1. FC Union Berlin vs. FC St. Pauli: Viel Gesang, ein Flitzer, ein Torwart-Bock

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 21 März 2015    
 
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Choreo auf der Waldseite
Foto: Marco Bertram

Provo89. Minute. Alles deutete auf ein torloses Remis hin. Gute Laune im Gästeblock, den einen Punkt hätte man allzu gern aus dem Stadion An der Alten Försterei mitgenommen. Und dann das! Aus dem fröhlichen Gesang wurde plötzlich erregtes Zaunerklimmen. Ein Bierbecher flog im hohen Bogen in Richtung Spielfeld. Gerstensaftdusche für die Fotografen und Ordner. Entsetzen unter den Anhängern des FC St. Pauli. 0:1 aus Sicht des Hamburger Kiezklubs. Keeper Robin Himmelmann trat nach einem Rückpass über das Spielgerät. Was für ein Desaster aus Sicht der Gäste. Welch ein grandioses unverhofftes Geschenk für die Eisernen! Sebastian Polter, der bei der Rückgabe den St. Pauli-Schlussmann unter Druck gesetzt hatte, brauchte sich nur noch den Ball schnappen und ins leere Gehäuse einschieben. Jubel bei den Rot-Weißen, große Enttäuschung bei den Braun-Weißen. Als nach Abpfiff ein aufs Spielfeld geeilter Fan mit Stinkefinger massiv die Gästefans provozierte, schlug bei manch einem St. Paulianer die Enttäuschung in blanke Wut um. Nochmals flog das Bier. Mit Mühe konnten Ordner den sich wehrenden und windenden Provokateur vom Rasen ziehen.

LienenAls sich die Situation beruhigt hatte, wurde im Gästeblock einmal tief durchgeatmet und anschließend ein „You´ll never walk alone“ angestimmt. Die Fans des FC. St. Pauli taten nun dies, was sie die ganzen 90 Minuten lang in ordentlicher Manier getan haben: Singen. Zögerlich kam die Mannschaft zu den zahlreich angereisten Fans. Erst zu den auf der Haupttribüne sitzenden St. Paulinanern, dann schließlich auch zum eigentlichen Gästebereich. Keine bösen Worte. Keine Vorwürfe. Die Mannschaft wurde abgeklatscht, es wurde ihr Mut zugesprochen. Sichtbar gerührt kam als Letzter Trainer Ewald Lienen zu den Fans. Sein Notizbuch und die berühmten Zettel hatte er auf dem Rasen abgelegt. Immer wieder ballte er die Faust und machte sich und den Fans Mut.

St. PauliNach der in Berlin - vom argen Torwartpatzer mal abgesehen - recht passablen Leistung, darf man berechtigte Hoffnung hegen, dass die Karre gemeinsam mit Zettel-Ewald aus dem Dreck gezogen wird. Die Chemie scheint zu stimmen. Lienen wird das schon packen. Seine Mannschaft hatte es den Köpenickern phasenweise richtig schwer gemacht und überzeugte immer wieder mit Balleroberungen im Mittelfeld. Der Einsatz stimmte. Dass indes die Offensivleistung nicht die Crème de la Crème war, dürfte kaum überraschen. Ansonsten würde man schließlich nicht mit gerade einmal 26 erzielten Treffern auf Rang 17 stehen.

ChoreoZwei Stunden zurück. 18:20 Uhr. Perfektes Wetter. Ausverkaufte Ränge im Stadion An der Alten Försterei. Hinter der Waldseite färbte sich der Himmel lilafarben. Auf der Tribüne wurde indes die heutige Choreo vorbereitet, die bereits fünf Minuten vor Einlaufen der Mannschaften präsentiert wurde: „Auf geht´s Union … Kämpfen und siegen!“ Auf Gästeseite wurden inzwischen die wichtigsten Banner verkehrt herum befestigt. Unter anderen das Auswärtsbanner von Ultrà Sankt Pauli und ein kleines Banner des Filmstadt Inferno ´99 des befreundeten SV Babelsberg 03. Kurz nach Anpfiff wurde das große dunkle Banner mit der Aufschrift „Millerntor Roar“ ebenfalls verkehrt herum am Zaun befestigt. Es war angerichtet. Vor stimmungsvoller Kulisse durfte es nun auf dem Rasen zur Sache gehen.

St. PauliNach fast exakt einer Spielminute kamen die Gastgeber zur ersten Möglichkeit. Aus spitzem Winkel konnte Skrzybski nicht den Ball unterbringen. Wer nun dachte, die Eisernen hätten gegen das Kellerkind ein leichtes Spiel, sah sich getäuscht. Der FC St. Pauli zeigte sich gut vorbereitet und zeigte prima Ansätze. Hier und da eine schmucke Kombination und vor allem die Zweikampfbereitschaft wusste zu beeindrucken. Immer wieder konnte der Ball im Mittelfeld zurückerobert werden. In der 25. Minute fast die Belohnung, doch der Ball zischte rechts am Unioner Gehäuse vorbei. Im letzten Drittel der ersten Halbzeit flachte das Spiel jedoch vorerst deutlich ab. Allerdings marschierte Quiring in der 43. Minute flott aufs gegnerische Tor zu, der Ball wurde jedoch in letzter Sekunde weggegrätscht, so dass es zur Halbzeit 0:0 blieb.

PauliAngefeuert von zwei Vorsängern, die akrobatisch auf dem Zaun standen, legte der Gästeblock in der zweiten Halbzeit gesangtechnisch noch ein Schippchen drauf. Melodischer Dauersupport war angesagt. Zwischen den Zaunfahnen waberte ein ganz bestimmter Geruch hervor. Leichtes Schmunzeln im Innenraum. Auf dem Rasen passierte nicht allzu viel, allerdings schienen die Gäste in der Schlussviertelstunde Morgenluft zu wittern. Da ging was! Der FC St. Pauli erhöhte den Druck und kam noch zu zwei, drei guten Möglichkeiten. Als diese nicht verwertet werden konnte, rechnete man immerhin mit einem Unentschieden.

UnionBis zur 89. Minute! Nach dem besagten Rückpass sprang der Ball über eine Unebenheit, St. Pauli Torwart Himmelmann wurde zum unglücklichsten Mann des Abends und Polter brachte die heimischen Ränge zum Jubeln. Ein Sieg, der zu jenem Zeitpunkt völlig unerwartet kam. Mühelos konnte das 1:0 über die Nachspielzeit gebracht werden. Der siebte Heimsieg der laufenden Saison war in trockenen Tüchern, die 0:5-Klatsche in Darmstadt kann nun abgehakt werden. In einer Woche reist Union nach Sandhausen, der arg abstiegsbedrohte FC St. Pauli empfängt am Montag in einer Woche die Fortunen aus Düsseldorf. Aber wie gesagt: Das Bauchgefühl sagt, Ewald Lienen wird die richtigen Worte finden und das Team zum Klassenerhalt führen.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Union Berlin

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Inhalt über Klub(s):
Inhalt über
2. Bundesliga
Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
21.717
Gästefans
2500
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Dort wo Bertram auftaucht, ist immer was los. :-D

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Eisern!!

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