Rezension: Dem Nürnberger Daggl mal ordentlich aufs Maul geschaut

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 27 Januar 2016    
 
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Cover vom "Der Daggl"
Foto: turus.net

DagglHaut man jeden Tag wie ein Besessener in die Tasten, um das Onlinemagazin, das dazugehörige Forum und die in Arbeit befindlichen Bücher voranzubringen, bleibt wirklich nicht viel Zeit, um massenhaft Lektüre zu studieren. Zumal täglich von morgens bis abends das World Wide Web nach Infos bezüglich des Fußballgeschehens von Rostock bis Riga, von Ballybofey bis Bukarest durchforstet wird. Gehirnfasching, wilde Träume in der Nacht und quadratische Augen sind die logische Folge. Und trotzdem. Papier ist Papier. Es lebe Print. Mit Freude kann zur Kenntnis genommen werden, dass Bücher, Zeitschriften und Fanzines weiterhin stabile Auflagen haben und die interessierten Leser entzücken. Stapelweise wurde sich neulich wieder eingedeckt. Vom "YaBasta!" über die "Republikflucht" bis hin zum Fanmagazin des 1. FSV Mainz 05. Zwischendurch flatterte ein weiterer Umschlag herein. Guten Tag, ich bin „Der Daggl“! Ausgabe Nummer 9. „Take me Gassi!“ Auf dem Cover schaut ein Dackel fröhlich drein. Hey Ho! Lies mich! Schreib was nettes über mich! Na klar, auf der nächsten Fahrt zu irgendeinem Spiel wird sich schon die Zeit finden, das Heftchen durchzulesen. Nur mal Reinschauen zählt schließlich nicht. „Und? Gefällt?“, wird in den Tiefen des Frankenlandes nachgefragt. Ähm, ja, alles prima. Aber die Rezension lässt noch etwas auf sich warten…

DagglWeil?! Heftchen?! Optisch kommt es vielleicht als solches daher, aber 170 Seiten liest man nicht mal eben so. 170 Seiten! Und die Schrift ist auf manchen Seiten noch kleiner als beim „Blickfang Ultrà“! Auf den Seiten 84 und 85 kann der reifere Mann schon mal prüfen, ob bald eine Lesebrille von Nöten ist oder nicht. „Der Glubb is a Debb - Wir sind der Glubb. Spiel verpasst…“ Beim ersten Durchblättern dachte ich nur „Ach du heiliger Bimbam“. Und das Ganze noch in Schwarz-Weiß. Ja, ich wurde zuletzt ein wenig verwöhnt von den Ausgaben der „Republikflucht“ (Wollte ich nicht auch über die mal eine Rezension verfassen?). Voll in Farbe. Starke Fotos. Ein Humor, der genau auf meiner Wellenlänge liegt. Die Macher aus der Lausitz brachten mich oft zum Schmunzeln, wenn sie über ihre Touren nach Polen, etc. schrieben. Beim Lesen der ersten Seiten des „Der Daggl“ wurde schnell klar, dass der Humor ein anderer ist. Logisch. Es kommt ja auch nicht aus der einstigen Zone, sondern aus dem Frankenland. Allerdings dürfte klar sein, dass aus dem Umfeld des 1. FC Nürnberg stets großartige Publikationen zu erwarten sind. Sei es als Video, als Blog-Eintrag oder als Druckware. Es gibt kaum eine Fanszene, die dermaßen hervorragend die eine oder andere Problematik auf den Punkt bringen kann. Und da mit Benny in guter Gesellschaft bereits ein paar Bierchen geschnuckelt wurden, war ich, was den Daggl betrifft, durchaus optimistisch.

Benny, Maxe, Schammi, Leutturm-Harry, Freddy alias fridolin, Otto, Freidoch, Stephan, Marc04 & Co. haben ganze Arbeit geleistet. Kein Zentimeter Papier wurde vergeudet. Die Grünen wird es freuen. So beginnt das Vorwort bereits auf der Innenseite des Umschlages. „Anschnallen, Freunde, hier kommt Ausgabe 9!“ Verrückt. Der freigelassene Rand beträgt wohl einen Zentimeter, die Seitenzahlen quetschen sich in den Ecken. Es wäre mal interessant zu wissen, wie viele Zeichen sich in diesem Heft verbergen. 300.000? Nach dem Vorwort das Impressum, nach dem Impressum der Rückblick auf Ausgabe Nummer 8, nach dem Rückblick die Frage, was seit dem letzten Daggl geschah. Nach diesem Abschnitt das Inhaltsverzeichnis. Nein, doch nicht. Das Inhaltsverzeichnis wurde wohl aus Platzgründen weggelassen. 

