Eintracht Braunschweig vs. VfL Wolfsburg: Gästesieg, „nasse Schuhe“ und ein Platzsturm

Autor: Mia B.     veröffentlicht am 30 Mai 2017    
 
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Choreo beim Spiel gegen Wolfsburg
Foto: Marco Hensel

Als wäre dieses Aufeinandertreffen, erst Recht in der Relegation, nicht schon brisant genug, sorgte vor allem das Hinspiel nochmal für zusätzlichen Zündstoff. Das Vorgehen der Polizei, die Spielchen der Wolfsburger, die trotz modernem Stadion anscheinend mit defekten Sanitäreinrichtungen zu kämpfen haben, und nicht zuletzt der nicht gerechtfertigte Elfmeter - das versprach  einiges für das Rückspiel. Der Spielverlauf und letztendlich auch der Ausgang der Relegation dürfte allen bekannt sein. Wolfsburg macht wie im Hinspiel irgendwie das eine Tor und hält sich somit gerade so im Oberhaus. Aus Braunschweiger Sicht bitter, da man (abgesehen von besagtem Elfmeter im Hinspiel) bis zum Gegentreffer einen wirklich guten Auftritt hinlegte. Nach dem 0:1 fehlte dann irgendwie der Glaube an ein Wunder und vor allem junge Spieler ließen sich dann vielleicht zu sehr von der Stimmung und der doch schon arroganten Art der Wolfsburger Spieler beeindrucken.

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Schon etwa eine Stunde vor Anpfiff war der Gästeblock bereits gut gefüllt und auch, wenn das viele nicht gern lesen werden, war der Auftritt der Wolfsburger, was die Geschlossenheit angeht, tatsächlich nicht von schlechten Eltern. In Sachen Lautstärke, Vielfalt und Enthusiasmus sollten sie aber über das komplette Spiel nicht ansatzweise an die Auftritte der Stuttgarter oder auch Unioner herankommen. Die Braunschweiger begrüßten ihre Mannschaft zum Warmmachen mit dem bekannten „Werdet zur Legende…“, während im Gästeblock immer wieder „Braunschweig hat die Schuhe nass“ zu hören war. 

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Die Stimmung an sich war nicht wirklich aggressiv, aber man merkte schnell und ziemlich deutlich, dass sich beide Lager absolut nicht ausstehen können. Bei der Verlesung der Mannschaftsaufstellung wurde dem neutralen Beobachter ziemlich schnell klar, dass vor allem Mario Gomez kein leichtes Spiel haben sollte. Bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen, bei jedem Ballverlust ausgelacht und bei herausgeholten Freistößen mit dem Lied besungen, das eigentlich zuletzt bei vielen Sportveranstaltungen Timo Werner gewidmet wurde.

Das Wort „H*rensohn“ schien an dem Tag eine große Bedeutung zu haben. Von „Jeder Grüne ist ein H*rensohn“ über „Mario Gomez ist ein H*rensohn“ bis hin zu irgendeinem, für den Außenstehenden nicht verständlichen Gesang der Wolfsburger, der auch besagtes Wort beinhaltete. Im Allgemeinen lief es vor allem in der ersten Halbzeit so, dass eine Seite etwas gegen die andere angestimmt hatte, die andere Seite erst einmal mit einem Pfeifkonzert reagierte, um kurz darauf zu antworten, woraufhin dann wieder von der anderen Seite Pfiffe kamen. 

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Abgesehen davon, war die Stimmung schon recht beeindruckend. Fast über das gesamte Spiel konnte immer wieder das komplette Stadion mitgezogen werden. Während es in der Halbzeitpause noch ziemlich ruhig war, sollte es direkt danach schlagartig vorbei sein mit der Ruhe. Schon vor Wiederanpfiff war in der Südkurve ein Spruchband zu sehen, auf dem stand „WOB: Die Szene ist drin, ihr könnt jetzt kommen“. Parallel dazu gab es einen ordentlichen Knall. Unter den vorher vor der Kurve zusammengezogenen Ordnern herrschte jetzt richtig Betrieb. Einer der Ordner sackte regelrecht zusammen und wurde von seinen Kollegen erstmal nach Draußen gebracht. Die Wolfsburger reagierten darauf mit hämischen „Braunschweig ist so asozial“-Gesängen. 

