BSG Chemie Leipzig vs. FSV Zwickau: Chemische Pokalüberraschung in Leutzscher Hölle

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 01 November 2017    
 
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Chemie zieht in die nächste Runde ein ...
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Während in Polen am heutigen Feiertag auf den Friedhöfen des Landes Millionen Kerzen brennen und der Verstorbenen gedacht wird, brannte es am Tag zuvor ein Stück weiter westlich in anderer Form. Im Alfred-Kunze-Sportpark gab es im Rahmen des Sachsen-Pokals eine Partie zu sehen, die es in der Form ein Weilchen nicht mehr gegeben hatte. BSG Chemie Leipzig vs. FSV Zwickau. Nach der Auslosung schnalzten viele mit der Zunge. Manch eine Augenbraue erhob sich. Oha! Ei der Daus! Das klingt sportlich stabil. Und klar, ein leichtes Lächeln huschte auch über die Lippen. Chemie gegen Zwickau? Wann es dieses Spiel zuletzt gab? Als FC Sachsen Leipzig hatten es die Leutzscher zuletzt in der NOFV-Oberliga-Saison 2010/11 mit dem FSV Zwickau zu tun. Die beiden Saisonspiele konnten der FC Sachsen mit 2:0 in Zwickau und mit 3:2 im Leipziger Zentralstadion gewinnen. Zuvor waren die Kontrahenten in der NOFV-Oberliga und auch kurzzeitig in der Regionalliga Nordost Dauergegner. Kurz nach der Wende - sprich nach der letzten Saison, die noch zu DDR-Zeiten startete und im vereinten Deutschland endete - trafen die Beiden in der Qualifikationsrunde zur 2. Bundesliga aufeinander. Sowohl die Westsachsen als auch die Leutzscher hatten in der Vierergruppe 2 jedoch das Nachsehen. Als Tabellenerster packte der 1. FC Lokomotive Leipzig (kurz danach in VfB Leipzig umbenannt) die Qualifikation für die 2. Bundesliga.

Chemie

Geht man noch viel weiter in der Historie zurück, so stößt man in der DDR-Oberligasaison 1949/50 auf die Partie ZSG Industrie Leipzig vs. ZSG Horch Zwickau. Das Duell am 20. November 1949 konnten die Leipziger für sich entscheiden. Vor 20.000 Zuschauern erzielten Gerhard Hübler und Werner Steuer die beiden Treffer. Das Spiel der Rückrunde konnten indes die Westsachsen vor 12.000 Zuschauern mit 4:3 gewinnen. Damals im Tor von Zwickau stand Joachim Otto, der wenig später in den Westen übersiedelte und dort bei FK Pirmasens, ASV Landau und den Heider SV spielte. Und wenn wir schon bei den Torhütern sind, der berühmte Jürgen Croy stand zwischen 1965 und 1981 in Zwickau im Gehäuse. Kurz nachdem Croy von der eigenen Jugend in die erste Herrenmannschaft stieß, wurde in Zwickau aus dem „Motor“ das berühmte „Sachsenring“, das bis kurz nach der Wende Bestand hatte.

Chemie

Am gestrigen Nachmittag im Zwickauer Gehäuse stand Lukas Cichos, auf der anderen Seite versuchte Julien Latendresse-Levesque den chemischen Kasten sauber zu halten. Das Pokalspiel rief, das Pokalspiel lockte. Insgesamt 4.656 Fußballfreunde strömten zum AKS, unter ihnen 850 Anhänger des FSV Zwickau (Chemie hatte für die Gäste noch einmal hundert Tickets draufgelegt). Wer sich als Neutraler die Partie anschauen wollten, der handhabte es in gewohnter Form. Nimm die Pizza in die Hand - und bleibe unerkannt! Einfach unauffällig unters Volk mischen. 

