Buchrezension: „The Secret Footballer: Ein Premier-League-Profi packt aus“

Autor: Jörg Pochert     veröffentlicht am 28 Mai 2013    
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Arsenal FC
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Emirates Stadium des Arsenal FC
Foto: Bildagentur frontalvision.com

Untergliedert in zehn Kapitel, geht es auf knapp 200 Seiten unter anderem über Trainer und Fans, das Zusammenspiel mit den Medien, aber auch Taktik und das Spiel in der Premier League an sich, und nicht zuletzt um Geld und Spielerberater. Während sich die ersten drei Kapitel zwar kurzweilig lesen, bieten sie für jemanden, der sich im Fußballgeschäft ein wenig auskennt, keine großartig neuen Erkenntnisse. Aber kurz bevor sich eine erste Enttäuschung breit machen kann, bekommt der „Secret Footballer“ die Kurve.

The Secret FootballerDas Kapitel „Medien“ erzählt schlichtweg, wie das Geschäft läuft, und hier wird es wirklich zum ersten Mal überraschend. So wurde dem Fußballer beispielsweise von der Klatschpresse eine Methadonsucht nachgesagt, als er kurz nach einer Operation auf Schmerzmittel angewiesen war. Auch sehr schön ist die Geschichte, dass er am Angebot eines Vereins nicht interessiert war, er jedoch nach einem erneuten Anruf des Managers durchaus bereit war, sich mal über den Wechsel unterhalten zu können, schließlich wurden plötzlich 35.000 Pfund Wochenlohn geboten. Dumm nur, dass der Anrufer gar nicht der Manager war, sondern ein Journalist, und der Fußballer am nächsten Tag in der Zeitung lesen durfte, dass genau er zu „der Sorte unersättlicher Söldner, die das Spiel kaputt machen“ gehört. Und ebenso lieferte er sich mit seinem ehemaligen Trainer einen Schlagabtausch über die Presse, schlichtweg weil gute Kontakte zu Journalisten eben von beiden Seiten für ihren Zweck missbraucht werden konnten.

EnglandAm interessantesten für mich war beim Lesen das Kapitel „Spielerberater“. Hier erfährt der Leser wirklich Dinge, die vorher so noch nicht bekannt waren, ja teilweise nicht mal im Bereich des Erahnbaren liegen. Dass es dabei hinter den Kulissen zum Teil sehr schmutzig zugeht, wird niemanden überraschen. Einige branchenübliche Tricks hingegen schon. Vor allem aber wird hier hervorragend skizziert, dass es auch einige Berater gibt, die wandelnde Lexika des Fußballs sind, und für ihre Klienten seit den ersten Karriereschritten einfach nur einen sensationell guten Job machen und es daher nicht verdienen, dass man schon allein aufgrund ihres Berufsstandes mit Dreck auf sie wirft.

Gegen Ende des Buches dominieren nachdenklichere Töne. Die Kapitel „Geld“ und „Schlechtes Benehmen“ sind zwar auf den ersten Blick klischeebehaftet, aber immer auch tiefgründig. Und nicht zuletzt reflektiert der „Secret Footballer“ im letzten Kapitel seine sich dem Ende nähernde Karriere. Dabei geht es um möglicherweise verschenktes Talent, seinen immer aufrecht erhaltenen Kontakt zu alten Freunden (von denen sich der Fußballer trotz steter Bemühungen innerlich entfernt hat), Depressionen aufgrund des konstanten Drucks des harten Geschäftes und nicht zuletzt dem finanziellen Ruin aufgrund eines jahrelang zu ausschweifenden Lebensstils.

Alles in allem hat mir die Lektüre dieses Buches viel Spaß gemacht. Es wurden mir manche interessanten Neuigkeiten geboten, die ich noch nicht kannte, insgesamt entstand ein stimmiges Bild des britischen Profifußballs der letzten zwanzig Jahre. An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir als Leser natürlich noch konkretere anstatt oftmals sehr schwammiger Schilderungen gewünscht, was aber nicht möglich war, um die Identität des Schreibers zu beschützen. Übrigens: Im Januar 2013 schien der „Secret Footballer“ endgültig geoutet. Dave Kitson, aktuell in den Diensten von Sheffield United, war die bisher heißeste Spur der Fans auf www.whoisthesecretfootballer.co.uk. Jedoch wurde diese Vermutung bisher nicht offiziell bestätigt.

Liest man zuerst das Buch und anschließend den Wikipedia-Artikel über Kitson, denkt man im ersten Moment, dass alles wunderbar zusammen passt wie die berühmte Faust aufs Auge. Doch sind wir doch mal ehrlich: Ist die Identität des „Secret Footballer“ nicht vollkommen egal? Denn die Investition von 12,90 Euro für dieses Buch lohnt sich in jedem Fall, auch ohne die finale Auflösung des großen Rätsels…

Text: Jörg Pochert

Fotos: Felix Natschinski

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