FC Rot-Weiß Erfurt vs. FC Carl Zeiss Jena: Feuriger Heimsieg und eine Dark Blue Gang hinter Stacheldraht

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 11 September 2017    
 
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turus Fotostrecke
Heim-Choreo beim Thüringen-Derby
Foto: Arnaud Schonder

„Sieg!!!“, „Rot-Weiß!!!“ Weit über 1.000 Erfurter Fußballfreunde hatten sich vor dem Thüringen-Duell auf den Domstufen versammelt und sich dort lautstark eingestimmt. Das Spektakel konnte sich hören und sehen lassen und wird über youtube und andere soziale Netzwerke sicherlich auch im Ausland etliche interessierte Zuschauer gefunden haben. „Koja liga?“, wird man sich auch auf dem Balkan gefragt haben. Dritte Liga?! Nicht schlecht! Und wahrlich, beim Anblick wird einem wieder mal bewusst, was für eine großartige Fankultur in Deutschland ausgelebt wird. Was für eine Palette an interessanten Spielen / Derbys / Brisanz-Duellen! Und nun - nach fast sechs Jahren - konnte auch im Ligaalltag wieder die höchst brisante Partie FC Rot-Weiß Erfurt vs. FC Carl Zeiss Jena steigen. Zuletzt trafen beide Vereine am 17. Dezember 2011 in Jena aufeinander. Vor 9.315 Zuschauern erzielte Sebastian Hähnge in der 90. Minute den 1:0-Siegtreffer für die Jungs aus dem Paradies. In der Folgezeit gab es „nur“ noch Duelle im Rahmen des Landespokals. Kein Wunder also, dass am vergangenen Samstag beide Seiten top motiviert waren und ordentlich was auf die Beine stellen wollten.

Erfurt

Einiges vorbereitet wurde auch in der Stadt und im Stadion. Ausnahmezustand in der Blumenstadt Erfurt. So wurde vor und nach der Partie der Straßenbahnverkehr zu großen Teilen aus Sicherheitsgründen komplett eingestellt. Im Stadion selbst kam wieder der NATO-Stacheldraht zum Einsatz. Sowohl direkt am Gästeblock als auch im Pufferbereich. Zudem wurden die Tore zwischen den Blöcken mit Panzerschlössern abgesichert. Geschlossen blieb bei diesem Spiel auch die Gegengerade - sprich die ehemalige Haupttribüne. Im Vorfeld verkauft wurden virtuelle Tickets, damit der Verein auch auf diesem Wege finanziell unterstützt werden kann. 

Erfurt

Von den Erfurtern komplett abgeschirmt - deshalb auch die Einstellung des Straßenbahnbetriebs - wurden vor der Partie die angereisten Gästefans geschlossen vom Hauptbahnhof aus zu Fuß zum Stadion gebracht, wo der hübsch vorbereitete Gästekäfig samt Stacheldraht und geschlossenen Toiletten auf sie wartete. Hinein in die gute Stube! Völlig separat standen die FCC-Fans gedrängt im Gästebereich - und sie machten das beste aus ihrer Situation. Ihr Auftritt: Als „Dark Blue Gang“. Beim Einlaufen der Mannschaften wurde unten am Zaun ein riesiges Banner mit der entsprechenden Aufschrift gelüftet. Zudem verschloss jeweils ein gemaltes Konterfei die beiden Mundlöcher. Unten links in der Ecke wurde zudem das Vereinsemblem des FC Carl Zeiss Jena befestigt. Kein schlechter Auftritt / Anblick bei solch einer extremen Käfighaltung.

Jena

Auf Heimseite genossen die Fans selbstverständlich etwas mehr Freiheiten, und diese wurden auch genutzt. Auch wenn der eigene Verein finanziell ein wenig klamm da steht, so müssen aus Sicht der Fans eine ordentliche Choreo und eine ordentliche Portion Pyrotechnik beim Thüringen-Derby schon sein. „Das Thüringer Land in rot-weißer Hand“. Links und rechts wehten die Fahnen, an zentraler Position wurde eine Blockfahne hochgezogen. Ein jubelnder RWE-Spieler mit über dem Kopf gezogenem Trikot. Dazu das Vereinslogo und im Hintergrund die Fans und das markante Marathontor des alten Steigerwaldstadions. Eingerahmt wurde die große Blockfahne von einigen Fackeln. Eine kleine Portion blauen Rauch und eine helle Fackel gab es auch im Gästeblock zu sehen. Dass es dabei blieb, ist verständlich. 

