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Hannover 96 vs. Dynamo Dresden: Fanmarsch, Bengalos und ein friedlicher Platzsturm Hot

Autor: P.Schoedler   veröffentlicht am 01 November 2012    
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Dynamo Dresden11. September 1993. Schauplatz Niedersachsenstadion. Der damalige Erstligist aus Elbflorenz konnte beim Zweitligisten Hannover 96 das Pokalmatch der dritten Runde mit 3:2 für sich entscheiden. Werner Rank, Olaf Marschall und Marek Penska waren die Torschützen von Dynamo. Fast auf den Tag genau 13 Jahre später gab es in der ersten Pokalrunde ein Wiedersehen im alten Rudolf-Harbig Stadion. 14.671 Zuschauer sahen ein Spiel mit Spannung, Kampf und dem Ausscheiden der Heimmannschaft. Am Ende gewann Hannover denkbar knapp mit 3:2 und konnte somit den Spieß umdrehen. Bei diesem Spiel wurde ein Banner in schwarzer Schrift auf gelbem Grund entrollt. Zu lesen war: „96 Wessi-Schweine brauchen heute schnelle Beine“. 

Am 11. Spieltag der laufenden Zweitligasaison reiste Dynamo Dresden zum Auswärtsspiel beim FC St. Pauli. Zu sehen war ein Banner mit schwarzer Schrift auf weißem Grund. Diesmal stand in leicht abgeänderter Form geschrieben: „96 Wessi-Schweine brauchen wieder schnelle Beine“. Vorbereitung und ein Gruß nach Hannover, denn 3 Tage später kündigten sich für die zweite Runde des DFB-Pokals zwischen 10.000 und 12.000 Schwarzgelbe in der Landeshauptstadt Niedersachsens  an. 

PolizeiDie Rahmenbedingungen stimmten, Sachsen (wie auch die anderen Bundesländer der Region Nordost, außer Berlin) hatte aufgrund des Reformationstages Feiertag. Einer zeittechnisch entspannten Anreise stand also nichts im Wege. Als gemeinsamer Treffpunkt der Dynamo-Fans wurde der Obi-Parkplatz am Bahnhof Hannover-Linden vereinbart. Von dort aus sollte es nach einer „Ölung der Stimmen“ gemeinsam die rund 2 Kilometer lange Strecke in Richtung Stadion gehen. Angeführt von den Ultras Dynamo zogen rund 1.400 stimmgewaltige Elbflorenzer durch das frühabendliche Hannover. Um nicht ganz im Dunkeln den Marsch zu vollziehen, erstrahlten hier und da Bengalische Lichter. Die Polizei in Alarmbereitschaft hielt einen dampfenden Wasserwerfer für eine mögliche Ausnahmesituation bereit. Er dampfte jedoch nur den gesamten Abend vor sich hin. 

PolizeiVor Ort am Stadion ergab sich ein kurioser Anblick. Mit Pferdestaffel und lautstarken Anweisungen machten die Beamten am Südeingang auf sich aufmerksam. Fans wurden weggeschoben. Zaunelemente wurden von der Polizei umgerissen und teilweise weggeschleudert. Dort standen rund anderthalb Stunden vor dem Anpfiff etwa 400 Gästefans vor verschlossenen Toren. Nach dem Skandieren von „Wir sind das Volk!“ und „Die Mauer muss weg!“ ergriffen einige entnervte Fans die Initiative und kletterten über ein Dach in Richtung Stadiongelände. Daraufhin kam der Trupp der Sicherheit und sorgte für die geschilderte Situation. Gewiss eine vermeidbare Situation, begründet damit, dass bereits um die 200 Fans ohne Eintrittskarte ins Stadion gestürmt seien. 

Hannover 96Einen Eingang weiter am Südwest-Tor zählten einige Fans auf null herunter und sorgten höchstwahrscheinlich bei dem einen oder anderen Sicherheitsbeamten für Schweiß auf der Stirn. Was passiert war? Nichts! Reibungslos verlief an dieser Stelle der Einlass, sodass die AWD-Arena nach zirka fünf Minuten pünktlich zum Spielbeginn betreten werden konnte. Die Fahnenschwenker waren noch auf dem Rasen, da fing es im Heimblock bereits an zu blinken und zu leuchten. Die sicherlich aus Sicht zahlreicher Ultragruppierungen wohl am besten durchgeführte Heimpyroshow dieser Saison wurde gestartet. In grünen Farben im Unterrang und roten Farben im Oberrang erstrahlte die Fankurve der 96er. Gegenüber in der  Südkurve, die an diesem Tag allein und in voller Größe den Gästefans zur Verfügung stand, ließ man sich nicht lange bitten und sorgte mit Bengalos und „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“-Gesang für eine Solidarisierung beider Fanlager. 