Als es sich an dieser Stelle wieder beruhigt hatte, fiel auch schon das Tor und dadurch flogen jetzt auch einige bis dahin unerkannte Wolfsburger im ganzen Stadion auf. In der Nordkurve führte das sogar zu einem kurzen Polizeieinsatz im Block, auf der Haupttribüne wurden mehrere Personen nach einer Rangelei von Ordnern aus dem Block geschoben. So wirklich beruhigt hat sich die Situation ab diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich und vor allem das bei Spielen in Niedersachsen eingesetzte Dialogteam hatte jetzt ordentlich was zu tun. Dass da noch was zu retten war, war aber von Anfang an eher unwahrscheinlich, auch weil die Wolfsburger immer mehr Spaß daran fanden, zu provozieren. Besonders am Gesang „Ihr seid nur ein Tochterunternehmen“ schien der Block gefallen gefunden zu haben. 

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Nach dem Abpfiff stürmten dann zahlreiche Eintracht-Fans den Innenraum, wohl hauptsächlich, um den Jubel der Wolfsburger Fans mit ihrer Mannschaft zu verhindern. Im Nachhinein, wenn man sich alles so durch den Kopf gehen lässt, hätte man es ahnen können. So wirklich damit gerechnet hatte aber niemand. Und so war es, wie es in solchen Situationen oft läuft. Ein paar fangen an und den Rest erledigt dann die Dynamik, die sich in solchen Situationen entwickelt.

Gerade, als sich das Ganze dann auflöste und die Fans den Platz wieder verlassen wollten, rief der Gästeblock noch „Auf Wiedersehen“ hinterher. Sofort kehrte ein großer Haufen um und rannte nun in Richtung Gästeblock, wurde aber ziemlich schnell von der Polizeikette gestoppt. Dort gab es dann auch den einen oder anderen unsanften Kontakt zwischen Team Gelb und Team Schwarz, Becher und Pyrotechnik flogen durch die Gegend. Nach großen Festnahmen oder sonst üblichem Einsatz von Pfefferspray sah das aber aus der Entfernung nicht aus. 

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Um eventuellem Theater vor dem Stadion aus dem Weg zu gehen, führte mich der Weg zu Fuß zu meinem drei Kilometer entfernt geparkten Auto. Als ich bereits zwei Kilometer vom Stadion entfernt war, hörte ich noch bis dorthin, dass erneut Unruhe aufgekommen war. Selbst die Ansagen der Polizei, aus denen man Bruchstücke wie „… die wahren Täter zu identifizieren“ verstehen konnte, waren bis dorthin zu hören. 

Alles in allem also ein ereignisreicher Abend in Braunschweig, mit dem besseren Ende für die Wolfsburger, die auch im nächsten Jahr in der 1. Bundesliga spielen werden. Eintracht Braunschweig wird an der verlorenen Relegation aber, im Vergleich zu einigen Vorgängern, nicht kaputt gehen. Dass sie auch in den eigenen Reihen nicht ganz untalentierte Leute haben, zeigte nicht zuletzt die vor dem Spiel vorgenommene Ehrung der A-Junioren. Die hatten im Vorfeld des großen Helene Fischer Konzerts in Berlin die Junioren-Version des DFB-Pokals gewonnen.

Fotos: Mia B., Marco Hensel

> zur turus-Fotostrecke: Eintracht Braunschweig

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defekte Sanitäranlagen?

Woher stammt die Info, dass die sanitären Anlagen defekt gewesen seien? Und wieso fragt man stattdessen nicht lieber, warum man die Schuhe in der Dusche abstellt?! Und offenbar pro Spieler nur ein Paar dabei hat … Diese Fragen passen dann vermutlich nicht mehr ins Bild, das man sich so schön zurechtgelegt hat.
Und woran wird eine arrogante Art der Wolfsburger festgemacht? Die überharte "Spiel"-Weise der Braunschweiger ist dagegen normal?
Nun ja, nicht besonders gelungener Artikel, da gab es hier schon deutlich bessere zu lesen.

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