Erfurt

Einem lauten „Hier regiert der RWE!“ folgte auf der anderen Seite ein typisches „Erfurt-Schweine!“ Es war angerichtet. Im weiteren Spielverlauf wurden auf Heimseite noch ein paar erbeutete Materialen abgebrannt, begleitet von einem „Tod und Hass dem FCC!“ Und als später es noch eine weitere Pyro-Aktion im Heimblock zu sehen gab, erklärte der Stadionsprecher mit ruhiger Stimme: „Es reicht für heute. Jungs, lasst das Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Pyrotechnik. Ihr schadet hier nur eurem eigenen Verein!“ 

Jena

Und auf dem Platz? Die erste richtig dicke Möglichkeit hatte in der 24. Minute Biankadi, der aus sehr spitzem Winkel auf das Jena-Gehäuse abzog und Keeper Koczor prüfte. Dieser ließ den Ball nach vorn abprallen, doch die Mitspieler konnten das Spielgerät aus der Gefahrenzone bugsieren. Auf der Gegenseite versuchte sich wenig später Brügmann aus der Distanz, doch sein Schuss ging über den Querbalken. Nur eine Minute später köpfte Laurito nach einer Ecke den Ball über das Gästetor. Zehn Minuten später ging es mit dem Spielstand von 0:0 zu den Kabinenansprachen. In der Pause dann wurde die nächste Runde des Thüringen-Pokals auf dem Rasen ausgelost. Und was soll man sagen? Von insgesamt 16 Kugeln verblieben die beiden der Drittligisten bis ganz zum Schluss in der Schale. Am 07. oder 08. Oktober kommt es in Jena zum Aufeinandertreffen der Erzrivalen.

EF

Im zweiten Spielabschnitt machten zunächst die Gäste einen etwas besseren Eindruck. Ins Schwarze trafen allerdings die Gastgeber. Bitter für Jena. Gerade wurde im Erfurter Strafraum noch Katz und Maus gespielt, als zwei Minuten später nach einer Erfurter Ecke die Kugel von Christoph Bieber mit dem Kopf knapp unter die Latte befördert wurde. Gefühlvoll wurde der Ball zum Elfmeterpunkt hereingebracht, mit Schmackes wurde er von Bieber reingeköpft. Das hatte gesessen. Der Clou: Bieber war gerade mal seit sechs Minuten auf dem Rasen! Was für ein Ausbruch der Gefühle auf dem Platz und den Rängen. Man denke an die letzte Niederlage im Ligaspiel im Dezember 2011, an die derbe 0:5-Klatsche im Landespokalfinale in Jena im Mai 2014! Umso größer die Freude nun bei den Erfurter Fans über das 1:0. 

jena

Logisch, dass Jena nun alles nach vorn warf und zum Ausgleich drängte. Und ja, die Möglichkeiten zum 1:1 ergaben sich, doch fehlendes Glück und Aluminium verhinderten den Treffer der Gäste. So blieb es am Ende beim knappen 1:0-Sieg des FC Rot-Weiß Erfurt, der vor der Partie auf den Domtreppen so vehement eingefordert wurde.

Fotos: Marco Hensel, Arnaud Schonder

> zur turus-Fotostrecke: FC Rot-Weiß Erfurt

> zur turus-Fotostrecke: FC Carl Zeiss Jena

Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
12.499
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nur der RWE

Ein unterhaltsamer Bericht. Hat mir gut gefallen. Da nach jedem neuen Bild Werbung eingeblendet wird ist die Fotostrecke allerdings unbrauchbar. Aber ich war ja dabei.

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Danke!!

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