Der FCH ist wieder da! Hansa Rostock schlägt Chemnitz mit 3:1

Autor: Anika     veröffentlicht am 11 Dezember 2017    
 
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Blick von der Süd
Foto: Anika

Die Ausgangslage: Der F.C. Hansa Rostock empfängt am 19. Spieltag der Saison 2017/18 den Chemnitzer FC im Ostseestadion. Hansa hat fünf der letzten sechs Spiele gewonnen, die zweitbeste Abwehr der Dritten Liga, derzeit keine Personalnot und scheint zuletzt sogar seine chronische Heimschwäche der letzten anderthalb Jahre abgelegt zu haben. Der Gegner aus Chemnitz steht auf dem vorletzten Tabellenplatz, hat die letzten vier Punktspiele verloren, ist sogar aus dem Landespokal ausgeschieden und dazu auch noch das zweitschlechteste Auswärtsteam der Liga. Bei einem Heimsieg würde sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf zwei Punkte verkürzen. Folgend ein Blick auf das gestrige Geschehen von der Süd aus:

Hansa

Du bist nicht 16 Jahre Hansafan, ohne zu erwarten, dass dieses Spiel ganz schlimm in die Hose gehen wird. Du bist allerdings auch nicht in den letzten Jahren zu Hansa gefahren, ohne es zu genießen, kurz vor Weihnachten mal nicht latent in Abstiegsgefahr zu schweben. Und weil es vielen anderen ähnlich zu gehen scheint, finden sich trotz der Ansetzung am Sonntag, Temperaturen um den Gefrierpunkt und einem zweiten Advent, der mit Kaffee und Kuchen im Kreise der Familie droht, 13.000 Zuschauer im Ostseestadion ein.

CFC

Ein kurzer Blick nach rechts in Richtung Gästeblock zeigt, dass sich wohl so um die 150 Sachsen auf den Weg nach Rostock gemacht haben, die während des obligatorischen “Hansa forever” beim Einlaufen der Mannschaften schon ordentlich Krach machen. Es könnte mal wieder ein interessantes Duell auf den Rängen werden, nachdem die Kleinbusbesatzung aus Köln zuletzt eher übersichtlich in Anzahl und Lautstärke war.

Hansa

Hansa kommt gut in die Partie und bestimmt das Spiel ab der ersten Minute. Schon früh erspielen sich die Gastgeber die ersten Gelegenheiten, in der 14. Minute setzt Marcel Hilßner nach einem verunglückten Klärungsversuch seitens Chemnitz’ einen satten Spannschuss an die Latte. Bereits zehn Minuten später steht Kopfballungeheur Oliver Hüsing, der heute seine eigenen Fanclub auf der West dabei hat, nach Freistoß von Amaury Bischoff völlig allein vorm Tor und erzielt das 1:0.

Hansa bleibt klar überlegen, lässt den Ball scheinbar ganz einfach zwischen den neongrün gekleideten Sachsen laufen, erkämpft sich die Bälle zurück, die nicht ganz so gezielt an den Mann gebracht werden können, und liefert insgesamt eine Klasse Vorstellung ab. Nach einem Angriffsversuch von Chemnitz geht es in der 39. Minute schnell nach vorn über Stefan Wannenwetsch, der rechts auf Soufian Benyamina spielt.

Hansa

Es ist eine von hunderten Situationen im Laufe einer Saison, in denen jeder denkt: “Schieß doch einfach!”, die aber meist damit enden, dass der Ball nochmal hintenrum gespielt und schließlich vertändelt wird. Aber dann zieht Benyamina tatsächlich an der Strafgrenze einfach ab und es steht 2:0. Meine Fresse, wie geil ist Hansa momentan eigentlich?

Hansa

Nachdem es im Gästeblock bis dato leider nicht wirklich laut war, wird es erwartungsgemäß in der Folge nicht besser. Und obwohl die Süd seit einger Zeit mal wieder ausverkauft ist, hat man auch hier das Gefühl, dass dem einen oder anderen der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu Kopf gestiegen ist oder er sich lieber berieseln lässt statt selbst den Mund aufzumachen. Da ist in der zweiten Halbzeit auf jeden Fall noch Potenzial nach oben.

