SV Meppen vs. Hansa Rostock: Weitere fette Beute für den FCH im Schneegestöber

Autor: Anika     veröffentlicht am 04 Februar 2018    
 
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Der winterliche Blick vom Gästeblock aus
Foto: Anika

Der SV Meppen… Puh, was fällt mir dazu ein? Das Hinspiel. Nico Granatowski, die Rote Karte für Amaury Bischoff, die ärgerliche Niederlage, die ekelhafte Spielweise der Emsländer. Ich befand mich zu dem Zeitpunkt auf der anderen Seite der Ostsee in Oulu, Finnland, am Strand und hätte das Tablet nach dem Spiel am liebsten direkt ins Wasser geschleudert. So ein verdammter Mist. 

Tablet

Aber auswärts in Meppen? Keine Ahnung. Beim letzten Hansaspiel im Emslandstadion bin ich noch nicht mal zur Schule gegangen. René Schneider hat beim 2:1 das Tor für Hansa erzielt und Timo Lange eine Rote Karte bekommen. Und weil es so lange her ist, dass man mal auswärts nach Meppen fahren konnte, gingen die Karten im Vorfeld weg wie kaltes Bier an einem warmen Sommertag. 1.300 Gästefans waren angekündigt, die beiden Gästeblöcke bis auf den letzten Platz gefüllt.

FCH

Pünktlich zur Ankunft in Meppen beginnt es zu schneien und wer vor zwei Wochen bereits auf dem Weg nach Großaspach war, schaut sich das Ganze mit einem gewissen Misstrauen an. Die würden doch nicht etwa…? So kurz vor dem Spiel? Wenn schon fast alle da sind? Oder vielleicht doch? Zutrauen würde man es den Verantwortlichen wohl.

Meppen

Hatte man in Großaspach noch “mit vielen ehren- und hauptamtlichen Helfern alles dafür getan” (Auf den Bildern vom Stadion sah es dann ja nicht unbedingt so aus als hätten sie sonderlich viele Helfer gehabt.), sieht man das im Emsland etwas pragmatischer. Fußball wird halt auf Rasen gespielt und der ist ja schließlich da, also kann man auch anpfeifen. Punkt.

Meppen

Das Emslandstadion, oder die Hänsch Arena, ist ein kleines, einfaches Stadion mit überdurchschnittlich vielen Stehplätzen und wenig Schnickschnack. Haupt- und Gegentribüne nennt man hier “Alte” und “Neue Tribüne”, wobei die “Neue” auch schon bei Hansas letztem Gastspiel hier stand. Auf einer Werbebande am Tribünendach steht “Wir ackern für den SV Meppen”. Zu allem Überfluss an Klischees ward in der Nähe des Bahnhofs ein Trecker gesehen.

Meppen

Als kurz vor Anpfiff die Linien fachmännisch frei gefegt werden, ist das Misstrauen dann vollständig verflogen. Hier wird heute ein Fußballspiel stattfinden. Zwar kein schönes, aber man kann auch nicht alles haben.

Hansa beginnt mit drei Stürmern und viel Druck. Meppen kommt in der Anfangsphase kaum aus der eigenen Hälfte heraus, die Bälle, die auf diesem Untergrund logischerweise verspringen, werden immer wieder durch einen Rostocker abgefangen und wieder nach vorn gebracht.

Hansa

Bereits in der 11. Minute springt Tim Väyrynen, der von Natur aus schon größer ist als ein Mensch, am höchsten und setzt den Kopfball ins Tor. 1:0. Der Gästeblock dreht durch. “Auswärtssieg, Auswärtssieg!”

Hansa macht auch nach dem Tor so weiter und müsste eigentlich noch mindestens ein weiteres erzielen, überlässt nach zwanzig Minuten aber erstmal den Meppenern das Spiel. Die kommen zwar auch zum einen oder anderen Torabschluss, aber am Ende nicht an Janis Blaswich vorbei.

Bei zwei Grad und anhaltendem Schnee will im Gästeblock trotz der frühen Führung keine südländische Stimmung aufkommen. Die meisten verkriechen sich so tief in ihre Jacken und Mützen, dass sie kaum den Mund aufbekommen. Die Hände blieben in den Taschen, denn dort sind sie am wärmsten. Ohne Dach verfliegen die meisten Gesänge direkt in der grauen Suppe am Himmel. Der Sitzblock ist unter dem Dach etwas geschützter und zuweilen besser zu hören.

schnee

Zur zweiten Halbzeit kommen einige Hansaspieler mit frischen Trikots aus der Kabine, denn aus dem Rasen ist schon lange eine riesige Matschgrube geworden, die dafür sorgt, dass jeder Sprint in den Knochen zu spüren sein muss und aussieht als bräuchten die Spieler ein paar Sekunden, um überhaupt vom Fleck zu kommen.

Hansa scheint nun die Rechnung dafür zu zahlen, dass man in der Anfangsphase so viel reingeworfen hat, denn Meppen bestimmt das Spiel zum Großteil und einige Male wird es richtig knapp.

Dass es kein schönes Spiel wird, war ja schon früh klar. Aber nun kommt auch noch dazu, dass es sehr lang wird. Jede Minute scheint viermal zu vergehen, bevor die Uhr weiter springt. Hansa hat alle Mühe, den Vorsprung zu halten und jede Bewegung sieht so furchtbar lang- und mühsam aus, dass man hofft, dass es dem Schiedsrichter auch reicht oder es eine vergessene Regel gibt, die ihn berechtigt, das Spiel um eine Viertelstunde zu verkürzen, wenn niemand mehr Lust hat.

Aber das passiert nicht. Stattdessen mühen sich beide Mannschaften weiter ab. Die eine haut die Bälle weit über den Acker vom eigenen Tor weg, die andere schlägt sie zurück. Schön ist wirklich anders.

Hansa

Fünf Minuten vor Schluss macht schließlich Lukas Scherff den Deckel zu, indem er einfach mal den ehemaligen Rostocker Vidovic anläuft, ihn zu einem Fehler zwingt und den Ball durch die Beine des Meppener Torwarts zum 2:0 einschiebt. Ausgerechnet Lukas Scherff, den vor der Saison niemand mehr auf dem Zettel hatte. Was für eine tolle Geschichte.

Im Gästeblock wird es nochmal richtig laut. So ein Tor aus dem Nichts holt auch die Letzten hinter ihren Mantelkragen hervor. Sympathisch mecklenburgisch wird man nochmal ein bisschen großkotzig. “Ohne Hansa wär’ hier gar nichts los!” Meppen kontert in derselben Melodie. “Ohne Rolfi wärt ihr gar nicht hier!”

FCH

Tja, das mag wohl stimmen. Aber wir sind nun mal hier. Und wir haben gewonnen. Noch sieben Punkte bis Magdeburg.

Bericht: Anika

Fotos: Anika, Aumi, Bjn Kâ

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
0:2
Zuschauerzahl:
8.296
Gästefans
1400

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3. Liga
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