Germania Halberstadt gelingt bei Babelsberg 03 ein Überraschungssieg

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 31 August 2013    
 
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Halberstadt
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Fans des VfB Germania Halberstadt
Foto: Marco Bertram

HalberstadtAls BSG Motor Babelsberg und BSG Lok Halberstadt sind in der DDR-Liga-Saison 1966/67 die beiden jetzigen Regionalligisten sich zum bislang letzten Mal begegnet. Die Babelsberger konnten damals beide Partien (3:1 und 1:0) für sich entscheiden. Am gestrigen Freitagabend war es nach über viereinhalb Jahrzehnten soweit. Stelldichein zum Duell Babelsberg vs. Halberstadt im Karl-Liebknecht-Stadion. 2.297 zahlende Zuschauer hatten den Weg auf die Ränge gefunden, unter ihnen knapp 30 Fans des VfB Germania. Davon 15, die permanent am Singen, Trommeln und Wippen waren.

NulldreiBabelsberg kam sogleich flott in die Partie und wollte an die ersten drei erfolgreichen Saisonspiele anknüpfen. Die 1:3-Niederlage beim Berliner AK 07 – inklusive der roten Karte für den Stammkeeper – wollte man fix abhaken und mit einem weiteren Sieg in Vergessenheit geraten lassen. Während Nulldrei in Form eines Kopfballs über die Latte bereits in der Anfangsphase eine prima Möglichkeit hatte, näherte sich die Germania erst einmal nur zaghaft dem Babelsberger Gehäuse. Erster Vorstoß: Tino Schulze über die linke Seite.

03Im Gästeblock lüfteten paar der aktiven Fans vom „Block A“ schon mal den Oberkörper. Nach einem Treffer schnupperte es jedoch bei den Hausherren. In der 18. Minute ein prima Zuspiel von Daniel Becker auf Dauerrenner Süleyman Koc, doch dieser kam nicht in eine optimale Schussposition. Nur eine Minute später zog Koc kräftig ab und traf das rechte Außennetz. In der 24. Minute schien der Treffer schließlich wie eine reife Frucht zu fallen. Fast, denn der Ball klatschte an die Latte. Drei Minuten darauf war es Maximilian Zimmer, der aus sehr schräger Position einen satten Schuss über das Gebälk abgab. Nach einer wenig später folgenden Ecke wieder Gefahr vor dem Halberstädter Gehäuse, doch noch blieb es beim Spielstand von 0:0. Dass Germania punktuell gefährlich werden konnte, zeigte sich nach einer halben Stunde. Gutes Spiel über rechts und fast der Führungstreffer von Malick Bolivard.

GermaniaEine Minute später sahen die meisten Zuschauer ein Foulspiel an Babelsbergs Nummer zehn, Christopher Blazynski, doch statt Freistoß gab es die gelbe Karte für eben diesen. Wiederum eine Minute später war jedoch nach einem Foul an Koc wirklich ein Freistoß für Nulldrei fällig. Dieser wurde zunächst zu zeitig ausgeführt, beim zweiten Versuch fand der Ball keinen Abnehmer. Es folgte auf beiden Seiten jeweils ein Schussversuch, der links am Pfosten deutlich vorbeiging. Die letzten Minuten bis zur Pause indes meist der gleiche Anblick. Offensiv harmlos wirkende Halberstädter und bemühte Babelsberger, die bei ihren Aktivitäten meist auf den technisch sicheren und zudem verdammt schnellen Süleyman Koc setzten.