DagglLos geht es mit dem Bericht über das Spiel Red Star FC 93 vs. Racing Strasbourg, das am 07. November 2014 in Paris im Stade Baur vor 2.855 Zuschauern ausgetragen wurde. Den Abschluss des Heftes bildet der Spielbericht über das Landespokalduell SV Babelsberg 03 vs. FC Energie Cottbus, das im KarLi am 15. April 2015 über die Bühne gegangen war. April 2015?! Meine Güte, ist das schon wieder ein dreiviertel Jahr her?! Rangeklemmt wurde noch der Ausblick auf Nummer 10, die im Frühjahr dieses Jahres erscheinen wird. Und da! Ein Farbtupfer! Auf der Innenseite des hinteren Einbandes gibt es acht Farbfotos zu sehen. Leserpost! „Der Daggl“ Nummer acht auf Achse. Vor einem ICE, neben einem Weizenglas, am Strand, auf einem Wanderweg, unter Palmen, in einem unterklassigen Stadion und neben einem mit Alufolie eingewickelten Döner. Guten Appetit! Schlägt man das Heft zu, sieht man sie doch - eine kurze Inhaltsangabe.

Ha ha, hätte ich mal gleich schauen sollen. Und was liegt dort unten? Ein gezeichneter pelziger Genosse, auf dem Rücken liegend, einen Glubb-Schal um den Hals gelegt. Neben sich paar zerquetschte Dosen und eine Flasche Raki. Ist das ein Dackel? Keine Ahnung, ist ja auch egal. Auf jeden Fall lässt sich prima der Bogen spannen zum Text, der noch kleiner gedruckt wurde als der Rest. „Spiel verpasst“, geschrieben von Benny, ist eines meiner persönlichen Highlights. Auswärtsspiel in Gelsenkirchen. Mit 1,89 Promille den Eintritt bei Schalke 04 verwehrt bekommen. Eine Runde getingelt zum Ausnüchtern. Echte Originale getroffen. Nürnberger und Schalke Kutten, die Arm in Arm feierten. Herrlich! Klingt nach einer Episode aus den frühen 90ern. Wahrscheinlich bin ich deshalb gleich so angefixt. Der Alkohol floss weiterhin. Beim zweiten Versuch ins Stadion der Knappen zu kommen die Ansage: „2,01 Promille. Und jetzt Abgang, sonst gibt´s Ärger!“ Ja, ich habe beim Lesen gut gefeiert. 

DagglDer Daggl hält einige Highlights bereits. So zum Beispiel das Interview mit Hannes, dem Herausgeber vom „Hefdla“. Abgedruckt im zusammengeschnittenen Schreibmaschinen-Stil wie das „Hefdla“ (das ich nicht kenne) selbst. Warum der Hannes zum Teufel sein Heft auf der Schreibmaschine macht? Weil die Gabriele 100 DS einfach eine zuverlässige Mitarbeiterin ist. Genial! Als Hannes im Interview erklärt, er hoffe, dass Bürobedarf Zunner in Gostenhof noch lange Schreibband Carbon C XXL 300m und Korrekturband Lift-off vorrätig hat, bin ich hin und weg. Genauso hatte ich einst im Herbst 1994 begonnen, meine ersten Reiseberichte auf Papier gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand im Jahr 2015 immer noch auf diese Art, Leseware unter die Leute bringt. Selbstkopieren und selbst tackern - okay. Aber mit der Gabriele 100 DS? Ich ziehe den Hut! Zumal Schreibbänder und Korrekturbänder ja echt ins Geld gehen!

Ein weiteres Highlight des Daggls: Der Bericht über die Lesung zum Buch „Abstiegsspiel“ von Jente Knibbiche am 10. Dezember 2014 in der Nürnberger Mono Bar. Vorgelesene Zeilen mit übergezogener Sturmhaube. Ein Publikum, das "Es lebe Crystal Meth" schrie. Es muss eine grandiose Veranstaltung gewesen sein und mehr möchte ich auch an dieser Stelle gar nicht verraten. Nun ja, kein Wunder, dass meine drei persönlichen Highlights hinten auf dem Daggl explizit erwähnt werden. Was auf den restlichen 150 Seiten zu lesen ist? Spielberichte, Spielberichte, Spielberichte. Aus Frankreich, der Schweiz, Sri Lanka, der Türkei, den Malediven, England, Nordirland, Gibraltar, Spanien, Georgien, Polen, Slowenien, Kroatien, Marokko und Deutschland. Nein, ich kam nicht dazu, sämtliche Berichte zu lesen. Manche sind stark, manche interessierten mich weniger. Das ist aber auch völlig egal, denn mein Gesamtfazit fällt wirklich positiv aus: Lesenswert! Her mit der Ausgabe Nummer 10! Dann gehe ich wieder Gassi...

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Mach den Daggl! :-D

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GROSSARTIG!!!!

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Die Rezension spricht mir aus der Seele. In der Länge aber leider nicht in ein Fanzine zu kopieren :-)

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