1. FC Magdeburg vs. Lotte: Torjubel wie ein Erdbeben, doch am Ende bleibt nur Rang vier

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 21 Mai 2017    
 
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Magdeburger Jubel beim Führungstreffer
 

Was für ein Spiel! Die Ränge bebten, als Michel Niemeyer in der 64. Minute den Führungstreffer zum 1:0 erzielte. Tonnenlasten fielen ab. Totale Ekstase. Ebenso nur vier Minuten später, nachdem Florian Kath das 2:0 für den 1. FC Magdeburg besorgen konnte. Tausende Arme wurden hoch gerissen, frenetisch wurden die altbekannten blau-weißen Klassiker gesungen. Die drei Punkte waren gegen Sportfreunde Lotte ziemlich sicher in trockenen Tüchern. Nun galt es zu hoffen, dass sich der SC Preußen Münster gegen den SSV Jahn Regensburg richtig reinhängen würde. Zur Halbzeit stand es wie in Magdeburg 0:0. Immer wieder der fragende Blick auf das Mobiltelefon. Der Empfang brach immer wieder ab. Ordner tauschten sich aus. Hochspannung unter den Zuschauern. Der 1. FCM hatte seine Hausaufgaben gemacht, würde es nun ein Happy End in Form der Relegation geben? Zwei Endspiele gegen Arminia Bielefeld, den TSV 1860 München oder gar den FC Erzgebirge Aue?! Im fernen Münsterland zeigte Schiedsrichter Sascha Stegemann jedoch in der 83. Minute auf den Punkt. Handelfmeter für Regensburg. Geipl verwandelte diesen und brachte den SSV Jahn somit mit 1:0 in Front. Kurz vor Schluss ein Raunen auf den Magdeburger Rängen. Fans erhoben sich. Geschah doch noch Erfreuliches bei der Konkurrenz? Abpfiff. Relative Stille. Ein letztes Abwarten. Keine Durchsagen. Irgendwann wusste dann trotzdem jeder, dass es sich mit der erhofften Relegation erledigt hatte. Gefeiert wurde die Magdeburger Mannschaft trotzdem. Verständlich, denn zurück liegt eine überaus erfolgreiche Saison.

Und ja, der Sieg gegen Sportfreunde Lotte war wahrlich nicht geschenkt. Nicht von den Gegenspielern, und schon gar nicht von Schiedsrichter Daniel Schlager. Lotte hängte sich voll rein, Schlager traf ein paar aus Magdeburger Sicht diskussionswürdige Entscheidungen. Dass die Magdeburger Spieler vor Anpfiff heiß wie Frittenfett waren, sprach sich vor dem Spiel herum. Der 1. FCM würde richtig Alarm machen - sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen. Bei angenehmer Witterung - der nächtliche Sturm, der einige Spuren auf den Gehwegen hinterließ, war längst verzogen - zogen die Massen gen Stadion und tranken sich an den Ständen auf der Wiese warm. Im Akkordtempo wurden an einem der Stände Fassbier und Büchsenbier gereicht. In Stadionnähe detonierten einige Böller, ein Fan spazierte mit einem blauen Rauchtopf gen Haupteingang. 

Block U

Während im Gästeblock die angereisten Lotte-Fans im Entenmarsch in den Eckblock zogen, drehten die Fans auf Heimseite sogleich richtig auf. Zudem wurde im Block U ein Spruchband hochgehalten: „Ihr habt Angst vor der Kriegserklärung der Fans, doch führt Ihr seit Jahren Krieg gegen uns Fans! Schweine DFB!“ Sogar die mitgereisten Fußballfreunde aus Lotte stimmten nun das gesungene „Schweine DFB!“ mit an. Um zu zeigen, dass man jedoch - trotz des gemeinsamen Kampfes für den Erhalt der Rechte und der Fankultur - nicht gleich mit der SG Dynamo Dresden auf Kuschelkurs geht, wurde gleich im Anschluss im unteren Bereich des Block U ein hellblaues „Scheiß Dynamo!!!“ präsentiert. Das war es dann jedoch auch schon mit dem Verweis auf andere Baustellen des Landes. In der Folge galt nur das Hier und Jetzt. Der 1. FC Magdeburg musste in jedem Fall gewinnen, um die Chance auf den Sprung auf Rang drei zu wahren.

