Sky, Eurosport und Amazon: Wie Fans für Live-Fußball bluten müssen

Autor: K. Hoeft     veröffentlicht am 25 August 2017    
 
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Vor ein paar Tagen veröffentlichte ich einen Artikel zum fast gleichen Thema in einem anderen Magazin (mehr mit Fokus auf Marketing) und flux hatte ich die PR-Abteilung von Amazon Prime am Hörer. Man beschwerte sich über die Wortwahl meiner Überschrift. Ich wählte das Wort "Abzocke" für die aktuelle Lage am Pay-TV-Markt. Schaut man in die Foren und Kommentarspalten in den sozialen Medien, scheint das Wort nicht soweit hergeholt. Viele Fußballfans fühlen sich "abgezockt", "überrumpelt" und völlig desinformiert, zudem hapert es an der Technik wie am heutigen Abend, als viele Abonnenten des Eurosport-Players bei der Partie des 1. FC Köln gegen den Hamburger SV nur eine Fehlermeldung auf blauem Hintergrund sahen. Läuft ... aber wohl nur die Kohle in die Taschen:

Da macht beispielsweise der Online-Händler Amazon großflächig Werbung für Live-Fußball, meint aber in Wirklichkeit natürlich die (gar nicht so schlechte) Audioübertragung von Fußballspielen über seinen kostenpflichtigen Musikdienst. Echte Fernsehrechte hat der eCommerce-Platzhirsch (noch) nicht, dafür aber Eurosport (bzw. der amerikanische Medienkonzern Discovery). Über den Eurosport Player erhalten Fans Zugriff auf 43 Livespiele (alle Freitagsspiele, jeweils fünf Sonntag- und Montagspiele, die Bundesliga-Relegation und der Supercup). Dafür müssen sie natürlich ein extra Abo (Kosten für das Jahresabo ab September 49,99 Euro) abschließen - zusätzlich zu ihrem bisherigen Sky-Abo. Eigentlich war es gedacht, über eine Kooperation Eurosport auch über Sky empfangbar zu machen, diese kam bisher nicht zustande wird es anscheinend auch nicht.

Soweit so schlecht: Um die Spiele - übrigens laut übereinstimmenden Nutzerangaben mit 1,5 Minuten Verzögerung - über den Eurosport Player direkt zu sehen, bedarf es einen PC oder ein Smartphone/Tablet. Für eine Übertragung auf den Fernseher braucht es einen ausgewählten Smart TV oder einen Streaming-Stick wie den Chromecast von Google (39,90 Euro) oder das Apple TV Gerät (179 Euro). Eine weitere Möglichkeit gibt es noch, und zwar über Amazon Prime (App, Fire Stick/TV) und einen speziellen so genannten "Channel", in dem der Eurosport Player abgebildet wird. Amazon bewarb das Angebot bis vor Kurzem mit dem Slogan "40 Spiele für 4,99 im Monat".

Soweit so falsch: Denn natürlich bekommt der Fan nicht die 40 Spiele für 4,99 Euro, sondern für 59,88 Euro oder knapp 20 Euro im Jahr mehr (+ Prime Jahresgebühr von 69 Euro), als für das Eurosportangebot sonst fällig werden würden und das nun für eine Art "App" die in das "Channel" Format gepackt wird und per Fire Stick und Fire TV abrufbar ist. Klar in der Winterpause könnte man auch pausieren. Aber es kommt trotzdem noch dicker: Kunden, die den Eurosport Player schon so gebucht haben, gucken in die sprichwörtliche leere Röhre, denn die Nutzungsrechte lassen sich nicht übertragen. Noch nicht. Laut der PR-Abteilung, die mich anrief soll zumindest da nachgebessert werden. Interessanterweise wurden alle anderen technischen Kniffe und Möglichkeiten den Eurosport Player auf den TV zu streamen geblockt oder abgeschaltet. Wer sich da nix Böses bei denkt.

Und Sky der lachende Dritte? Teils, teils. Schon im vergangenen Jahr häuften sich die Vertragskündigungen, und auch derzeit versuchen viele Kunden sich aus ihrem teuren Vertrag (billiger wurde es trotz fehlender Spiele nicht) herauszuklagen. Die Einnahmen scheinen zu stimmen und wenn nicht bei Sky, dann aber vor allem bei den Herren und Damen von der DFL, die die lachenden Vierten sind. Während die Fans außen vor bleibt und auch der Autor bei den ganzen Gebühren- und Kostenwahn fast den Überblick verliert, die Sender und Dienste sich in Sachen Krisen-PR bemühen Kunden zu gewinnen oder zu verlieren, reibt sich die Fußball-Liga aufgrund der Mehreinnahmen ihre vergoldeten Hände.

Bleibt also nur noch: Glotze aus, Stadion an. Support your local team - ab auf den Fußballplatz.

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Passt. Wollte gerade Eurosport schauen, zack ein Scheiss Error bekommen. Was für ein Dreck. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen

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Ja sprich es aus "Abgezockt", und der Fan von einem Verein der wird auch das berappen.

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