Hansa

In der Pause beginnt es, zu schneien, und kurz vor Wiederanpfiff präsentiert der Oliver Hüsing-Fanclub seines Heimatvereins BV Bühren ein Banner mit der Aufschrift “Hansa, Bier & Wolle Petry”, was die Süd zu zu einem kurzen stimmungstechnischen Ausflug ins Ruhrgebiet verleitet. “Verlieben, verloren, vergessen, verzeihen. Verdammt war ich glücklich, verdammt bin ich frei…”. Schön, wenn man auch mal von seinem Standardprogramm abweicht und wieder etwas spontaner wird.

hansa

Die kurze Unaufmerksamkeit auf den Rängen überträgt sich auf den Rasen und so steht es keine Minute nach Wiederanpfiff nur noch 2:1. Oh Mist, geht es jetzt etwa wieder los? War es das mit dem Aufwärtstrend? Verlieren wir das Spiel jetzt noch mit 2:4? Stehen wir bereits Mitte Februar wieder auf Platz 15? Wir Norddeutschen sind ja nicht unbedingt die Optimisten unter den Fußballfans.

Leider trägt die Mannschaft in den folgenden zwanzig Minuten nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Stimmungslage bei. Es verspringen viele Bälle, die in den letzten Wochen angekommen wären, Torschüsse kommen entweder nicht zustande oder landen irgendwo im Nirgendwo, sogar die zweitbeste Abwehr der Liga gerät ins Schwimmen. Unterdessen erzielt Chemnitz ein weiteres Tor, das zur großen Erleichterung der großen Mehrheit im Stadion aufgrund einer Abseitsstellung von Baumgart, der den Schuss von Frahm vorbereitet, nicht gegeben wird. Meine Fresse, wie mies ist Hansa denn gerade drauf?

Auf den Rängen hat man nun verstanden, dass die Mannschaft die Unterstützung von außen braucht, und dreht Lautstärke und Intensität nochmal voll auf. Jetzt ist jeder auf der Süd dabei, alle wollen den Sieg, jeder macht endlich seinen Mund auf. “Auf geht’s, Hansa! Kämpfen und siegen!”

Hansa

In der 69. Minute behauptet Marcel Hilßner schön an der Seitenlinie den Ball, spielt am Strafraum einen Doppelpass mit Evseev und legt nach links auf den auch heute wieder sehr gut spielenden Lukas Scherff. Dieser setzt zu einem Torschuss an, der aber so unglücklich verspringt, dass er parallel zum Tor zu Evseev fliegt, der mehr aus Reflex als aus kontrollierter Körperbewegung den Fuß hinhält und das 3:1 erzielt. “Der FCH ist wieder da!” hallt es durch das Ostseestadion. Wie weit ist denn bitte Platz 15 entfernt?

Hansa übernimmt nun wieder die Kontrolle über das Spiel und lässt absolut nichts mehr anbrennen, was sich auf die Stimmung im Stadion überträgt. Die Welle rollt heute etwas flüssiger durch das Stadion als noch gegen Köln, die Stimmen, die “Nie mehr Dritte Liga” verkünden, werden lauter, die Wechselgesänge mit den anderen Tribünen verlaufen ein bisschen im Kanon, aber stimmungsvoll. Keiner hat einen Zweifel daran, dass die drei Punkte in Rostock bleiben.

Hansa

“Uns’re Heimat, uns’re Liebe”. Rhythmisches Klatschen im ganzen Stadion. “Uns’re Farben blau-weiß-rot”. Immer mehr Zuschauer stimmen in den Gesang ein. “Neunzehnhundert. Fünfundsechzig.” Das ganze Stadion steht. “Der FCH bis in den Tod!” Gänsehaut.

Als der Schiedsrichter das Spiel abpfeift, fällt die ganze Anspannung ab. Die Hinrunde ist geschafft und endet auf Platz vier. Das ist wohl etwa sieben Plätze weiter oben als man vor der Saison gemeinhin dachte.

Die Mannschaft wird mit einem bescheidenen “Und schon wieder Deutscher Meister, FCH!” vor der Süd zum Feiern empfangen und nach einigen “AHUs!”, “Döpdöpdöps” und viel Applaus mit einem “Der FCH ist wieder da!” in die Stadionrunde entlassen. Wenn’s läuft, drehnse durch. Ansonsten sind se Mecklenburger.

Bericht: Anika (Zug nach irgendwo)

Fotos: Anika, Marcus Hengst

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

> zur turus-Fotostrecke: Chemnitzer FC

 

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
13.000
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2:0 gegen Lotte und auf Rang drei überwintern!

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Sehr geiler Bericht

Wer anwesend war ,konnte Alles nochmal Revue passieren lassen und Wer nicht hat durch den Bericht einen schönen Einblick in die derzeitige Stimmungslage beim FC bekommen. Geiler Bericht weiter so !

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Sehr fein!

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