Leipziger Derby vor Rekordkulisse: 1. FC Lok unterliegt den Roten Bullen

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MB Updated

Nur ein Jahr, nachdem der SC Preußen Münster gegen Gladbach II einen Zuschauerrekord in den deutschen vierten Ligen aufgestellt hatte, wurde dieser beim Leipziger Derby deutlich überboten. Knapp 25.000 Zuschauer fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins einstige Zentralstadion (Red-Bull-Arena), um dem mit Spannung erwarteten Duell zwischen dem 1. FC Lokomotive und RB Leipzig beizuwohnen. Rund 15.000 drückten der Loksche die Daumen, zirka 10.000 unterstützten die Roten Bullen. Immerhin: Auf RB-Seite hatte sich im Laufe der letzten drei, vier Jahre etwas getan. Der rot-weiße Fanblock ist inzwischen angewachsen und konnte der blau-gelben Übermacht ein wenig Paroli bieten.

Nur ein Jahr, nachdem der SC Preußen Münster gegen Gladbach II einen Zuschauerrekord in den deutschen vierten Ligen aufgestellt hatte, wurde dieser beim Leipziger Derby deutlich überboten. Knapp 25.000 Zuschauer fanden am Sonntagnachmittag den Weg ins einstige Zentralstadion (Red-Bull-Arena), um dem mit Spannung erwarteten Duell zwischen dem 1. FC Lokomotive und RB Leipzig beizuwohnen. Rund 15.000 drückten der Loksche die Daumen, zirka 10.000 unterstützten die Roten Bullen. Immerhin: Auf RB-Seite hatte sich im Laufe der letzten drei, vier Jahre etwas getan. Der rot-weiße Fanblock ist inzwischen angewachsen und konnte der blau-gelben Übermacht ein wenig Paroli bieten.

Lok

Die Ansage der Lok-Fans war jedoch klar und deutlich: Tradition ist unbezahlbar und muss gepflegt werden. Im Vorfeld für zehn Euro verkauft wurden blaue T-Shirts mit den Aufschriften „Leipziger Tradition“ auf der Vorderseite und „Enkel mögen kraftvoll walten, schwer Errungenes zu erhalten“ auf der Rückseite. Mit einem kraftvollen Marsch ging es vor dem Spiel vom Hauptbahnhof aus zum Stadion. Begleitet von reichlich Polizei und dem Echo manch eines Böllers. Ohne Zwischenfälle erreichten die rund 2.000 Fans den für die Lok-Fans bestimmten Zugang. Die langen Schlangen an den Kassen machten indes deutlich, heute würde der Regionalliga-Zuschauerrekord geknackt werden. 

Lok

Tolle Akustik, gut gefüllte Ränge, bestes Spätsommerwetter – es war angerichtet. Wie am Schnürchen wurde in der Lok-Kurve hinter dem Tor beim Einlaufen der Mannschaften eine gigantische Blockfahne aus blau-gelber Folie hochgezogen. „1893 – 2012“. Darunter: „119 Jahre Leipziger Fußballtradition“. Zur Erinnerung: Der Vorgängerverein VfB Leipzig wurde im Jahre 1903 erster deutscher Meister. Zur Tradition des späteren 1. FC Lokomotive muss wahrscheinlich nicht viel gesagt werden. Das Stichwort „EC-Finale 1987“ allein genügt wohl. 

RBL

Zurück zur Gegenwart. Dass es im Jahre 2012 überhaupt noch einmal zum Derby zwischen 1. FC Lok gegen Rasenball Leipzig kommt, ist ein echter Hammer. Zum einen hatte manch einer gedacht, die Loksche würde den Aufstieg von der Oberliga NOFV-Süd in die Regionalliga eh niemals packen. Zum anderen hatten nicht wenige vermutet, dass die Roten Bullen längst in der 2. Bundesliga, zumindest aber in der 3. Liga spielen würden. Nichts von dem ist eingetreten. Der 1. FC Lokomotive schaffte in der zurückliegenden Saison den Sprung nach oben, RB Leipzig zog zweimal hintereinander den Kürzeren und musste den Chemnitzer FC und zuletzt den Halleschen FC ziehen lassen. Und das trotz der hineingesteckten Millionen.

LOK

Die Loksche und Red Bull auf Augenhöhe! Derby-time in Leipzig. Ein neuer Zuschauerrekord. Die Leipziger Fußballfreunde dürstet es nach großen Spielen. Der Blick auf die Ränge der Red-Bull-Arena zeigte indes recht deutlich: Noch hat der 1. FC Lok klar die Nase vorn, was das Fanpotential angeht. Zwar kommen im Ligaalltag – wie zuletzt beim Heimspiel gegen Torgelow – nur meist um die dreitausend Fans, doch wenn es drauf ankommt, dann steht die blau-gelbe Wand hinter der Mannschaft. Allerdings hat sich auf Seiten von RB Leipzig einiges getan. Von einem „Kinderblock“ oder einem reinen „Retortenpublikum“ mit Klatschpappen in der Hand kann keine Rede mehr sein. Nun mag man kritisch gegenüber dem Leipziger Brause-Fußball-Projekt stehen, doch wer einmal einen genauen Blick in die RB-Kurve wirft, der wird erkennen, dass dort ein Vakuum gefüllt wird, welches auf Grund der Talfahrten von Lok und Sachsen Leipzig hinterlassen wurde. Es war höchste Zeit für den 1. FC Lok, in die Regionalliga aufzusteigen, um nicht allein dem deutschlandweit nicht gerade beliebten Rasenball-Jungs das Feld in Leipzig und Umgebung zu überlassen.

