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Partizan Belgrad zu Gast bei Alba Berlin: (Rück-)Blick auf das europäische Basketballgeschehen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 12 Oktober 2017    
 
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Partizan-Fans in Berlin
Foto: Marco Bertram

Alba Berlin vs. Partizan Belgrad. Das klingt nach einem echten Kracher, nach einem Zungenschnalzer, nach einem laut tosenden Gästeblock. Allerdings galt es einiges zu beachten. Der Gast aus der serbischen Hauptstadt steht derzeit finanziell und sportlich nicht gerade bombastisch da. Mit einer jungen Basketballmannschaft, die zu großen Teilen aus serbischen Spielern besteht, wird versucht, halbwegs über die Runden zu kommen. Während der Erzrivale Roter Stern Belgrad in der Euroleague spielt und es dort unter anderen mit Panathinaikos Athen, Olympiakos Piräus, Fenerbahce Istanbul, Real Madrid und ZSKA Moskau zu tun hat, muss Partizan mit dem EuroCup vorliebnehmen. In der Gruppe C hat Partizan neben Alba Berlin die Mannschaften von Bilbao Basket, BC Lokomotiv Kuban Krasnodar, Limoges CSP und Lietuvos Rytas Vilnius als Gegner. Wer nicht allzu oft mit Basketball zu tun hat, muss sich sowieso erst einmal einfuchsen, was es mit den europäischen Wettbewerben auf sich hat. 

Wir erinnern uns noch. 1995 konnte Alba Berlin den Korac-Cup gewinnen. Im damaligen Finale wurde Stefanel Olimpia Milano mit 87:87 und 85:79 bezwungen. Dieser Erfolg hatte sich im Geist eingebrannt. Das war eine echte Hausnummer, zumal in den Jahren zuvor allein Bayer 04 Leverkusen im medialen Fokus stand. Und ja, ich hatte einst zu Beginn der 1990er Jahre in der Wilhelm-Dopatka-Halle einige EC-Spiele der „Riesen vom Rhein“ gesehen. Gegen Badalona, Piräus, KK Zadar, Pils Mechelen, Estudiantes Madrid und auch Partizan Belgrad. Legendär waren damals die Auftritte der beiden US-Amerikaner Clinton Wheeler und Kannard Johnson. Das EC-Duell gegen die Jungs aus Belgrad fand in Leverkusen am 12. Dezember 1991 statt. Von daher war für mich das gestrige Spiel in der Mercedes-Benz-Arena ein Muss. Nach über einem Vierteljahrhundert mal wieder Partizan beim Basketball sehen. Um von der damaligen Europaliga auf den EuroCup zurückzukommen: 2002 wurde aus dem Korac-Cup und dem Saporta Cup der ULEB Cup geschaffen. 2008 wurde dieser dann in EuroCup umbenannt. Hinter der Euroleague - in der jetzigen Form bestehend seit dem Jahr 2000 - ist der EuroCup auf europäischer Bühne der zweitwichtigste Wettbewerb, der von der ULEB ausgetragen wird.

Partizan

Jetzt kommt es nämlich! Parallel dazu gibt es noch die Basketball Champions League, die von der FIBA ausgetragen wird und in direkter Konkurrenz zu den von der ULEB ausgetragenen Euroleague und EuroCup steht. In der laufenden CL-Saison nehmen aus Deutschland Telekom Baskets Bonn, medi Bayreuth, MHP RIESEN Ludwigsburg und EWE Baskets Oldenburg teil. Beim EuroCup sind indes Bayern München, ratiopharm Ulm und Alba Berlin dabei. Als amtierender deutscher Meister spielt Brose Bamberg in der hochkarätig besetzten Euroleague mit. 

Grobari

Um zum gestrigen Gast aus Belgrad zu kommen: 21-mal konnte bislang ein nationaler Meistertitel eingefahren werden. Der erste zu jugoslawischen Zeiten im Jahr 1975. Der letzte Triumph gelang 2014, als im Finale der Rivale Roter Stern Belgrad mit 3:1 Siegen bezwungen werden konnte. In den folgenden drei Jahren konnte dann Roter Stern dreimal Meister werden, zuletzt im Finale gegen FMP Belgrad, die von 2009 bis 2013 noch Radnicki Belgrad hießen und zuvor von 1970 bis 2009 in der Vojvodina als Radnicki Novi Sad auf das Parkett liefen. Partizan und Roter Stern spielen zudem in der Adriatischen Basketballliga (Jadranska liga / ABA-LIga). Diese wurde 2001 ins Leben gerufen und vereint die stärksten Balkan-Mannschaften aus den jeweiligen nationalen Ligen. Derzeit stellen Serbien vier und Kroatien drei Vereine, aus Montenegro kommen zwei Teams, jeweils eine Mannschaft kommt aus Slowenien, Mazedonien und Bosnien & Herzegowina. Aus Serbien sind neben Partizan und Roter Stern noch das bereits erwähnte FMP Belgrad sowie Mega Bemax (KK Mega Basket) aus Sremska Mitrovica (Vojvodina) am Start. Um nur ein wenig den Bogen zu schließen, um dann in der Folge auf das gestrige Spiel zu sprechen zu kommen: Mit dabei in der Adriatischen Basketballliga ist auch der kroatische Vertreter KK Zadar - und diesen hatte ich in Leverkusen am 03. Dezember 1992 bewundern dürfen. Tja, die Zeit vergeht…

