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Bei Sparta Praha brennt der Baum: Fliegendes Megafon und massive Anfeindungen gegenüber Konaté

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 01 März 2017    
 
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Bei Sparta brennen die Sicherungen durch ...
Foto: turus.net

Nachdem zuletzt der SK Slavia Praha mehrmals in Abstiegsgefahr geriet, wird in der laufenden Saison mächtig am Finger gezogen. Erst eine Niederlage in der laufenden Saison, die letzten fünf Partien wurden allesamt gewonnen, zuletzt gab es ein 8:1 beim 1. FK Pribram. Der erste Meistertitel seit 2009 ist zum Greifen nahe. Sehr zum Leidwesen des Erzrivalen AC Sparta Praha, der zuletzt in der Saison 2013/14 die tschechische Meisterschaft gewinnen konnte. Noch war jedoch alles drin, vor dem 18. Spieltag betrug der Rückstand auf SK Slavia nur drei Punkte, ebenfalls oben mit dabei ist der amtierende Meister FC Viktoria Plzen, der jedoch am vergangenen Wochenende nach dem torlosen Remis beim FC Zlín die Tabellenführung an Slavia abgeben musste. Verfolger AC Sparta konnte zuvor am 19. Februar das Derby gegen den FC Bohemians Praha 1905 vor immerhin 11.392 Zuschauern mit 1:0 gewinnen. Mit Rückenwind sollte es also zum Auswärtsspiel beim FK Jablonec nad Nisou 97 gehen. Allerdings ist die Stimmung derzeit alles andere als gut. Es rumorte gewaltig, weil der von der Elfenbeinküste stammende Mittelfeldspieler Tiémoko Konaté - 2012 kam er von Africa Sports National in die tschechische Hauptstadt - wechseln wollte. Nach einigem Hin und Her im vergangenen Herbst erhielt Tiémoko Konaté jedoch (im Gespräch war eine grobe Verletzung des Profivertrags) bei Sparta eine zweite Chance.

Waren die meisten Sparta-Fans eh schon skeptisch, so wurde Tiémoko Konaté nach dem desolaten 0:4 beim FC Rostow zum Sündenbock ernannt. Bereits nach einer halben Stunde musste er beim Stand von 0:1 mit Gelb-Rot vom Platz. Im Anschluss brach Sparta komplett zusammen, das 1:1 im Rückspiel war nur noch reine Kosmetik. Erstaunlich, dass trotzdem noch 13.400 Zuschauer jene Partie sehen wollten. Vielleicht war es der Dank für all die Auftritte zuvor. Und ja, auch beim Rückspiel gegen Rostow gab es bei Sparta einen Platzverweis zu vermelden. Dieses Mal war es der aus Simbabwe stammende Costa Nhamoinesu, der in der 66. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog. 

Jablonec

Zurück zu Tiémoko Konaté. Aus Sicht der Sparta-Fans hätte er nicht mehr im Kader stehen sollen. Als bekannt wurde, dass er auswärts bei der Partie im Stadion Strelnice in Jablonec nad Nisou in der Startelf stehen würde, sahen etliche Spartaner schwarz. Lautstarker Protest im Gästeblock. Während im Heimbereich eine Blockfahne mit der Aufschrift „Vedení mésta zamyslete se! Stop represím!“ (in etwa: „Die Stadtverwaltung soll nachdenken! Stopp mit der Repression!“) hochgehalten wurde, gab es im Gästeblock folgende Botschaft zu lesen: „Konaté táhni!“ (Konaté fort / weg!“) Ähnliches wurde Weiß auf Schwarz in erster Reihe der Sparta-Fans hochgehalten: „Konaté ven!“ 

Konaté

Nun hätte es ja der liebe Fußballgott einrichten können, dass genau dieser Spieler den Laden rockt, zwei Treffer erzielt und die Gästeblock zum Schweigen bringt. Doch Pustekuchen! Die ganze Sparta-Mannschaft spielte nur Quark zusammen. Der FK Jablonec spielte die Hauptstädter regelrecht an die Wand. Nach nicht einmal zehn Minuten erzielte Mehanovic das 1:0, in der 20. Minute legte er gleich noch das 2:0 nach. Der Drops war schon gelutscht. Es war kein Rankommen für die Männer aus Prag. In der 86. Minute machte Mihálik den Sack zu. 3:0 für den FK Jablonec. Im Gästeblock war nun die Hölle los. Nach all den Beschimpfungen in Richtung Konaté, der dann in der 73. Minute mit seiner Auswechslung regelrecht erlöst wurde, folgte dann ein allgemeiner Wutausbruch. Bierbecher und Pyrotechnik flogen auf das Spielfeld. Eine rote Rauchbombe wurde gezündet, und in all dem Trubel fand sogar das Megafon des Vorsängers den Weg auf den grünen Rasen. Ein Feuerwehrmann sammelte das gesamte Zeug sorgsam ein. Ob er die „Flüstertüte“ nach Abpfiff den Jungs aus Prag wieder zukommen ließ, entzieht sich unserer Kenntnis.

Sparta

Inmitten des ganzen Trubels gab es in der 90.+4. Spielminute noch einen Elfmeter für den AC Praha, den David Lafata, er selber spielte von 2008 bis 2013 in Jablonec, verwandelte. 1:3 der Endstand aus Sicht der Hauptstädter. Nach dem Spiel trauten sich einige Spieler sogar zu den Fans. Die Trikots wurden ausgezogen und an die Fans überreicht. Die Wogen werden sich wieder glätten, noch ist nicht aller Tage Abend. Am kommenden Samstag empfängt der AC Sparta daheim den Stadtrivalen AC Dukla. Gut möglich, dass Konaté vorsichtshalber erst gar nicht in der Startelf stehen wird. Man darf gespannt sein, und wir werden das Ganze weiterhin beobachten …

> zur turus-Fotostrecke: AC Sparta Praha

> zur turus-Fotostrecke: Tschechischer Fußball

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
4.500
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