Anzeige

turus.net Magazin - Fußball, Fankultur, Radsport, Reise und Gesellschaft.

Dienstag, Mai 21st

Prev Next

Auf nach Bielefeld! Unterwegs mit den Fans des FC Hansa Rostock

Autor: P.Schoedler   veröffentlicht am 07 Oktober 2012    
Artikel weiterempfehlen / teilen:

 
Fußball aus:

Hansa RostockEin böser, trauriger Blick. Ein nach unten zeigender Daumen. Dahinter ein „Alles für den FCH“- Aufkleber. So berichtete ein Bielefelder Radiosender auf seiner Homepage von einer Aufkleber- und Graffiti-Aktion vermeintlicher Fans des FC Hansa Rostock um und auf dem Arminia-Gelände. Die SchücoArena wurde in der darauffolgenden Nacht besonders beschützt, Strafanzeige wurde erstattet und Sprengstoffspürhunde vor dem Gästeblock wurden angekündigt. Die Einwohner der Stadt in Ostwestfalen wurden auf den vermeintlich wütenden, Randale liebenden Ostklub von der Ostsee vorbereitet.

RostockRund 500 Blauweiße aus Rostock hatten sich mit dem Wochenendticket angekündigt. Allein aus Berlin und Potsdam hatten sich rund 150 Reiselustige in aller Frühe auf den Weg in Richtung Nordrhein-Westfalen gemacht. Unterwegs wurde ein Mitvierziger Anhaltiner aufgegabelt, der sich auf der Fahrt von Magdeburg nach Braunschweig befand. Kurzerhand wurde er dazu überredet, sich der Rostocker Reisegruppe anzuschließen, was er dann schließlich in seinem nicht ganz nüchternen Zustand auch prompt tat. Kurz vor Bielefeld wurde die Regionalbahn in eine fahrende Disko zweckentfremdet. Zuerst die kurze Ansage: „Das ist für die Hansa-Fans“, dann erklangen nach kurzer Wartezeit das Lied „What is Love“ von Haddaway und weitere Songs. Die Stimmung unter den Reisenden war bis zur Ankunft am Bielefelder Hauptbahnhof überaus entspannt.

MarschEine recht überschaubare Anzahl an Polizisten erwartete die aus der Region Berlin-Brandenburg ankommenden Hansa-Fans. Während es draußen aus Eimern schüttete, wurde auf die Ankunft der Fangruppen aus Rostock gewartet. Rund dreißig Minuten vergingen, bis schließlich alle bahnreisenden Auswärtsfans beisammen waren. Trotz der überaus miserablen Wetterbedingungen zog der Tross los. Begleitet von der örtlichen Polizei und etlichen Zivilpolizisten aus Rostock ging es durch den Eisenbahntunnel, welcher auf dem Weg zum Stadion liegt. Der rund 1.000 Mann starke Auswärtsmob stoppte und es kam zu einzelnen Rangeleien zwischen Polizisten und Hansa-Fans. Pfefferspray und Flaschenwürfe waren die Folge.

Aufgeregt rannten nun etliche Bielefelder Journalisten umher, um vielleicht das Foto des Tages zu schießen. Detaillierte Informationen über Böllerwürfe wurden ausgetauscht und Fotos direkt an die jeweilige Redaktion versandt. Eine bemerkenswerte Aktion war indes beim Rostocker Anhang zu beobachten. Eine Gruppe Hansa-Fans, die sich entweder abseilen wollte oder einfach nur unwissend weiterlief, wurde von ihren eigenen Jungs zurückgerufen. Zusammenhalt sollte demonstriert werden. Nur gemeinsam sollte es zur Sportstätte des DSC Arminia gehen. Nach gut 15 Minuten und der Herausnahme von einer Handvoll Personen bewegte sich der Trupp ohne weitere Vorkommnisse in Richtung Stadion. 

UltrasDort angekommen gab es für die Angereisten weniger Stress beim Einlass als eventuell im Vorfeld vermutet. Von den angekündigten Spürhunden war nichts zu sehen und auch die Ordner leisteten recht entspannt ihren Dienst an den Zugängen zur SchücoArena. Zum Großteil völlig durchnässt füllten die insgesamt rund 1.500 Gästefans ihren Bereich in der Ecke der Nordtribüne. Ihr Kommen hatte sich gelohnt, bereits in der dritten Spielminute erzielte Ondrej Smetana per Kopf die 1:0-Führung für die Hanseaten. Was folgte, war ein stimmungsvoller Dauer-Support im Gästeblock. Stimmungstechnisch wurde nun kurzerhand das Heimrecht getauscht.  

UltrasInsgesamt 9.365 Zuschauer sahen allerdings eine Bielefelder Mannschaft, die sich wenig vom Rückstand beeindrucken ließ und auf den Ausgleich drängte. Erste richtig fette Chancen der Arminen waren in der achten, 13. und 14. Minute zu verzeichnen. In der Folgezeit ließ dann die Rostocker Hintermannschaft weniger zu, stand kompakt und versuchte die knappe Führung zu wahren. Im zweiten Spielabschnitt hatten die Hausherren weitere gute Möglichkeiten, doch keine von diesen konnte verwertet werden. Am Ende war es der zuvor für den verletzten Johannes Brinkies eingewechselte Rostocker Keeper Hahnel, der sich in der 82. Minute gleich zweimal auszeichnen durfte und die drei Punkte für den FC Hansa sichern konnte.

