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Kogge wehrt Piratenangriff ab: Hansa Rostock gewinnt den Landespokal

Autor: Red.Sport     veröffentlicht am 26 Mai 2017    
 
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Hansa-Fans feiern den Landespokalsieg
 

Landespokal-Finale! Für die Underdogs mitunter der größte Tag der Saison oder gar der gesamten Amateurkarriere - nichts zu verlieren, alles zu gewinnen. Für die Favoriten aus Liga drei oft der letzte Strohhalm, eine verkorkste Saison wenigstens mit der Teilnahme am DFB-Pokal zu retten.

Im diesjährigen Finale in Mecklenburg-Vorpommern waren die Rollen haargenau so verteilt. Der einstige Bundesligist Hansa Rostock schrammte zwei Punkte und ein paar Tore über dem roten Strich knapp an der Regionalliga vorbei und wollte mit dem Pokal im Gepäck die Saison versöhnlich beenden. Dazu musste der MSV Pampow bezwungen werden. Der Verbandsligist aus der 3.500-Seelen Gemeinde südlich von Schwerin wurde 1990 gegründet und stieg 2010 in die jetzige Spielklasse auf, hat sich in den letzten Jahren sogar in der Spitzengruppe etabliert (aktuell Vierter).

Pampow

Dritte gegen sechste Liga - deutlicher ist in diesem Jahr kein Klassenunterschied im Finale. Und auch fantechnisch klafft zwischen den Hanseaten und den"grünen Piraten" eine große Lücke: Pampow hat knapp 500 Mitglieder und an guten Spieltagen immerhin etwas über 300 Zuschauer daheim, bei Hansa laufen gerade diverse Promotion Aktionen, um die fast erreichte Schwelle von 12.000 Mitgliedern zu überschreiten. Ins Ostseestadion pilgerten diese Saison im Schnitt 11.433 Besucher.

Hansa

Für das heutige Finale rechnete die Polizei vorab mit 4.000-5.000 Fans, vor allem aus Rostock und kündigte ein großes Aufgebot an. Am Ende waren es dann doch nur 2.807 Zuschauer im Stadion - sowie einige Duzend Rostocker, die vom Hügel am Wald davor beste Sicht auf das Geschehen hatten - und blieb es durchgängig entspannt. Es gab zwar den einen oder anderen kleinen Böller aus dem Hansa-Block, aber dieses Spiel hatte vor allem ländliche Familienfestatmosphäre: Kind und Kegel, gelegentliches Anfeuern, vereinzelte Sprechchöre, entspanntes Sonnenbad. Auf der Haupttribüne saßen beide Fangruppen friedlich gemischt.

Hansa

Sportlich ging man vorab von einer Pampower Abwehrschlacht aus, die Defensive ist das Prunkstück in der bisherigen Saison und Hansa musste sowohl im letzten Pokalfinale als auch in dieser Saison im Viertelfinale bereits nach jeweils torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen zittern. Davon war nach den ersten Minuten keine Rede mehr - die Kogge setzte alle Segel und verpasste den Piraten zwei Breitseiten von denen sie sich nicht erholen sollten - beide Male hieß der Torschütze Marcel Ziemer. Hansa spielte druckvoll und schnürte Pampow in der eigenen Hälfte ein, versäumte es aber, sich hochkarätige Chancen zu erspielen. Und so wurde es im Verlauf der ersten 45 Minuten immer ruhiger auch auf dem Rasen.

Hansa

Dies setzte sich nach dem Pausentee fort - Hansa traf zwar mit einem direkten Freistoß den Pfosten, insgesamt fehlte aber der Druck, wurde es foulintensiver. Und während die mitgereisten Pampower in dieser Phase vor allem mit dem Schiedsrichter haderten, sangen einige Hansa Fans: "Wir singen grün-weiß MSV" als Anregung. Und auch der Pampower Keeper rief dem eigenen Anhang entgegen: "Jetzt helft uns doch mal!" - woraufhin kurzzeitig einige zarte Sprechchöre einsetzten.

Vielleicht setzte das ja doch ein paar Kräfte frei bei den Freibeutern. Es gab gefährliche Schüsse auf das Rostocker Tor und in der 71. Minute saß auch einer: Top-Torjäger Rafael da Silva Cruz machte es wieder spanned. Plötzlich war wieder Leben in der Bude - Jubel beim Pampower Anhang, von den Rostocker Fans auch mal ein Wechselgesang.

Der Schuss vor den Bug brachte die Kogge zwar ins Wanken, unter ging sie aber nicht. Trotz aufopferungsvollem Kampf mussten sich die Pampower geschlagen geben, als der eingewechselte Jeff-Denis Fehr in der 92. Minute mit einem herrlichem Schlenzer von der Strafraumkante aus das 3:1 erzielte.

Hansa

Der Stadionsprecher erklärte Spiel daraufhin schon für beendet und erste Fans stürmten den Rasen, schnell folgte aber die Bitte, diesen wieder zu verlassen. Das Spiel wurde noch eine Minute fortgesetzt, dann durften alle Dämme brechen: friedlicher Platzsturm, Fotos, Autogramme und Feiern mit den Spielern, Ehrung für beide Teams und Jubelszenen rund um den silbernen Pott.

Hansa

Für die Pampower eine Leistung die aller Ehren wert war, für Hansa ein versöhnlicher Saisonausklang. Schon am 11. Juni wird im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund in die Lostrommeln gegriffen und der Gegner der ersten Pokalrunde ausgelost - wird es die Kategorie Bayern/Dortmund oder doch eher die Kategorie Sandhausen/Heidenheim? In jedem Fall winken gern gesehene Fernsehgelder und die Chance selber als Underdog für Furore zu sorgen.

Text & Fotos: Felix

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
2.708
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Glückwunsch! Und jetzt ein schönes Los. Sankt Pipi, Frankfurt, Köln, Union oder auch die dicke Bertha wären hübsch!

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