dynamo DresdenIm Anschluss zählte auf beiden Seiten jedoch nur noch das eigene Team und „Scheiß Dynamo“-Rufe wurden mit „Meck-Meck-Meck“ von sich geschoben. Aggressivität gab es in dieser Phase des Fußballabends - und das über den gesamten Fußballtag immer wieder - verständnisloser Weise ganz besonders unter den Dynamo-Fans. Davon mal abgesehen sang der Auswärtsmob kräftig und voller Herzblut das Team auf dem Rasen nach vorn. Die besser ins Spiel gestarteten Niedersachsen gingen jedoch in der 15. Minute durch einen Treffer des Stürmers Mame Diouf in dieser Phase des Spiels verdientermaßen in Führung. Dresden wurde ab da an gefährlicher und kam verstärkt vor das Tor der Heimmannschaft. Romain Bregerie sorgte in der 28. Minute dann für das erlösende 1:1. Durch einen nicht besser zu platzierenden Freistoß aus 22 Metern zappelte es im Netz hinter dem 96-Keeper Zieler. Nun war glücklich, wer regenfeste Kleidung anhatte. Becher flogen, Freude und Erlösung fanden in Dynamo-Rufen ihren Ausdruck. 

In einem ab da an ausgeglichenen Spiel - ohne erkennbaren Klassenunterschied - hätte der Zweitligist des Öfteren in Führung gehen können. Koch und Poté scheiterten auf Dresdner Seite knapp vor dem Gehäuse des Bundesliga-Zehnten. Auf der Gegenseite war es unter anderen Didier Ya Konan, der die Führung auf dem Fuß hatte. Früh war zu erahnen, dass das Ganze auch während der Verlängerung kein reguläres Ende finden würde. An nötiger Konsequenz im Abschluss mangelte es auf beiden Seiten, so dass beide Mannschaften ins Elfmeterschießen gehen mussten. Anspannung bei den zahlreich angereisten Gästefans und den restlichen 20.000 Zuschauern im weiten Rund. Mit den eigenen Fans in Front und Sicht erzielte der offensive 96er Mittelfeldmann L. Stindl den ersten Treffer eiskalt. Nun kam die Stunde des Hannover-Keeper, der bereits während des gesamten Spiels immer wieder positiv auffiel. Er wehrte die Schüsse von A. Losilla und dem Dresdner Publikumsliebling M. Poté erfolgreich ab. 

PlatzsturmDamit ließ er seinen eher schwachen Auftritt in der Liga gegen Mönchengladbach hinter sich und überzeugte für seine Person im Tor der Hannoveraner. M. Poté, der auch während des Spiels immer wieder die eigenen Fans aufforderte die eigene Mannschaft lautstark zu unterstützen, konnte seine Leistung nicht mit einem Tor im Elfmeterschießen krönen, klatschte jedoch mit dem Rest der Gästemannschaft Beifall für den tollen Support der über 10.000 angereisten Gästefans. Rund 200 Dresdner rannten ihren Helden entgegen, wurden jedoch von Polizei und Ordnern gestoppt. Eine Leuchtkugel flog, diese blieb jedoch das Fünkchen einer möglichen „Randale“. Völlig friedlich erfolgte der Rückzug. 

HannoverDer Heimblock war während dieser Phase bereits fast komplett leer, ein eher skurriler Anblick. Freute sich der eine oder andere Dresdner bereits auf eine Polonaise durch die Innenstadt von Hannover, so strömten die Niedersachsen fluchtartig in Richtung Ausgang. Hannover erreichte mit diesem Arbeitssieg nach sechs Jahren erstmals wieder das Achtelfinale des DFB-Pokals. Und erneut war die SG Dynamo Dresden am Weiterkommen beteiligt. 

Vor dem Stadion ertönte indes alle gefühlten zehn Sekunden ein „Achtung, Achtung hier spricht die Polizei!“ Hier und dort fanden ein paar kleinere Scharmützel statt. Die Polizei zeigte jedoch massive Präsenz auf den Straßen, so dass schon recht bald Ruhe einkehren konnte. Ein spielerisch ausgeglichenes Spiel fand in Hannover seinen Sieger auf dem grünen Rasen. Auf den Rängen sorgten indes beide Seiten für ein angemessenes Auftreten bei einem Pokalspiel und somit für ein stimmungstechnisches Remis.

