SV Babelsberg 03 vs. 1. FC Union Berlin: Ein Hauch der 90er Jahre

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 04 Juli 2013    
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Testspiel SV Babelsberg 03 vs. 1. FC Union Berlin
Foto: Marco Bertram

Von ortskundigen Gästefans wird diese Form der Anreise schon mal gern gewählt. Zu Fuß und mit der Tram von Griebnitzsee aus nach Babelsberg vorstoßen. Der Grund: Somit kann die bei brisanten Spielen übliche Polizeikette am S-Bahnhof Babelsberg umgangen werden. In der Regel werden die Gästefans vom Bahnhof aus kommend nach links über die Voltastraße und Daimlerstraße zur zum Gästeblock führenden Straße Alt Nowawes geleitet. Die in der Tram sitzenden Union-Anhänger hatten andere Pläne. An der Bendastraße stieg die motivierte Reisegruppe aus und bog in Laufschritt in die Bendastraße in Richtung Weberplatz ein.

KarliDass die Union-Fans bis zum üblichen Treffpunkt des Filmstadt Inferno 99 oder gar bis zum Stadion vordringen würden, war ziemlich unwahrscheinlich, doch ein Zusammentreffen der Gruppen nahe des Weberplatzes erschien möglich, wenn gleich die Polizei auf Zack war und mit Blaulicht zum Ort des Geschehens düste. Am Karli bildeten sich indes auf Heimseite eine Viertelstunde vor Anpfiff lange Schlangen. Nicht dass tausende Fußballfreunde anrückten, vielmehr funktioniert die Organisation noch nicht ganz so reibungslos. Nach dem Abstieg in die Regionalliga Nordost wird beim SV Babelsberg 03 noch einiges umstrukturiert. Noch hakt es an einigen Stellen und bis zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig muss noch einiges getan werden.

UnionfansImmerhin: Der Blick auf die Ränge zeigte, dass das Testspiel gegen die Eisernen recht gut angenommen wurde. Eine offizielle Zuschauerzahl wurde nicht bekanntgegeben, doch um die 3.000 waren es mit Sicherheit. Recht gut gefüllt war auch der Gästebereich, allerdings sah dieser – wie auch der Heimbereich auf der Gegengerade – völlig anders aus. Kaum Beflaggung auf beiden Seiten. Von Zaunfahnen der Ultras keine Spur. Keine Vorsänger und auch kein typischer Gesang. Eher eine Atmosphäre wie Anfang der 90er Jahre bei einem nicht wirklich brisanten Zweitligakick.

03Nun dachte sich manch ein neutraler Fußballfreund: Na prima, das kann ja eine öde Angelegenheit werden. Doch das Geschehen auf dem Rasen zeigte auch dem letzten Stadiongast: Hey, das Kommen hatte sich durchaus gelohnt. Die Spieler legten los wie die Feuerwehr. Bereits in der zweiten Spielminute hatte Süleyman Koc die erste richtig fette Tormöglichkeit. Bei der folgenden Ecke lochte prompt der von Union Berlin II gekommene Kay Druschky zum 1:0 für Babelsberg ein. Was für ein Auftakt! Und es ging gleich weiter! Die Fotografen prüften noch die soeben angefertigten Aufnahmen, da klingelte es bereits auf der Gegenseite. Ebenso nach einer Ecke köpfte Christian Stuff ein. 1:1 nach nicht mal vier Minuten.

03Das neu zusammengestellte Regionallliga-Team des SV Babelsberg 03 spielte couragiert auf, doch erwartungsgemäß war die Zweitligamannschaft aus Köpenick spielerisch einfach besser. So ging Union in der 20. Minute durchaus verdient mit 2:1 in Führung, Simon Terodde hatte nach Vorarbeit von Björn Kopplin eingeköpft. Dieses Mal waren es die Babelsberger, die prompt die passende Antwort parat hatten. Wieder ein Kopfballtreffer. Severin Mihm machte das umjubelte 2:2. Keine Frage, das Babelsberger Publikum wurde angenehm überrascht. Echte Fußballatmosphäre kam trotzdem nicht auf. Für diese fehlte einfach der harte Kern der Fanszene. Noch einmal ein Blick nach draußen, doch bei diesem Spiel rückte niemand mehr an. Schade, denn das Spiel hätte durchaus mehr Support verdient. Nur zwei Minuten nach dem Babelsberger Ausgleich ging Union wieder in Führung. Nach einem Abpraller schob Silvio mit dem Fuß zum 3:2 ein. „Kann man hier nich ma ruhig nen Schluck trinken?“, fragte der Stadionsprecher, der stets mit lockeren Sprüchen für gute Unterhaltung sorgt.

UnionfansAls in der 33. Minute Steven Skrzybski in hübscher Manier das 4:2 für die Gäste erzielte, war ziemlich klar, dass Nulldrei keine Überraschung gelingen würde. Und doch blieb das Spiel offen, denn kurz vor der Pause fiel fast noch das 3:4. Nach dem Pausentee ging es auf dem Rasen munter weiter. Union zeigte eine frische Partie, Babelsberg zeigte, dass es durchaus kein Kanonenfutter ist. Und schau mal an: In der 84. Minute zirkelte Christopher Blazynski den Ball zum 3:4-Anschluss in den Kasten der Eisernen. „Hä, so einfach is dat...“, ließ nun der Stadionsprecher verlauten. Fünf Minuten später hieß es jedoch: „Na jut, letzte Minute kann dat mal passieren...“ Richtig, Union Berlin machte in der 89. Minute den Sack zu. Christopher Quiring hatte das 5:3 gemacht. Am Ende konnten beide Seiten durchaus zufrieden sein. Für Unterhaltung war auf jeden Fall gesorgt.

Und dann wurde es doch noch einmal richtig laut auf der Gegengerade. Der Grund: Matthias Rudolph wurde von den Babelsberger Fans lautstark verabschiedet. Rudi hängt die Fußballschuhe an den Nagel, macht jedoch bei Nulldrei als Trainer der U19-Mannschaft weiter...

Fotos: Marco Bertram

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