SV Babelsberg 03 vs. 1. FC Magdeburg: Platzsturm und Polizeieinsatz führen zu Unterbrechung Hot

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 09 November 2013    
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Polizeieinsatz vor dem Magdeburger Block in Babelsberg
Foto: Marco Bertram

Über 1.500 Anhänger des 1. FC Magdeburg fanden am Freitagabend den Weg nach Potsdam-Babelsberg, um ihr Team zu unterstützen. Ein Großteil von ihnen reiste mit dem Regionalexpress an, allein rund 300 Fans erreichten Potsdam-Hauptbahnhof um 17:24 Uhr. Lautstark zog der Tross nach draußen und wurde von den polizeilichen Einsatzkräften die für den Autoverkehr gesperrte Friedrich-List-Straße entlanggeführt. Mit flotten Schritten ging es ohne weitere Probleme nach Al Nowawes. Bis auf etliche Böller und eine geflogene Flasche gab es keine bemerkenswerten Zwischenfälle. Die Laune verschlechterte sich, als sich die Magdeburger Fans vor der Polizeiabsperrung sammeln sollten und es nur im Schneckentempo voranging. Immerhin konnte auf schnellem Wege ein um zehn Minuten verlegter Anpfiff ermöglicht werden, so dass die meisten Fans beim Einlaufen der beiden Team in ihren Blöcken waren.

PyroAbendspiel im KarLi. Über 4.500 Zuschauer auf den Rängen. Ganz gewiss durfte einiges erwartet werden, doch solch ein massiver Einsatz von Pyrotechnik überraschte dann doch. Griechisch-polnische Verhältnisse im proppenvollen Gästeblock. Bengalos und Rauch, dazu sogar etliche Leuchtkugeln, die gen Himmel stiegen. Und auch in der Nordkurve hatte das Filmstadt Inferno 99 etwas vorbereitet. Nachträglich zum 110. Geburtstag (der Verein wurde am 01. Oktober 1903 von sieben jungen Männern ins Leben gerufen) gab es zwei Zaunfahnen und eine alles überspannende Blockfahne: „Selbst die Weber haben´s schon geseh´n. Fußball im Kiez wird 110.“ Dazu wurden am Zaun zehn Bengalische Fackeln gezündet. Für pyro-begeisterte Fußballfreunde sicherlich ein hübscher Anblick – vom Magdeburger Anhang allerdings an diesem Abend in den Schatten gestellt.

FI 99Auf dem Rasen entwickelte sich rasch eine flotte Partie, in der die Hausherren die erste richtig fette Möglichkeit hatten. FCM-Keeper Matthias Tischer konnte zur Ecke klären. Sekunden später drückte Heiko Schwarz mit dem Kopf den Ball über die Linie. 1:0 für die Filmstädter, manch ein Bierbecher flog vor Freude im hohen Bogen durch die Luft. Solch eine frühe Führung gegen die zuletzt stärker werdenden Magdeburger hatten die meisten Heimzuschauer nicht erwartet. Der Magdeburger Anhang ließ sich jedoch nicht beirren und setzte seinen Support kraftvoll fort. „F-C-M! FCM Blau-Weiß...“, schallte es über den Platz. In einer spannenden Partie gelang es den Bördestädtern die Partie zu drehen. Noch vor der Pause konnte Christian Beck den Ball unten links einschieben, sieben Minuten nach Wiederanpfiff machte Lars Fuchs die Magdeburger Führung klar. Nur Sekunden zuvor hatte Babelsberg seinerseits den zweiten Treffer auf dem Fuß gehabt. Kein Wunder, dass der Stadionsprecher etwas konfus wirkte. Magdeburg außer Rand und Band, noch einmal wurde Pyrotechnik gezündet. Als ein Böller im Strafraum detonierte, ließ der Schiedsrichter kurz abwarten und holte seine Assistenten und die beiden Mannschaftskapitäne zu sich.

FCMWeiter ging es mit hoher Intensität – sowohl auf dem Rasen, als auch auf den Rängen. Babelsberg drängte zum Ausgleich. Zuerst schoss Süleyman Koc von schräg rechts knapp über das Gehäuse, wenig später köpfte Heiko Schwarz am Tor vorbei. In der 77. Minute schließlich der Lohn der Arbeit, Severin Mihm besorgte den viel umjubelten Ausgleich zum 2:2. Und wiederum hatte der Gegner nur Sekunden zuvor eine richtig dicke Möglichkeit. Allein das Aluminium hatte verhindert, dass Magdeburg mit dem 3:1 alles hätte klarmachen können.

HoolsNoch 15 Minuten zu spielen, doch das Spiel wurde nun zur Nebensache, denn plötzlich sprang ein Tor zum Innenraum auf und einige Magdeburger drängten in polnischer Manier auf das Spielfeld. Ordner versuchten ihr Bestes, doch erst der massiv anrückenden Polizei gelang es, für Ruhe zu sorgen. Schlagstockeinsatz und Pfefferspray am besagten Tor. Wer durch Zufall dort in der Nähe stand oder auf dem Zaun saß, bekam brennende Augen verpasst. Immer mehr behelmte Einsatzkräfte strömten auf den Rasen und bildeten eine riesige Kette.

PolizeiMinutenlang wurde die Partie unterbrochen. Die Lage beruhigte sich völlig, doch noch immer verharrten die Polizisten auf dem Platz. Ein skurriler Anblick. Die ersten Zuschauer wurden ungeduldig. Nun könne doch endlich weitergespielt werden. Nach einer Ansprache des sportlichen Leiters des 1. FCM an die Fans wurden die letzten Minuten schließlich über die Bühne gebracht. Es blieb letztendlich beim 2:2, das von den Babelsberger Spielern gefeiert wurde. Auch der Magdeburger Anhang legte nach Abpfiff noch einmal einen ordentlichen Support hin, wurde jedoch von den FCM-Spielern mit Missachtung abgestraft. Allein ein einziger Spieler schlurfte zum Gästeblock und suchte dort das Gespräch am Zaun.

FCMKritisch wurde es noch einmal an anderer Stelle des Stadions. Direkt am Haupteingang wurden Magdeburger Fans, die vom Sitzplatzbereich kamen und ein „FCM Blau-Weiß“ sangen, von Babelsberger Problemfans, die ebenso auf der Haupttribüne ihren Platz hatten, attackiert. Allerdings verpasste ein älterer Babelsberger Fan einem der Angreifer von hinten eine kräftige Backpfeife, so dass dieser benommen den Rückzug suchte. Polizisten lösten die Situation fix auf, auf der anderen Seite des Stadions zogen indes die aus dem Gästeblock kommenden FCM-Fans gen Potsdam Hauptbahnhof. Dort konnten diese noch das eine oder andere Bier trinken, bis schließlich der Regionalexpress in Richtung sächsisch-anhaltinischer Landeshauptstadt abfuhr. Kurz angebunden und zerknirscht zeigen sich die Vereinsverantwortlichen des 1. FCM. In einer Meldung wurde die beiden Treffer aufgeführt, mehr gebe es zum sportlichen Geschehen nicht zu berichten, da das Spiel schlichtweg zur Nebensache wurde. Dem 1. FC Magdeburg drohe nun zum wiederholten Male eine hohe Strafe. Von den Ereignissen im Gästeblock distanziert sich der Verein im vollen Umfang. Keine Frage: In Magdeburg gibt es die kommenden Tage eine Menge aufzuarbeiten.

Fotos: Marco Bertram

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