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Tasmania Berlin vs. Eintracht Mahlsdorf: 3 Tore in 3 Minuten - gute Laune im herbstlichen Neukölln

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 02 Oktober 2017    
 
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Stelldichein in Neukölln
Foto: Marco Bertram

„Lust auf die Tasmanischen Teufel?“ Dass die Frage mit „Ja“ beantwortet wurde, lag auf der Hand. Fußball zieht beim eigenen Nachwuchs sowieso immer, doch mit Tasmania hat der 7-Jährige bereits besonders viel miterlebt. Im Kinderwagen hatte ich ihn bereits zum Seelenbinder-Sportpark in der Oderstraße mitgeschleppt. Mit den Worten „Ich auch Fußball machen!“ wollte er im Alter von zwei auf den Platz flitzen. Richtig prima fand er die Party mit verteilter Capri-Sonne, als vor einem Jahr die U19 in die Regionalliga aufstieg. Und zuletzt der Auswärtssieg im Berliner Pokal bei S.D. Croatia ließ auch sein Herz frohlocken. Klar, er mag die „Bambule“ auf den vollen Rängen der Drittligastadien, doch Tasmania liegt bei uns gleich um die Ecke. 30 Minuten Fußweg - und Cola und Bier können eingeschenkt werden. Dazu eine Wiener und auf den Holzbänken hinter dem Tor Platz genommen. Am gestrigen Nachmittag war auf der Seite der aufgebauten Tische und Bänke gleich mal Betrieb. Eintracht Mahlsdorf machte zu Beginn Druck und prüfte den Tasmania-Keeper Robert Schelenz. 

Tas

Beim Knabbern am Wiener Würstchen fing der Nachwuchs mal gleich an zu fachsimpeln. „Hammer, wenn der Torwart einfach mal ein Tor schießt! Geht das überhaupt?“ Klar, geht das. Nach dem nächsten Schuss von Tilo Scheffler im Eintracht-Dress, der vom Tasmania-Schlussmann mit Bravour abgewehrt wurde, erklärte er: „Uuuuuiiii, das gibt schöne blaue Flecken!“ Die Tasmania-Fans hinter dem Banner der „Tasmanischen Teufel“ sangen sich inzwischen auch ein: „Heja, Jippie he, Neukölln, Neukölln, Tasmania!“ 

Teufel

„Geh doch mal rüber und mach paar Bilder!“ Hoch motiviert zog der Nachwuchsfotograf von dannen und lichtete das beißwütige Tier auf dem Banner ab. Danach entdeckte auch er die Selfies für sich. Der Chip war später voll mit angeschnittenen Gesichtern und Fingern auf der Linse, die Ufos darstellen sollten. Auf dem Rasen kam Tasmania inzwischen besser ins Spiel, doch noch immer blieb Eintracht Mahlsdorf brandgefährlich. Zwar hatte in der 15. Minute Tasmania eine gute Möglichkeit, doch den ersten Treffer des Tages erzielten die Mahlsdorfer. Nach prima Zuspiel befand sich Lukas Krüger allein vor dem gegnerischen Torwart und brachte den Ball souverän unter. 1:0 für die Eintracht. „Papa, kommst du nicht aus Mahlsdorf?“ Ja, so ist das. Aufgewachsen knapp JWD, aber zur Schule in Mahlsdorf-Süd gegangen. Sogar mein jüngerer Bruder trug einst in den 90ern das Trikot der E-Jugend. Somit war die gestrige Berlin-Liga-Partie für mich keine 0815-Partie.

