Hertha BSC vs. 1. FC Köln: Derbe Niederlage beim Tischtennis gegen die Geißböcke

Autor: Christopher Wode     veröffentlicht am 13 Januar 2013    
 
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1. Fc KölnHertha BSC gegen den 1. FC Köln: Das klingt nach einem echten Fußball-Klassiker: Dem Aufeinandertreffen der beiden Erstligaabsteiger in der laufenden Zweitligasaison. Am Samstag handelte es sich in der Tat um ein Spiel der 2. Bundesliga - nur mit dem Unterschied, dass es sich hierbei um die 2. Bundesliga Nord handelt und es nicht um Fußball, sondern um Tischtennis ging! Richtig! Tischtennis! Für viele nur das einfache Ping Pong, das jeder kennt und typischerweise auf dem Schulhof auf einem Tischtennistisch aus Stein spielt. Idealerweise dann auch noch Rundlauf.

Nein, Tischtennis ist, auch wenn es die wenigstens vermuten, eine sehr populäre Sportart in Deutschland. Wer kennt denn nicht Timo Boll? Sicher, er ist der Tischtennis-Popstar, den wohl sogar mehr Chinesen als Deutsche kennen dürften (Boll spielt seine Vorbereitungen meistens in China, und da Tischtennis in China Sportart Nummer eins ist, ist er dort ein Star), doch sind die deutschen Tischtennisspieler bzw. Mannschaften recht erfolgreich im Ausland. Timo Boll ist zum Beispiel der einzige Nicht-Chinese, der unter den Top 5 der Weltrangliste zu finden ist (die Plätze 1 bis 4 gehen an die Chinesen, auf Rang 5 steht Timo Boll). 

TischtennisErfolgreichster Tischtennisverein der Bundesrepublik dürfte eindeutig Borussia Düsseldorf sein. Borussia Düsseldorf hat in der Saison 2008/09 erneut die Meisterschaft gewonnen und damit sogar den FC Bayern München (Fußball) überflügelt. Der Fußball-Bundesligaklub hatte den Rheinländern im Jahr zuvor zum parallelen Gewinn des 21. Titels gratuliert.

Tischtennis ist zudem eine der schnellsten Ballsportarten, die es gibt. Für die einen ist Tischtennis die schnellste, für die anderen ist es jedoch Badminton. Egal, bei welcher Sportart der Ball nun schneller beschleunigt wird, Tischtennis ist ein sehr anspruchsvoller, bewegungsintensiver, aber auch anspruchsvoller Sport. Zudem ist Tischtennis eine Mannschaftssportart mit vier oder sechs Spielern, je nach Ligazugehörigkeit. Nichts desto trotz sollte an dieser Stelle ruhig erwähnt werden, dass es 2001 Regeländerungen sowie auch eine Vergrößerung des Balls gab, um diesen langsamer und somit attraktiver und sichtbarer für das Publikum zu machen. War dann Tischtennis nicht vielleicht doch die schnellste Ballsportart? 

Köln TischtennisKommen wir zurück zum heutigen Zweitligaspiel der Tischtennisabteilungen der Breitensportvereine Hertha BSC und 1. FC Köln. Wahrscheinlich denkt jeder Leser bei diesen Mannschaften nur an Fußball und keineswegs an einen Sport mit einem kleinen Ball an grünen oder blauen Tischen. Doch haben beide Sparten eine jahrelange Tradition aufzuweisen. So wurde die Tischtennisabteilung des 1. FC Köln bereits in den 40er Jahren gegründet. Damals trafen sich regelmäßig Hobbyspieler des Kölner Hockey- und Tennisclubs Blau-Weiß, zu denen 1948 reine TT-Spieler stießen. 1950 wurde die Gruppe beim 1. FC Köln in eine neu gegründete Abteilung eingliedert. Am Ende der Saison 2009/2010 schaffte die erste Mannschaft des 1. FC Köln den Aufstieg in die 2. Tischtennis-Bundesliga. Dieser war der bisher größte Erfolg der Tischtennisabteilung des Vereins. In der Saison 2010/11 ging der 1. FC Köln insgesamt mit zehn Herren-Mannschaften und zehn Jugend/Schüler-Mannschaften an den Start. Wobei die 1. Herren-Mannschaft in der 2. Tischtennis-Bundesliga erstmalig in der Vereinsgeschichte startete. Der Klassenerhalt wurde denkbar knapp verpasst, doch in der Saison 2011/2012 konnten die Kölner wieder aufsteigen. Vor dem Start der Rückrunde der laufenden Saison belegt der 1. FC Köln einen überraschenden 4. Tabellenplatz. 

Hertha BSC TischtennisUnd wie sieht es bei der Hertha aus Berlin aus? Wie kam die Hertha eigentlich zu einer Tischtennisabteilung? Der 1963 in Berlin durchaus sehr bekannte Fußballer Helmut Faeder spielte zum Ausgleich Tischtennis. Eine prima Idee lag auf der Hand: Wenn Helmut Faeder gerne Tischtennis spielt, warum sollte er dies nicht bei seinem eigenen Verein tun? Gedacht, getan. Am 1. Mai 1963 war es soweit. Gerd Welker, bis heute ununterbrochen 1. Vorsitzender der Tischtennis-Abteilung begann mit zwölf tischtennisbegeisterten Kameraden, drei Platten und viel Ehrgeiz. Obwohl Helmut Faeder letztendlich niemals an einer Tischtennisplatte von Hertha BSC stand, wies die Abteilung im August 1963 bereits 53 Mitglieder auf. 