FCM

Es war angerichtet, vor insgesamt 23.478 Zuschauern ging es auf dem grünen Rasen in der Startphase mächtig zur Sache. Magdeburg versuchte die Sportfreunde aus Lotte quasi zu überrennen. Gleich mal Fakten schaffen. Es waren gerade mal 15 Sekunden gespielt, als Kath aus der Distanz den ersten sehenswerten Schuss abgab. In der sechsten Minute dann fast das 1:0. Nach einer Ecke köpfte Kath das Spielgerät an die Latte. „Olé, olé, olé, immer kämpfen, immer siegen, immer vorwärts FCM!“, ertönte es von den Rängen. Der Druck blieb, Lotte wurde völlig eingeschnürt, in der Spitze machten Kath und Beck richtig Alarm. „Die ganze Welt kennt deinen Namen …“ Die Fans gingen das ganze Repertoire durch, und nach 20 Minuten folgte schließlich der Klassiker „Vorwärts Magdeburger Jungs!“ 35 Minuten hielt der Magdeburger Dauerdruck, in der Schlussphase der ersten Halbzeit konnte sich Lotte ein wenig befreien und eigene Akzente setzen.

Lotte

Positiv überrascht sein durfte man beim Blick in den Gästeblock. Zwar waren wie erwartet nicht allzu viele Fans angereist, doch die Fans, die vor Ort waren, konnten Akzente setzen. Hinter dem Banner „Freibier Ultras“ tat sich einiges. Zwar bezeichneten sie selber den Auftritt eher als durchschnittlich, doch zahlreiche Magdeburger bescheinigten den Gästefans einen überraschend guten Auftritt. Ein, zwei, drei, Oberkörper frei! Der Support wurde bis zum Ende durchgezogen. Für diesen bedankten sich nach Spielschluss die Spieler. So muss das sein. Nach einer Stunde hatten die Jungs aus Lotte sogar den Torschrei auf den Lippen. FCM-Keeper Zingerle zeigte eine Rettungstat, nur eine Minute später ging ein Kopfball über das Magdeburger Gehäuse. Hektisch wurde es sechs Minuten zuvor, als Nauber nach einem Foul an Kath nur die Gelbe Karte sah. 

FCM

Es ging Schlag auf Schlag. Für Hochspannung war gesorgt. Nach den beiden guten Möglichkeiten der Gäste nahmen die Gastgeber wieder das Heft in die Hand. Ecke Magdeburg, Parade des Lotte-Keepers Fernandez. Und dann! Zwei Minuten später die Erlösung. Mit einem strammen flachen Schuss brachte Niemeyer in der 64. Spielminute den Ball im Gehäuse unter. Freudiges Durchdrehen. Rekordlautstärke im weiten Rund. Angepeitscht von den tausenden Fans legte der 1. FCM mal gleich nach. Nachdem Kath das 2:0 erzielen konnte, gab es kein Halten mehr. Blau-weiße Glückseligkeit so weit das Auge reichte. Pure Emotionen, die auch bei alten Hasen die Augen feucht werden ließen. 

FCM

Lotte gab sich keineswegs auf und kämpfte weiter. Zu nennenswerten Möglichkeiten kamen die Gäste jedoch nicht mehr. In der Folge geschah das, was eingangs beschrieben wurde. Es sprach sich herum, dass Regensburg in Führung lag. Einer zeigte dem anderen das Handydisplay. Der Stimmungspegel ebbte ab. Recht leise wurde die Partie beendet. Laut wurde es Minuten nach dem Abpfiff, als es vor dem Block U aufmunternde Ansprachen gab und noch einmal gemeinsam das „Fußballclub Magdeburg!“ und das „Wir sind die Größten der Welt…“ tausendfach angestimmt wurden.

Block U

Noch steht das Landespokalfinale gegen Germania Halberstadt an, dann geht es in die Sommerpause. Im Anschluss geht es in die dritte Spielzeit in der 3. Liga. Einige neue Gegner werden warten. So darf sich unter anderen auf die Auswärtssause in das Karlsruher Wildparkstadion gefreut werden. Und ja, vielleicht kommt es ja auch zu den Duellen mit dem TSV 1860 München und dem SV Waldhof Mannheim. Zudem darf sich so oder so - unabhängig vom Ausgang des Landespokalfinales - auf die erste Runde des DFB-Pokals gefreut werden …

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

> zur turus-Fotostrecke: Sportfreunde Lotte

Spielergebnis:
2:0
Zuschauerzahl:
23.500
Gästefans
70
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Mit wem...

hast Du denn da gesprochen? Lottes Fans waren nicht ein einziges Mal zu vernehmen.

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Sehr schade, na dann im nächsten Jahr halt!

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