AuswärtssiegEin Rostocker Sieg in Bielefeld? Den gab es zuletzt am 12. September 1997. Damals spielten beide Vereine noch in der 1. Bundesliga. Vor über 21.000 Zuschauern schoss Slawomir Majak in jenem Spiel in der 40. Minute das Tor des Tages. Bereits in der Saison zuvor konnte der FC Hansa auf der Alm mit 3:1 die Oberhand behalten. Jonathan Akpoborie, Stefan „Paule“ Beinlich und Sergej Barbarez – allesamt wohlbekannte Namen – erzielten am 24. Mai 1997 die Treffer. Auch der Bielefelder Ehrentreffer wurde von einem auch heute noch bekannten Spieler erzielt: Stefan Kuntz. Die Bielefelder Alm war damals für Rostock eine gute Stätte, um Punkte abzugrasen. Nach 1997 sah es dann allerdings schlecht aus mit Auswärtssiegen in Bielefeld – ganz egal, ob in der 1. und 2. Bundesliga, der 3. Liga und im DFB-Pokal.

Apropos Auswärtssieg. Für den FC Hansa war das 1:0 am Samstag der dritte Erfolg auf fremden Platz in Folge. Kein Wunder, dass die Rückreise nach Rostock bzw. Berlin so friedlich und entspannt verlief. Einen Wermutstropfen gab es beim Zwischenhalt in Braunschweig. Fans, die nicht ganz klar einem Verein zuzuordnen waren, hatten sich eine Person aus einer wartenden vierköpfigen Gruppe herausgepickt und kompromisslos niedergeschlagen. Glücklicherweise konnte nach dieser hässlichen Attacke auch der Angegriffene seine Fahrt fortsetzen. Neben den fünf Festnahmen in Bielefeld konnte auch diese Aktion letztendlich der wunderbaren Stimmung unter den Reisenden keinen Abbruch leisten.

> zur turus-Fotostrecke: FC Hansa Rostock

Artikel weiterempfehlen / teilen:
Gesendet: 09 Okt 2012 07:09 von HANSA #19149
HANSAs Avatar
Ist doch ok der artikel, verstehe die kritik nicht. Erstmal richtig lesen, hier findet sich gar nix negatives über Hansa im gegenteil. Wie immer: Danke dafür
Gesendet: 08 Okt 2012 19:36 von Sal To #19146
Sal Tos Avatar
Einige verstehen die Ironie in dem ersten Absatz wohl nicht so ganz.
Es wird das andauernde und ewig gleiche Rauschen des Pressewaldes auf die Schippe anhand dieses Bsp. genommen und in keiner Hinsicht der Fußballverein Hansa Rostock und auch nicht seine Fans als Randale liebend dargestellt. Das ist meine Einschätzung dazu!
Freue mich auf die Berichte über die Auftritte in Dortmund und Offenbach!!
Gesendet: 08 Okt 2012 13:23 von Nixx für Ungut #19145
Nixx für Unguts Avatar
Die Berichterstattung über die ach so schlimme Graffitiaktion war doch ein Witz. Und alle dieses Geheische nach Sensationellem ist doch widerlich. In so einer Provinzstadt wie Bielefeld lechzen die Journalisten doch nur so nach brisantem Stoff.
Gesendet: 08 Okt 2012 12:56 von Anonym #19144
Anonyms Avatar
Oh je... Lieber Autor. Schreib doch nächstes mal nicht so einen Unsinn wie: "Die Einwohner der Stadt in Ostwestfalen wurden auf den vermeintlich wütenden, Randale liebenden Ostklub von der Ostsee vorbereitet."

Ein bisschen mehr Qualität wäre super.
Gesendet: 08 Okt 2012 09:41 von kowkla #19142
kowklas Avatar
es ist schlimm, wie mit der Wahrheit bzw. Unwahrheit umgegangen wird.
Da schreiben sie von 500 Polizisten , hier sind es überschaubare, (also nicht mal 100)
dort gab es Randale mit Knallkörper und Angriffen , wenn mir jemand Pfefferspree in die Augen haut, ohne dass ich etwas tue, dann verstehe ich die Welt nicht mehr, Ok, einige rasten aus und das gefällt mir auch nicht, ich bin wütend, wenn sich organisierter Mob , der nicht wegen Fußball kommt, auf Kosten der Vereine profilieren will, die gehören gesucht und bestraft, aber dies war wieder mal unter aller Würde, wie die Tatschen verdreht wurden, Medien machen auch viel kaputt.
Gesendet: 08 Okt 2012 05:52 von Auswärts muss man stinken #19138
Gesendet: 08 Okt 2012 04:05 von Pierre #19135
Pierres Avatar
Ich krieg schon wieder nen Hals wenn ich "Randale liebender Ostklub" lesen muss. Ist es nicht eig. Pflicht das man Artikel in jeglichen Medien immer ohne eigene Meinung schreiben muss? Nach über 20 Jahren des Mauerfalls könnte man auch langsam mal die Mauer aus den Köpfen streichen.
Gesendet: 07 Okt 2012 22:17 von Gockel hoch drei #19134
Gockel hoch dreis Avatar
Dreckswetter war es, und auch das Verhalten der Polizei war unter aller Sau. Pfefferspray ins Gesicht. Aber das interessiert auch keinen. Die Bielefelder blubberte lieber was von Ausschreitungen.
Gesendet: 07 Okt 2012 22:07 von Marco #19133
Marcos Avatar
Ende des Monats werden wir dann den FC Hansa beim Spiel in Dortmund unter die Lupe nehmen. In Planung ist zudem das Auswärtsspiel in Offenbach.
Beste Grüße
Marco

An dieser Diskussion teilnehmen.