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1. FC Union Berlin vs. FC Erzgebirge Aue: Schicht im Schacht? Noch lange nicht!

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 06 April 2017    
 
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Erzgebirge Aue feiert den Sieg bei Union Berlin
Foto: Marco Bertram

„Sieg für Wismut!“, raunte Fotografenkollege Steffen mir vor Anpfiff zu. „Ja, wirklich! Kannst du mich gern zitieren!“ Noch ein Augenzwinkern, dann konzentrierte er sich auf seine Arbeit. Dass nach dem Spiel ein breites Grinsen auf seinem Gesicht zu sehen war, versteht sich von selbst. Nach ansprechender gebotener Leistung konnte der abstiegsbedrohte Verein aus dem Erzgebirge mit 1:0 beim 1. FC Union Berlin gewinnen. „Sagte ich das nicht? Aue gewinnt!“ Euphorisch feierten die Spieler und die zahlreich angereisten Fans die eingefahrenen drei Punkte. Arme kreuzen, rauf auf den Zaun, einfach nur den Augenblick genießen. Krasse Kiste, für Aue war es der dritte Sieg im vierten Spiel. Erst ein 1:0 gegen den KSC, und nach dem 1:1 in Bochum folgten das 1:0 gegen den FC St. Pauli und das 1:0 am gestrigen Abend bei den Eisernen in Berlin-Köpenick. Und wenn wir schon bei Serien sind. In den letzten acht Ligaspielen musste Aue nur eine einzige Niederlage verschmerzen - und zwar das 1:4 gegen Dynamo Dresden. Dass der gestrige Sieg immens wichtig war, zeigt sich auch daran, dass die Konkurrenz nicht schläft. So konnte Arminia Bielefeld mit 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf gewinnen. Es wird noch ein harter Abstiegskampf werden - doch noch ist längst nicht Schicht im Schacht.

Auch nicht für den 1. FC Union Berlin, der nach dem 0:2 bei Hannover 96 die zweite Niederlage in Folge verschmerzen muss. Irgendwann geht jede Serie mal zu Ende. Vor dem Auftritt in Niedersachsen gab es mal eben sieben Siege und ein zwischenzeitliches Remis in Dresden in Folge. Union brach nicht ein, machte ernst und biss sich ganz oben fest. Und ja, mit dem 1:0-Sieg gegen den Glubb wurde sogar die Tabellenführung erobert. Geht nun jedoch die Puste aus? Schwer zu sagen. Während andere meckern und in der Enttäuschung das gestrige Spiel madig machen, würde ich sagen: Es war gegen Aue eine ausgeglichene Sache. Ganz klar überraschten die Gäste aus Sachsen auf ganzer Linie. Von der ersten Minute an ging es hoch konzentriert zu Werke, und die Berliner fanden nicht das passende Rezept, die Auer ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen. Was jedoch die Puste betraf, so fiel schon auf, dass nach dem 0:1 in der 79. Minute ein wütendes, kraftvolles Aufbäumen ausblieb. Recht souverän konnte der FC Erzgebirge die knappe Führung über die Zeit bringen.

union

Dabei begann es aus Sicht der Berliner gar nicht so übel. Bereits in der zweiten Spielminute brachte Simon Hedlund den Ball zu Damir Kreilach, und dieser versuchte sich sogleich mit einem Schuss, der jedoch deutlich über das Gehäuse ging. „FC Union, unsere Liebe, unsere Mannschaft, unser Stolz…,“ ertönte es von den heimischen Rängen. Relativ still ging es zu jenem Zeitpunkt im Gästebereich zu. Nachdem jedoch auch die letzten Nachzügler - kein Wunder bei der frühen Anstoßzeit von 17:30 Uhr (wer denkt sich nur so was aus?) - im Block eintrafen, konnte stimmungstechnisch ein ordentliches Schippchen draufgelegt werden. 