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Mahlsdorf machte nun Dampf. Noch einmal versuchte sich Tilo Scheffler, doch der Ball ging knapp am Gehäuse vorbei und klatschte an den direkt dahinter befindlichen Metallzaun. In der 25. Minute dann die dicke Möglichkeit für den Gastgeber zum Ausgleich. Doch der eine wusste auf die Schnelle nicht so recht und legte rüber zum Mitspieler, dieser haute dann den Ball in die Wolken. An unserem Holztisch hatten wir inzwischen Gesellschaft bekommen. Ein guter Kumpel aus einstigen gemeinsamen Dreh-Zeiten mit umgelegtem Tasmania-Schal schaute auf ein Bier vorbei. Kurzes Fachsimpeln über den Stand der Dinge - und dann der Jubel. Elfmeter für Tasmania. Mehmet Okan Kirli ging volles Risiko ein und haute den Ball zentral in die Maschen. 1:1. Wieder alles offen. Und der Torjubel war kaum abgeebbt, da zappelte das Spielgerät schon wieder im Netz. Nicola Thiele hatte das 2:1 gemacht, und mein Kumpel drehte vor Freude fast durch. Mein Kind lachte und meinte: „Das nächste Mal warnst du mich vor, wenn du mir ins Ohr brüllst!“ Und bumms, schon wieder ein Freudentaumel. 3:1 für Tasmania, dieses Mal war es Romario Hartwig, der die Heimfans zum Jubeln brachte. Drei Treffer in nicht mal drei Minuten - fett!

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Nach dem Pausengetränk wurde im hinteren Bereich beim Mahlsdorfer Banner vorbeigeschaut. Mein Nachwuchs zeigte sofort Interesse und fragte, ob er das mal abreißen dürfe. Erheiterung bei den Umstehenden. Freude beim Mahlsdorfer hinter dem 12623-Banner in der 51. Minute, als Robert Wenzel die Eintracht wieder ins Spiel brachte. Wieder wurde am Klebeband, welches das Banner am Wellenbrecher hielt, gezupft. Als der Spielball in die Büsche flog, wurde vor Übereifer sogleich mein Bierbecher umgetreten. Und nachdem ein Köpenicker Sportsfreund aus Spaß ein wenig Konfetti warf, zeigte sich mein Nachwuchs von der Bambule-Seite und zerrte an Jacke und Hose. 

12623

Flott zur Sache ging es auch auf dem Platz. Julian Hentschel hatte die Chance zum Ausgleich, doch der Schuss wurde gehalten. Aufatmen bei Tasmania, nachdem Damian Tiedmann nach einer Stunde wieder den 2-Tore-Vorsprung herstellen konnte. „Yeah, richtig!“, rief Tasmania-Keeper Schelenz seinen Mitspielern zu. Wenig später hatte er wieder mächtig zu tun, Mahlsdorf machte fast den 3:4-Anschlusstreffer. Neben mir hörte ich nur: „Der Torwart wird heute noch bluten…“ Der Mann im Gehäuse tat ihm ein wenig leid, weil er so häufig abwehren musste.

Tasmania

Geblutet hatte am Ende niemand. Jedoch hätte mein Köpenicker Kumpel meinen Nachwuchs fast in die Büsche gesetzt, weil er zu frech wurde, immer mehr an den Klamotten riss und ihn aufforderte, die Papierschnipsel wieder aufzuheben. Noch ein Getränk am Tisch und dann war die Zeit reif zu gehen. Man kennt das ja, ist bei Kindern erst einmal der Bambule-Knopf gedrückt, kennen diese kein Ende und keine Grenzen mehr. Als er zum Mahlsdorfer Fan mit dem 12623-Banner auch noch „Scheiß Union!“ zurief, wurde das auch mir zu bunt. Kein Bock auf Stress, nur weil der 7-Jährige durchdreht. Aber als Antwort bekamen wir nur lachend zu hören: „Ach, allet jut, so muss das doch sein!“ Fein, fein. So lustig kann auch ein Sechstligaspiel bei trüber Witterung sein. 

Fotos: Marco Bertram, Dominik

> zur turus-Fotostrecke: SV Tasmania Berlin

Spielergebnis:
4:2
Zuschauerzahl:
100
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