(in Zusammenarbeit mit M. Bertram)

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> zur turus-Fotostrecke: Hannover 96


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Gesendet: 02 Nov 2012 10:00 von Sal To #19311
Sal Tos Avatar
Als die dd auf dem Rasen waren, kam da nicht ein Scheiss-Dynamo von den Niedersachsen?Warum sind die "aggressiven" Dynamos nicht rüber und haben alles zerstört, sondenr sind nach Aufforderung der Polizei zurückgewichen?Hannover rockte und hatte alles, was ich mir bei einem Fußballspiel wünsche!Ja, die Bullentante draußen hat genervt;D!!
Gesendet: 02 Nov 2012 08:47 von Marco #19310
Marcos Avatar
@ Roland: Die "Rasenbegehung" nach dem Spiel war unnötig. Wir begrüßen diese keinesfalls. Es war eine absolute Dummheit, weil man doch weiß, was draus gemacht wird.
Allerdings kann man es dennoch nicht mehr hören, wenn aus solchen Geschehnissen die "große Krawalle" gemacht wird. Man ist es schon fast leid, dies immer wieder hören und sehen zu müssen.
Wie gesagt: Gerade deshalb hätten die paar Dresdener sich diesen Platzsturm sparen sollen. Besser man hätte es bei der prima Stimmung auf den Rängen belassen - und gut ist.
Beste Grüße
Marco (turus.net)
Gesendet: 02 Nov 2012 08:32 von Roland #19309
Rolands Avatar
Ein Platzsturm ist niemals friedlich. Ich kann auch gern mal in eure Stube rennen aus lauter Freude. Wir Dresdner bekommen einfach unseren Kindergarten nicht in den Griff und das ist sehr traurig. Mal richtig eins in die Backen und den Hintern versohlt ;)
Gesendet: 02 Nov 2012 00:56 von Anonym #19307
Anonyms Avatar
Ein Klasse Bericht, der theoretisch von mir stammen könnte, da er fast alles wieder spiegelt, was auch mein Vernehmen war.

Kleine Anmerkung noch zur Stimmung im Stadion, der Punkt geht EINDEUTIG an Dresden, ich habe noch nie eine so laute Fankulisse wie gegen Dresden in Hannover erlebt. RESPEKT.
Gesendet: 02 Nov 2012 00:15 von Lars Wars #19306
Lars Warss Avatar
das ist das letzte was die lügenpresse in allen medien berichtet...habe die dynamo fans lange nicht so friedlich erlebt trotz grundlos massiver provokation und einsatz von pfefferspray und schlagstock seitens der staatsmacht. wie kann so ein "scheiß" berichtet werden von reportern die nicht mal vor ort gewesen sind!? erwarte richtigstellung seitens aller medien! kann es nicht mehr hören die bösen "ossis". was auch seitens der fans auf dem weg von bzw zum stadion an sprüchen kam ist einfach traurig und zeigt das die "wessis" eher ein problem in sachen gemeinsames deutschland haben und max. abschluss 8. klasse! hoffe darauf das einfach mal dieses klassendenken aufhört! ein wütender und zugleich sehr trauriger "DYNAMOFAN" der direkt vor ort war! Armes Deutschland!!!!!
Gesendet: 01 Nov 2012 22:39 von Vinnie #19305
Vinnies Avatar
Gut gemacht!
Gesendet: 01 Nov 2012 22:09 von Thorsten #19304
Thorstens Avatar
Vor einem Jahr gab es hier einen guten Bericht:
www.turus.net/sport/6617-dresden-und-ros...nder-des-ostens.html
Die Sache bleibt aktuell. Vorangekommen ist man nicht. Zu spüren ist allerdings, dass Dresden bei den Main-Stream-Medien immer weniger Kredit hat.
VG Thorsten
Gesendet: 01 Nov 2012 21:27 von Steffen #19303
Steffens Avatar
Mag sein daß eine Menge Scheiße lief am Einlass. Trotzdem hätte man nach Spielschluss die Füße stillhalten können / müssen. Klar blieb da alles friedlich, doch das ZDF & Co haben die Bilder, die in ihr Schema passen. Das ist doch das ärgerliche am Ganzen.
Gesendet: 01 Nov 2012 21:18 von 1953 #19302
1953s Avatar
@nachfrage: Wo steht das?
Gesendet: 01 Nov 2012 21:04 von Nachfrage #19301
Nachfrages Avatar
Dynamo ist niemals schuld. Schon klar.

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