Block aNach der Pause legte der VfB Germania ein Schippchen drauf. Trainer Willi Kronhardt – als Spieler vor allem als Kicker des FC Energie Cottbus (Aufstieg in die 2. Bundesliga), als Trainer vor allem als Trainer des 1. FC Lok Leipzig (Aufstieg in die RL) bekannt – schien in der Kabine eine ordentliche Ansprache gehalten zu haben. Kurz nach Wiederanpfiff schoss zunächst Malick Bolivard scharf am Tor vorbei, in der 48. Minute dann die Halberstädter Führung Dank des Treffers von Emmanuel Krontiris. Während der kleine, aber überaus aktive Gästeanhang die Führung gebührend zu feiern wusste, sangen die Heimfans: „Wir gewinnen sowieso!“

TorGesagt, getan? Der Ausgleich erfolgte mit Ansage. Freistoß nach einem Foul an Heiko Schwarz. Hübsch den Ball von der linken Seite reingebracht, Severin Mihm stand goldrichtig und lochte zum 1:1 ein. In der Folgezeit versuchte Nulldrei sogleich nachzulegen. Heiko Schwarz auf Daniel Becker, der den Ball über das Tor setzte. Und dann das! Halberstadt schien wenig geschockt und probierte es wieder über die linke Seite. Bolivard bracht den Ball scharf rein und in halber Fluglage konnte Kontriris seine zweite Bude des Tages machen. 2:1 für die Gäste.

GermaniaSehenswertes nur zwei Minuten danach. Heiko Schwarz fing einen Ball ab, tunnelte anschließend seinen Gegenspieler und arbeitete sich in den Strafraum vor. Dort endete jedoch seine hübsche Aktion. In der 67. Minute zeigte Halberstadt ein Kabinettstückchen. Zuerst versuchte es Tino Schulze aus der Distanz. Nach der folgenden Ecke brachte Rico Steinhauer mit einem Fallrückzieher den Ball im Kasten der geschockten Filmstädter unter. Ungläubige Blicke auf den Rängen. War das nicht ein Verteidiger? 1:3 gegen Halberstadt? „Auswärtssieg!“, riefen die 15 Jungs vom „Block A“. „Los jetzt hier!“, ertönte es aus der Nordkurve und auch von der Sitzplatztribüne. Ein paar Kids aus dem am heutigen Tage geöffneten Pufferblock kletterten indes auf einen Zwischenzaun und stimmten einen Wechselgesang mit dem FI99 an. „Babelsberg!“, „Nulldrei!“

StrafstoßDie Hausherren gaben sich noch nicht auf. In der 78. Minute ein strammes Ding des elf Minuten zuvor ins Spiel gekommenen Kai Druschky. Leben im KarLi. Da ging noch was! Nur noch 2:3. „Forza Nulldrei“, erklang es nun lautstark von der Gegengerade. Druck der Babelsberger. Knapp vor der Strafraumgrenze holte Jan Nagel den Aktivposten Süleyman Koc von den Beinen. Der folgende Freistoß brachte jedoch nichts ein. Wenig später schließlich fast das 3:3, wieder einmal war es Koc, der die Hoffnung der Babelsberger nährte. Und auch Mannschaftskapitän Christopher Blazynski konnte fast zum Held des Tages werden, denkbar knapp hatte er mit dem Kopf einen aussichtsreichen Ball verpasst.

GermaniaIn den letzten zehn Minuten gelang es jedoch der Germania-Abwehr wieder mehr Ruhe reinzubringen. Babelsberg blieb bemüht, doch so richtige Gefahr kam nicht mehr auf. Unmut kurz vor Ende bei einem angeblichen Babelsberger Offensivfoul bei einer durchaus vielversprechenden Aktion. Noch größer der Unmut, als Schiedsrichter Max Burda in der 90. Minute auf den Punkt zeigte. Elfmeter für Halberstadt. Philip Schubert lochte souverän ein und machte mit dem 4:2 alles klar. Die drei Punkte waren im Sack. Babelsberg stand indes zum zweiten Mal in Folge mit leeren Händen da und ist nun nach dem euphorischen Start endgültig im Regionalliga-Alltag angekommen. In zwei Wochen treten die Babelsberger im Jahn-Sportpark bei der U23 des 1. FC Union Berlin an. Germania Halberstadt hat dann den 1. FC Lokomotive Leipzig zu Gast, für Trainer Willi Kronhardt sicherlich kein Allerweltsduell.

Fotos: Marco Bertram

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Inhalt über Klub(s):
Inhalt über
Regionalliga
Spielergebnis:
2:4
Zuschauerzahl:
2.297
Gästefans
30
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