Zwigge

Dass Chemie Leipzig gegen FSV Zwickau nicht ganz ohne ist, dürfte aufgrund der jeweiligen Freundschaften zu Eintracht Frankfurt und Dynamo Dresden einleuchten. Und so zuckte manch einer kurz zusammen, als vor dem Anpfiff im Heimblock etwas Bewegung aufkam und ein paar Vermummte sich unter mischten. Willkommen in der „Leutzscher Hölle“! Passend zu Halloween wurde das Motto des Tages bekannt gegeben. Schwenkende Fackeln, aufsteigender Rauch. Keine Leutzscher Fußballparty ohne die passenden Stilelemente. Und auch im Gästebereich tat sich einiges. Die ersten 20 Minuten über brannte es immer wieder. Hitzig wurde es nach acht Minuten, als die BSG Chemie einen Elfmeter zugesprochen bekam. Bereits in der fünften Minute konnte Alexander Bury das 1:0 für die Chemiker erzielen, und nun hatte Chemie die Möglichkeit auf 2:0 zu erhöhen. Rintaro Yajima verwandelte den Strafstoß, und im Zwickauer Block brannte es wieder. Hinter der Plauen-Fahne, die mittig hing, leuchtete es auf, und der Vorsänger sprang runter, um zu retten, was zu retten war. Der Stoff fing etwas Feuer, die Ordner verstanden nicht so recht und stürzten sich sogleich auf ihn. Ein Brandloch blieb, die Fahne wurde daraufhin abgenommen.

Zwigge

Es blieb nicht beim einzigen Hingucker auf den Rängen. Noch in der ersten Halbzeit wurde im Gästeblock eine Chemie-Fahne präsentiert (Weißenfelser Jungs?), doch als Antwort gab es nur ein „Macht euch doch nicht lächerlich!“ Im weiteren Verlauf wurde von Zwickau noch ein Spruchband präsentiert, das Bezug auf das von Chemie in Berlin gezeigte Spruchband nahm: „Für welches Bundesland ihr steht, seht ihr wenn das Flutlicht an geht.“ Als Vorlage wurde vermutlich die beliebte Quizshow „1, 2 oder 3“ für Kinder genommen. Wir erinnern uns: „1, 2 oder 3, letzte Chance… vorbei!“ und „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht.“ Die Antwort von der Heimseite ließ nicht lange auf sich warten. So hieß es: „Flutlicht war gestern an“. Dazu noch einmal eine kleine Portion Pyro.

Zwigge

Zum Sportlichen. Chemie hatte gegen den Drittligisten bereits nach acht Minuten mit 2:0 geführt. Das hatten wir schon. Die Antwort der Westsachsen erfolgte jedoch recht rasch. Nach langer Hereingabe nach vorn stand Ronny König bereit und köpfte gezielt den Ball in die Maschen. 19. Minute, nur noch 1:2 aus Sicht des FSV Zwickau. Nur drei Minuten später machte König seine zweite Bude des Tages. Freistoß hinter der Mittellinie, flinkes Spiel über die rechte Seite, Flanke in die Mitte und wieder ein Kopfball an den zweiten Pfosten. 2:2.

Chemie

Was Zwickau kann, kann auch der Regionalligist aus Leipzig-Leutzsch. Nach etwas über einer Stunde kam das Spielgerät von der rechten Seite, mit dem Kopf machte Sebastian Hey den Führungstreffer zum 3:2 klar. In der Folge wurde es giftig. Während sich die halbe Mannschaft der BSG Chemie um einen verletzten Spieler gekümmert hatte, nutzte ein Zwickauer Spieler mal einfach die Gunst der Stunde und zog in Richtung Gehäuse ab. Am Ende ließ sich Zwickau hängen, das 4:2 der Chemiker resultierte ganz klar daraus. Vorstoß der BSG, aber kein FSV-Spieler ging mehr richtig rein. Noch vor der Strafraumgrenze nahm Manuel Wajer Maß und brachte den Ball links unten unter. Der FSV-Keeper Cichos war noch mit der Hand dran, doch es nutzte nichts. Das 4:2 war erzielt, das Weiterkommen des Regionalligisten war in trockenen Tüchern.

Leutzsch

Fotos: M.B.

> zur turus-Fotostrecke: BSG Chemie Leipzig

> zur turus-Fotostrecke: FSV Zwickau

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
4:2
Zuschauerzahl:
4.656
Gästefans
850
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