Bis 1970 spielten sich Herthas Tischtennis-Asse in wechselnder Besetzung von der untersten Leistungsklasse bis empor in die 1. Bundesliga – und das ohne Unterbrechung. Und auch im Tischtennis-Oberhaus blieb der Erfolg nicht aus. Platz vier im Jahr 1972, Platz sieben im Folgejahr, Platz neun im Jahr 1974. Von 1974 bis 1985 spielte das erste Herrenteam schließlich in der zweiten Bundesliga-Nord. Von 1985 bis 1987 folgte ein weiteres Intermezzo in der ersten Liga. Nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung fusionierte die Tischtennis-Abteilung von Hertha BSC am 17. Juni 1991 mit dem Verein Lokomotive Oberspree, der in der DDR in der ersten Liga gespielt hatte. Von 1991 bis 1997 wurde in der Regionalliga Nord-Ost gespielt. Am Ende der Saison 1996/1997 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga, in der seitdem nonstop gespielt wird.  

Hertha BSCWomit wir nun beim heutigen Spiel wären. Wie erwähnt stehen die Gäste aus der Domstadt aktuell mit 11:7 Punkten (beim Tischtennis gibt es für einen Sieg 2:0, für ein Unentschieden 1:1 und für eine Niederlage 0:2 Punkte) auf Rang vier, während die Hertha aus Berlin wohl nach langer Zeit die 2. Bundesliga wieder verlassen wird. Man hat in den neun Spielen der Hinrunde gerade einmal 3:15 Punkte holen können und steht damit schon drei Punkte hinter dem Vorletzten TTC Altena (Sauerland).

Die Domstädter gewannen das Hinspiel überraschend mit 9:2 und gingen demnach auch heute als Favorit in diese erste Partie der Rückrunde. Sicher war der Hertha klar, dass man hier nicht gewinnen würde. Ein Funke Hoffnung war da, doch dass man sang- und klanglos untergehen würde und gar die Nummer 1 der Hertha Miroslav Bindatsch (11:7 Punkte) beide Partien verlieren sollte, war nicht eingeplant. So kam es wie es kommen sollte: Der 1. FC Köln lag nach den drei Eingangsdoppeln mit 3:0 in Führung. Hatte das Doppel 1 Römhild/Rätsch noch die Chance im fünften Satz den ersten Punkt für die Hertha zu holen, gaben Doppel 2 Bindatsch/Streich (in drei Sätzen) und Doppel 3 Borchardt/Bindac (in vier Sätzen) die Punkte fast ohne Gegenwehr her.

TischtennisAuch die darauffolgenden sechs Einzelpartien waren keineswegs glücklich für die Hertha. Wie erwähnt, musste Herthas Nummer 1, Miroslav Bindatsch, sich gegen die Kölner Nummer 2, Dimitris Papadimitriou, glatt in drei Sätzen geschlagen geben. Die weiteren Einzel verliefen auch nicht zum Glück der Hertha. Nachdem Herthas Nummer 2, Sebastian Borchardt, dann unglücklich sein Einzel im fünften Satz mit 6:11 (nach 2:1 Satzführung) abgeben musste, drohte sich fast die schlimmste aller Niederlagen an: Ein 0:9. Lediglich Martin Bindac, Nummer 5 der Hertha, konnte sich in einem wirklich tollen und nervenaufreibenden Match gegen Marcus Steinfeld, heutige Nummer 6 der Kölner, nachdem die eigentliche Nummer 6 Dennis Mortazavi verletzungsbedingt ausfiel, in fünf Sätzen mit 9:11, 11:9, 10:12, 11:9, 11:5 knapp durchsetzen.

1. FC KölnDas sollte es aber dann auch gewesen sein, denn Bindatsch verlor das darauffolgende Spiel gegen Kölns Nummer 1, Lennart Wehking (11:7 Spiele) in vier Sätzen mit 5:11, 9:11, 11:8, 10:12. Somit hatten die Gäste aus dem Rheinland die notwendigen neun Punkte erreicht und siegten mehr als verdient in der Bundeshauptstadt. Für die Hertha war es dann wohl endgültig mit der 2. Bundesliga, denn mit solch einer Leistung wird man es schwer haben die notwendigen Punkte zu sammeln. Am Sonntag, den 13. Januar 2013 geht es zum Auswärtsspiel zum TTC Altena, welche direkt vor der Hertha auf Platz 9 stehen. Für die Kölner wird es noch richtig interessant werden, denn diese hätten sogar rein rechnerisch noch Chancen in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Ob das jedoch möglich ist, wenn die beiden starken Mannschaften des TTC Hagen (Zweiter mit 14:6 Punkten, zehn Spiele) und des TTC Schwalbe Bergneustadt (Erster mit 14:4 Punkten, neun Spiele) weiter so konstant spielen, wird sich zeigen.

Fotos: Christopher Wode

> zur turus-Fotostrecke: Tischtennis Hertha BSC gegen 1. FC Köln

> zur privaten Seite des Autors: www.harza.de

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