabellenführer vor dem FC Winterthur (der eigentliche Tabellenzweite AC Bellinzona wurde die Lizenz entzogen und musste absteigen) die Rückkehr ins Fußballoberhaus gefeiert werden. In der Folgesaison wurde mit Rang neun die Klasse gehalten, wieder runter ging es am Ende der Spielzeit 2014/15, als sechs Siege in 36 Partien einfach zu wenig. Allerdings hatte am Ende der FC Vaduz nur ein Pünktchen mehr auf dem Konto. Das 1:5 bei St. Gallen besiegelte am letzten Spieltag den Abstieg in die Challenge League. Der 3:2-Sieg am letzten Spieltag gegen den FC Thun war sportlich wertlos.

Aarau

2015/16 wurde die Saison mit Platz vier abgeschlossen, am Ende der zurückliegenden Spielzeit stand Rang fünf zu Buche. Im grauen Niemandsland des Mittelfeldes ist der FC Aarau in der laufenden Zweitligasaison zu finden. Reife Früchte sind in der Challenge League nicht zu ernten, und da sich vor einem Jahr auf die Schnelle kein neuer Hauptsponsor finden ließ, sprang die „Szene Aarau“ (die aktiven Fans des FC Aarau) mit mehreren zehntausend Schweizer Franken ein und sicherte sich temporär das Plätzchen auf dem Trikot der Spieler. Von Spieltag 28 bis 32 stellte die „Szene Aarau“ unter Beweis, dass Fußballfans mehr können als nur Fähnchen schwenken, Bier trinken und Fackeln anzünden. Spenden konnten die Fans Beträge von 15 bis 6.000 Franken. Logischerweise hatte das Ganze auch einen Gegenwert für die spendenden Fans. Für 15 Franken gab es ein Mini-Trikot, für 280 Franken das limitierte Heimtrikot mit der Aufschrift „Szene Aarau“, für einen Tausender durfte der Spender eine Trainingseinheit mit der ersten Mannschaft absolvieren.

Szene Aarau

Ein Jahr später stellte nun die „Szene Aarau“ ihr eigenes neues Kleiderkonzept vor. Am Ostermontag wurden beim Heimspiel gegen den FC Winterthur die ersten Pullover präsentiert. Im Zentrum des Ganzen steht der neue „Szene Aarau“-Badge, der austauschbar und abnehmbar ist. Doch nicht allein die neuen Pullover weckten beim zurückliegenden Heimspiel die Aufmerksamkeit. Vor insgesamt 3.156 Zuschauern im Stadion Brügglifeld wurde eine Choreo umgesetzt. Ein Banner mit der Aufschrift „Gmeinsam ufwärts!“ - oben drüber die Buchstaben „AARAU“ als Doppelhalter. Über den einzelnen Großbuchstaben waren die Logos der einzelnen Gruppierungen zu sehen: „Futuro Aarau“ (Jugendgruppierung der Amigos), „Amigos Aarau“, „Szene Aarau“, „Fanclub Adler 86“ sowie „Ferox Aarau“.

Aarau

Auf dem Rasen gab es passenderweise einen 2:1-Erfolg der Spieler von Interimstrainer Stephan Keller (Trainer Marinko Jurendic wurde zuvor entlassen) zu sehen. In der siebten Minute brachte Frontino den FC Aarau mit 1:0 in Führung. Nachdem nach einer Viertelstunde Radice für die Gäste ausgleichen konnte, besorgte das Geburtstagskind Rossini in der 88. Minute den viel umjubelten 2:1-Siegtreffer! Besser hätte es für den Gastgeber nicht kommen können! Frust indes beim Gast, in der Nachspielzeit musste Jordi López mit glatt Rot vom Platz…

Aarau

Fotos: Arne Amberg

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in der Schweiz

Spielergebnis:
2:1
Zuschauerzahl:
3.156
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