Serbien

Gestern vor Ort unter der Brücke an der Warschauer Straße, wo auch die Eisbären-Fans vor den Heimspielen gern ein Bierchen zischen, wurde schnell klar, dass nicht allzu viele Partizan-Fans vor Ort sein werden. Direkt aus Belgrad wurden im Vorfeld keine Tickets angefordert, und somit waren letztendlich vornehmlich in Deutschland lebende Serben auf den Rängen. Größtenteils verteilt, doch in der Gästeecke hatten sich am Geländer wenigstens ein paar Fans zusammengetan, hängten einige Fahnen auf und versuchten sich im zweiten Viertel sogar ein wenig mit Support. Die anwesenden Partizan-Anhänger hätten die Kräfte sicherlich weiter gebündelt und sich enger zusammengestellt, wenn ihre Mannschaft eine realistische Chance gehabt hätte. Hatte sie aber nicht. Alba war von Beginn an klar überlegen und ließ zu keinem Zeitpunkt die Gäste nennenswert herankommen. 

Alba

Erster Spieltag im EuroCup - das lockte auch auf Berliner Seite nicht die Massen in die Arena. Davon ganz abgesehen hat es Alba eh schwerer als der EHC Eisbären in der deutschen Hauptstadt fünfstellige Zuschauermassen anzuziehen. Zuletzt brachen jedoch sogar bei den Eisbären die Zahlen ein wenig ein. An den Eintrittspreisen lag es gestern jedoch nicht. Für einen passablen Platz mussten mitunter nur 12 Euro hingelegt werden. Im Vergleich: Vor 25 Jahren bezahlte ich in Leverkusen meist 20 DM für eine Eintrittskarte, um in der Wilhelm-Dopatka-Halle die Gäste aus Griechenland, Spanien oder dem einstigen Jugoslawien zu sehen. Offiziell waren es gestern Abend knapp über 8.000 Zuschauer, die das Duell Alba vs. Partizan sehen wollten. Gefühlt war der Unterrang (der Oberrang war gewohnt schwarz verhangen) zu 60 bis 70 Prozent gefüllt. 

Alba

Nach dem ersten Viertel führte Alba mit 30:21. Als Zuschauer konnte man jedoch ein wenig durcheinander kommen, da die Anzeige auf dem Videowürfel unter der Decke hakte. Und schaute man sich die Aufstellungen an, so war unschwer zu erkennen, dass bei Partizan in der Tat fast nur Serben spielen. Neun Spieler mit einem serbischen „-ic“ hinten. Dazu die Spieler Miller, Williams und Pecarski. Ganz zu Beginn führte Partizan mal kurz mit zwei Punkten. Und zwar etwas über eine Minute lang, wie die Statistik besagt.

Partizan

Danach war Schluss mit lustig. Auf bis zu 29 Punkten konnte Alba zwischenzeitlich den Vorsprung ausbauen, am Ende stand ein 111:85 auf der nun korrekt laufenden Anzeigetafel. Über 100 Punkte - seit jeher ein Grund zur Freude bei Basketballfans. In der Statistik war Alba in fast allen Belangen überlegen. Vor allem deutlich war der Unterschied sichtbar bei den Distanzwürfen. 12 von 21 Dreier-Versuchen waren erfolgreich (57,1 Prozent), bei Partizan waren es gerade mal 7 von 24 (29,2 Prozent). Nun kam man aber der jungen Partizan-Mannschaft keinen Vorwurf machen. Versucht haben sie es - siehe die Versuche bei den Dreiern. Und immerhin hatte Partizan etwas mehr Ballbesitz - nämlich 51 Prozent.

Alba

Unter dem Strich fehlte aus neutraler Sicht einfach die Spannung, die man so oft bei europäischen Duellen hat. Ein Kampf auf Biegen und Brechen, stete Führungswechsel. Das blieb nun mal gestern aus. Wer sich mit Basketball auskennt, wusste jedoch bereits im Vorfeld, dass es eine klare Angelegenheit wird. Demzufolge waren im Vorfeld weniger die eingefleischten Alba-Fans heiß und aufgeregt, sondern die Sportsfreunde, die sich bei Partizan einen fantechnischen Kracher erhofft hatten. Polizei in Uniform und Zivil war genügend vor Ort. Man weiß ja nie. Vom Fußball bekannte Gesichter gab es schließlich genug zu sehen…

Alba Berlin

Fotos: Marco Bertram, turus-Archiv

> zur turus-Fotostrecke: Alba Berlin vs. Partizan Belgrad

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