1. FC Union Berlin vs. Eintracht Braunschweig: Mit einem blauen Auge davongekommen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 13 August 2012    
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TribüneBei angenehmer Temperatur und immer wieder zwischen den Wolken durchscheinender Sonne herrschte bereits vor dem Anpfiff eine tolle Atmosphäre. Sehenswert sind ganz gewiss die Baufortschritte der neuen Haupttribüne. Die ersten Betonstufen liegen bereits, die Stützen ragen in den Himmel und auch unter und hinter der Tribüne zeichnen sich erste Konturen ab. Auf eine hässliche Baulücke müssen die Fans nicht schauen, und somit ist das Spielen auf bzw. an der Baustelle halb so wild. 

Auf dem Rasen ging es um 13:30 Uhr munter los. Es entwickelte sich eine temporeiche, sehenswerte Partie, in der die Gäste erwartungsgemäß gut mitspielen konnten. Zweikampf-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. Geschenkt wurde sich nichts. Die besseren Tormöglichkeiten erspielten sich jedoch die Hausherren, so hatte Silvio nach einer viertel Stunde gleich zwei gute Chancen. 

UnionDass es sich nicht gerade um ein Freundschaftsspiel handelte, war aus dem Gästeblock mehr als deutlich zu vernehmen. In erster Reihe rüttelten ein paar außer sich vor schäumender Wut am Zaun. Allerdings wurde die Angelegenheit in Berlin-Köpenick bei den Braunschweiger Fans völlig unterschiedlich aufgenommen. Manch einer war auf Betriebstemperatur, andere schauten völlig gelassen dem Spielgeschehen zu. Ein Blick auf den Gästebereich zeigte, dass es sich keineswegs um eine homogene Fangruppe handelte. Bei Braunschweig steht jeder im Block. Von Jung bis Alt war alles dabei. Von der Kutte bis zum erlebnisorientierten Haudegen. Ja, bei den Braunschweigern schnuppert es noch ein wenig nach 90er-Jahre-Fankultur.

Apropos Fankultur. Auf der Gegengerade zeigten die Union-Fans drei Spruchbänder. Ein Gruß in Richtung Waldseite. „Laut, bunter, geiler. 10 Jahre Wuhlesyndikat. Danke Jungs!“ Wie die Zeit vergeht. Die Älteren erinnern sich noch sehr gut an die Zeit vor den Ultras. Gesang aus dem Stegreif. Spontaner Support. Missen möchte jedoch niemand die aufwändigen Choreographien, die all die Jahre das Wuhlesyndikat präsentiert hatte. 

BraunschweigZurück zum Spielgeschehen. Union blieb am Drücker und drängte zur Führung. Fast hätte es in der 33. Minute geklappt, doch ein Heber von Zoundi segelte denkbar knapp über die Latte. Fast im Gegenzug machte Boland per Freistoß fast das 1:0 für Braunschweig, doch Unions Keeper Haas war auf dem Posten und lenkte den Ball ins Aus. Vier Minuten später zeigte Schiedsrichter auf den Punkt. Handelfmeter für die Eintracht! Routiniert legte Marc Pfitzner den Ball zurecht und schob ihn anschließend unten rechts rein. Keine Chance für Haas, der mit der anderen Ecke gerechnet hatte. Tosender Jubel im Gästeblock. Eine bengalische Fackel wurde gezündet. Mit der Führung ging es wenig später zum Pausentee.

Spannend blieb es auch im zweiten Spielabschnitt. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey...“, ertönte es aus dem Gästeblock. Braunschweig fast mit dem 2:0, doch Haas konnte gegen Kruppke klären. Auf Seiten der Unioner war nun Torsten Mattuschka im Spiel, der allein durch seine Körpersprache zu verstehen gab: Hier geht noch was! Intensiv ging es auf die Mitte der zweiten Halbzeit zu. 

UnionUnd dann geschah es! Ein Blick zum Gästeblock, in dem jemand etwas rief, und schon krachte es. Beim Zurückdrehen erschien der Spielball für einen Bruchteil einer Sekunde wie eine Standaufnahme aus dem Nichts. Ein satter Schuss, der links neben das Braunschweiger Gehäuse ging, traf mit voller Wucht auf das rechte Auge. Die Brille zerbarst in zig Einzelteile. War es Mattuschka, hatte ich mich noch gefragt? Erheiterung im Gästeblock. Erstaunte Blicke der Kollegen. Immerhin, ich stand noch. Zwar etwas benommen wie nach einem Klitschko-Fausthieb, aber trotzdem noch motiviert, das Spiel weiter zu verfolgen. 

Daran war jedoch nicht zu denken. Mit den Sanitätern ging es hinter die Tribüne auf der Wuhle-Seite. Erstaunlich, wie viele Personen dort behandelt wurden. Kreislaufschwäche. Eine Wunde am Hinterkopf. Braunschweiger. Unioner. Ordner. Und nun ja, ein schreibender Fotojournalist. Alle friedlich vereint bei der Ersten Hilfe. Sie kommen alle in der zweiten Halbzeit. Das sei fast immer so, erklärte eine Sanitäterin mit einem Lächeln. Das Blut wurde am Auge weggetupft. Prellung und kleine Schnittwunden von den Splittern der Brille. Glück im Unglück: Kein Glas im Auge. In die Augenklinik musste es abends dann trotzdem gehen.

Mal andere Einblicke während der Ersten-Hilfe-Behandlung. Das Spiel deuten mit Hilfe der Geräusche im Stadion. Aaaah. Ooooh. Chancen auf beiden Seiten. Es blieb letztendlich beim 1:0 für die Eintracht. Zwei Braunschweiger holten nach Abpfiff ihren Kumpel bei den Sanitätern ab. Erstaunte Blicke bei den vorbeilaufenden Fans. Ein Fotograf, der auf die Fresse bekommen hatte? Nein, ein Fußballenthusiast, der sich sowohl für das Fangeschehen als auch für das Spiel auf dem Rasen interessiert. Eine Ausrede gibt es dennoch nicht. Gepennt! In solch einem engen Stadion sollte man hinter den Toren acht geben. Auch nach 20 Jahren Fußballerfahrung! Vor allen Dingen, wenn Mattuschka mal voll drauf hält! Aber vielleicht war es ja auch ein anderer Spieler. Als Anekdote für die Enkelkinder wird es jedoch der „Tusche“ bleiben... ;-)

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Union Berlin

> zur turus-Fotostrecke: Eintracht Braunschweig

 
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