aue

Sogleich mit voller Kraft trat Aue auf dem Platz an. Bereits nach wenigen Minuten holten Namensvetter Sören Bertram und Dimitrij Nazarov eine Ecke raus. In der 13. Minute folgte sogleich eine weitere Ecke der Gäste, jedoch ohne zählbaren Erfolg. „Wir singen Rot, wir singen Weiß…“ war nun von der Heimseite zu vernehmen. Laut wurde es nach einer Viertelstunde, als ein Union-Wechselgesang zwischen Waldseite und Gegengerade angestimmt wurde. Kurzzeitig verstand man sein eigenes Wort nicht mehr, genau in jener Phase forderte Union einen Strafstoß, welchen es jedoch nicht gab. Aue ließ nicht viel anbrennen und kam vorn zu Möglichkeiten. So kam nach 25 Minuten Sören Bertram an den Ball, doch sein strammer Schuss konnte abgeblockt werden. Lautes Raunen in der 29. Minute, als Sebastian Polter mit dem Ball auf der Gegenseite in der Auer Strafraum vorstieß, doch elegant und ohne Foul konnte ihm wieder das Spielgerät abgeknöpft werden. Drei Minuten später spielte Union noch einmal flott nach vorn und konnte nun nur durch Foul gebremst werden. Dieses und nur ein weiteres Mal zeigte Schiedsrichter Benjamin Cortus die gelbe Karte. Union kassierte indes in dieser Partie gar kein Kärtchen. Den folgenden Freistoß brachte Dennis Haube zu Damir Kreilach, seine folgende Hereingabe fand jedoch keinen Abnehmer. 

Union

„1. FC Union Berlin, und alle…“ hallte es nun von den Rängen. Kurz vor der Pause dann die bislang dickste Chance des Spiels. Sebastian Polter hatte das 1:0 auf dem Fuß, doch sein Schuss ging rechts neben das Tor. Mit dem 0:0 ging es schließlich zum Pausentee. Fast unbemerkt ging es in den zweiten Spielabschnitt. Nach zwei Minuten waren dann auch die Fans wieder da, als mit einem „Hinein! Hinein!“ eine Union-Ecke eingeläutet wurde. Der Gastgeber legte nun ein Schippchen drauf und biss sich die folgenden Minuten vorne fest. Ein Fallrückzieher von Polter ging am Tor vorbei, drei Minuten war es Steven Skrzybski, der zu einer Möglichkeit kam, dann jedoch abgeblockt wurde. Nach der eisernen Sturm- und Drangphase fand Aue wieder ins Spiel - und kam ebenfalls zu guten Chancen. Ein fetter Schuss hätte nach knapp einer Stunde die Auer Führung bedeuten können. Während im lila-weißen Gästeblock ein „Vorwärts BSG!“, ertönte, sangen die Heimfans nun das „Wir lieben Union, jawoll…“ 

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Ab der 70. Minute war der FC Erzgebirge richtig am Drücker. Die Führung der Gäste lag in der Luft, auch wenn es keine Torchancen im Minutentakt gab. Sehenswert war schließlich der Treffer in der 79. Minute. Dimitrij Nazarov machte auf der linken Seite ein kleines Tänzchen, schlug ein paar Haken und brachte den Ball rüber auf die andere Seite, auf der Calogero Rizzuto bereitstand. Von schräg rechts haute er den Ball volley zum 1:0 für Aue in die Maschen. Klar, dass nun der Gästeblock Kopf stand. In der Folge versuchte Union noch einmal Druck aufzubauen, was jedoch kaum gelang. Wie eingangs erwähnt, fand Aue die richtigen Mittel, um die Führung in trockene Tücher zu bringen. Nachdem kurz vor Schluss der eingewechselte Redondo per Kopf den Ausgleich verpasste, wurden langsam aber sicher im Gästebereich das „Die BSG ist wieder da…“ und das Steigerlied angestimmt. Abpfiff. Lilafarbene Party und ein lächelnder sächsischer Fotograf. „Hab ich es nicht gesagt?!“ 

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Fakt ist, es bleibt spannend. Sowohl oben, als auch unten. Oben in der Tabelle müssen die glorreichen Vier nun weiterhin die Plätze ausspielen. Wer macht schlapp und wird am Ende unglücklicher Vierter? Wer darf sich in der Relegation versuchen? Wer zieht direkt durch? Prognosen? Schwer. Gestern mussten auch Braunschweig und Stuttgart Federn lassen. Eine starke SG Dynamo wird nun den Braunschweigern das Leben schwer machen. Der VfB hat es nun mit dem Karlsruher SC zu tun. Dieser steht mit dem Rücken zur Wand und hat quasi gar nichts mehr zu verlieren. Die Eisernen reisen indes zu Fortuna Düsseldorf, und der FC Erzgebirge Aue könnte im kommenden Heimspiel die Münchner Löwen unten mit reinreißen. Man darf gespannt sein!

Fotos: Marco Bertram, Felix

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Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
20.877
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Gut zusammengefasst!

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Drücke beiden die Daumen. Klassenerhalt und Aufstieg. Mir scheint ersteres aber wahrscheinlicher.

VG Robert

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