SV Babelsberg 03 vs. FC Hansa Rostock: Es müllerte vor feuriger Kulisse

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 17 April 2013    
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Rostock9.032 zahlende Zuschauer fanden am Dienstagabend den Weg ins Karl-Liebknecht-Stadion, um das Nachholspiel zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FC Hansa Rostock zu sehen. Solch eine große Kulisse gab es bei Nulldrei seit längerer Zeit nicht mehr. Zuletzt kamen ähnlich viele Zuschauer am 10. September 2006. Damaliger Gegner war ebenso der FC Hansa. Vor rund 8.000 Fußballfreunden gewannen die Filmstädter das DFB-Pokalspiel mit 2:1. Eine Runde später unterlag Babelsberg vor 7.120 Zuschauern dem VfB Stuttgart mit 2:4. Apropos: Fünfstellige Zuschauerzahlen gab es zuletzt im August 2001. Jeweils fast 15.000 gegen Union Berlin in der 2. Bundesliga und Hertha BSC im Pokal.

Sei wie es sei. Nach den zuletzt rund 2.000 Zuschauern gegen den VfB Stuttgart II war die Zahl beim Nachholspiel gegen Hansa eine echte Hausnummer. Mit dafür sorgten rund 2.500 Rostocker Anhänger, davon 2.000 im eigentlichen Gästebereich des Karlis. Nach den sage und schreibe vier Spielverlegungen (eigentlich hätte diese Partie im Dezember 2012 stattfinden sollen) hatten nicht wenige vermutet, dass nun die Rostocker Anhängerschaft ohne Lust und Dampf anreisen würde. Aufgrund des 4:3-Auswärtssieges bei Alemannia Aachen und der immensen Wichtigkeit dieses Spiels in Sachen Abstiegskampf war dem jedoch nicht so. Kurz vor Spielbeginn nahm die Angelegenheit langsam aber sicher Fahrt auf. Beim für die Gäste eingespielten „Hansa for ever...“ erreichte der Gästeblock die Betriebstemperatur.

OstblockStichwort Temperatur. Im wahrsten Sinne des Wortes heiß wurde es im heimischen Block O der überdachten Hintertortribüne. Während auf Gästeseite noch zirka 200 Fans am Einlass warteten, zeigten die Babelsberger Ultras des Ostblocks ein Spruchband mit der Aufschrift „Ihr könnt ihn einsperren, doch sein Feuer brennt in uns!!“ Dazu das Gesicht der entsprechenden Person. Sekunden später loderte es lichterloh. Gelbe Flammen schlugen hoch und erleuchteten die Tribüne. Der Stadionsprecher zeigte sich wenig begeistert. Schließlich handelte es sich nicht um eine Soli-Spiel gegen Partizan Minsk, sondern um ein durchaus brisantes Ligaspiel gegen Hansa Rostock. Am Rande des Rostocker Blocks wurde als Antwort prompt ein Böller gezündet, bei dem die Funken mächtig hochschlugen. Der Auftakt eines Randalespiels?

JubelUm die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Zwar folgten im Laufe des Spiels noch weitere Pyro-Aktionen, doch auf den Rängen blieb es friedlich. Beide Seiten verzichteten sogar auf provozierende Spruchbänder. Bis auf die üblichen Verbalgefechte am Pufferbereich war nicht wirklich außergewöhnliches zu vermelden. Auf dem Rasen gehörten die ersten Minuten den Rostockern, doch die erste richtig fette Tormöglichkeit hatte Babelsbergs Markus Müller, der in der zehnten Minute am Rostocker Keeper Kevin Müller scheiterte. Fünf Minuten später lenkte der Hansa-Block mit einer munteren Pogo-Einlage die Blicke auf sich. Bereits die Arme oben hatte die Rostocker Anhängerschaft in der 22. Minute, als Johan Plat von schräg links die Latte traf. Mehr Zielwasser getrunken hatte Ken Leemans, der nur vier Minuten später mit einem Hammerschuss aus der Distanz einlochen konnte. 1:0 für die Kogge, der Gästeblock tobte vor Freude. Weißer Rauch waberte. „Steht auf, wenn ihr für Hansa seid“, ertönte es lautstark. 

BabelsbergEin Einbruch der Babelsberger? Keineswegs. Die Hausherren machten mehr Druck nach vorn – und das mit Erfolg. In der 36. Minute köpfte Markus Müller nach einem Freistoß zum 1:1 ein. Dem nicht genug, müllerte es kurz vor der Pause noch einmal! Wiederum mit dem Kopf machte Markus Müller das 2:1 für Babelsberg klar. Mit einer Jubelwelle ging es in die Halbzeitpause. Stimmungsvoll sollte auch der zweite Spielabschnitt werden. Nach gut einer Stunde gab es einen berechtigten Foulelfmeter für Nulldrei. Die Chance zur Vorentscheidung, doch Philipp Kreuels setzte den Ball an den linken Pfosten. Die Babelsberger Tormusik war bereits kurz eingespielt. Ein tosender Jubelorkan nun auf Rostocker Seite. Rauf auf den Zaun, ran ans Fangnetz und die Fäuste gehoben. Wieder rauchte es mächtig im Gästebereich, auf der Gegenseite wieder ein Feuer im Block O. Gut was zu tun für die szenekundigen Beamten. 

RostockRichtig was auszuwerten gab es schließlich zehn Minuten vor Schluss, als die Rostocker Fans für italienische Verhältnisse sorgten. Rauch, weiße und hellblaue Bengalos sowie ein Böller, der auf dem Rasen detonierte. Auch die Ultras im Block O legten noch einmal nach und ließen ihren Bereich nochmals gelb erflammen. Nicht nachgelegt wurde indes auf dem Rasen. Babelsberg hatte es versäumt, den Sack vorzeitig zuzumachen, wurde jedoch dafür nicht bestraft. Letztendlich blieb es beim 2:1-Sieg von Nulldrei. Während die Babelsberger Spieler mit ihren Fans ausgelassen an der Nordkurve feierten, trotteten die Rostocker Spieler zu ihrem Anhang, suchten das Gespräch und verschenkten das eine oder andere gelbe Auswärtstrikot.

PolizeiNach dem Spiel herrschte in Babelsberg konsequente Trennung. Rostocker und Babelsberger konnten somit nicht die Wege kreuzen. Der S-Bahnhof wurde komplett abgeriegelt und war für eine bestimmte Zeit nur für Gästefans zugänglich. Einer problemlosen Abreise jener stand nichts mehr im Wege. Für Hansa Rostock geht es nun mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund II am kommenden Samstag weiter, die Babelsberger haben am gleichen Tag den FC Rot-Weiß Erfurt im heimischen Karli zu Gast.

Fotos: Marco Bertram

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