RBL

Aufgrund der Tatsache, dass die RB-Fankurve bei wichtigen Spielen durchaus für Stimmung sorgen kann, wurde es am heutigen Sonntag ein Leipziger Derby, das sich sehen und hören lassen konnte. Nicht nur ein Hauch von echtem Profifußball wehte durch die Arena. Auch spielerisch wurde alles andere als ein müder Vierligakick geboten. RB ganz gewiss mit spielerischen Vorteilen, doch Lok hielt mit vollem Einsatz gegen und kämpfte bis zur letzten Minute. 

LOK

„FC Lok heißt Heimatliebe zu Leipzig“, stand auf einem Spruchband geschrieben. An diesem Nachmittag sollten noch einige Spruchbänder folgen. Die Atmosphäre war hitzig. Als sich ab der 20. Minuten die RB-Ersatzspieler vor der Lok-Kurve warm machen wollten, flogen Feuerzeuge, Bierbecher und vereinzelte Böller. Wenig später wurden die Spieler wieder abgezogen. Umso größer die Freude auf RB-Seite, als Judt in der 29. Minute die Führung besorgen konnte. Emotionaler Ausbruch bei den Bullen. Lok drängte nun zum Ausgleich und zeigte ein paar recht hübsche Kombinationen. In der 33. Minute wurde der Ball über links gut reingebracht und in der blau-gelben Kurve ertönte bereits ein Aufschrei, doch der RB-Keeper war auf dem Posten.

LOK

Knackig ging es auch im zweiten Spielabschnitt zur Sache. Weitere Spruchbänder auf Lok-Seite. „Rangnick 2013: Diagnose – Bullout-Syndrom“. Auf RB-Seite tat es einfaches „Danke Roman“. Etwas später war zu lesen: „Im Kindergarten wollte keiner mit mir spielen. In der Schule haben mich alle nur verprügelt. Auf Arbeit werde ich nur gemobbt. Doch Gleichgesinnte finde ich in meinem RB-Block!!“ Dazu ein gesungenes „Wer nicht wippt, der ist ein Bulle!“ 

In Sachen Support und Kreativität konnten die Fans des 1. FC Lok gewinnen, auf dem Rasen behielten indes die RB-Spieler die Oberhand. Kutschke gelang in der 54. Minute das 2:0, fünf Minuten vor Schluss konnte Rockenbach da Silva sogar auf 3:0 aus Sicht der „Gäste“ nachlegen. Sein Gruß in Richtung Lokisten wurde mit Wutausbrüchen in der Kurve honoriert. 

LOK

Zum Schmunzeln war dann eher der Versuch der RB-Fans eine Laola zu starten. Wie sollte dies gelingen, wenn zwei Drittel des Stadions fest in blau-gelber Hand waren? Die Antwort: „Ihr seid so lächerlich!“ und ein weiteres „Scheiß Red Bull!“ Nach der Enttäuschung und dem Lacher dann sogar noch ein Grund zum Jubeln. In der 90. Minute machte Alemdar die Lokisten-Gemeinde glücklich. Ein Torjubel wie bei einem Ausgleichstreffer. Mit knackiger Stimmung konnte das Spiel beendet werden. Gefeiert wurden nach Abpfiff beide Mannschaften. Auf dem Platz verloren, aber an Sympathie gewonnen – so sicherlich das Fazit beim 1. FC Lok. 

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Während es vor dem Stadion noch ein wenig hektisch wurde und in der Leipziger Innenstadt hier und dort ein Polenböller zu vernehmen war, wurde der Weg zum Hauptbahnhof gewählt. Dass es bei der Fahrt von Leipzig nach Falkenberg zu einer echten Zeitreise werden würde, war so nicht zu erwarten gewesen. Bei der Regionalbahn nach Cottbus wurden doch glatt alte Abteil-Waggons der – ja man liest richtig – Deutschen Reichsbahn eingesetzt! Grüner Anstrich und ein altes „DR“. Nur die Sitze hatte man irgendwann in den 90ern ausgewechselt. Der Rest war noch Made in GDR und fand bei den Reisenden großen Zuspruch. Nostalgiker-Herz – was willst du mehr?! Kurzum: Richtig schön war´s gewesen in Leipzig. Bitte mehr davon! 

reichsbahn

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lok Leipzig

> zur turus-Fotostrecke: RB Leipzig

 

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