Das Programmheft des damals in FC Berlin umbenannten BFC Dynamo war mehr als schlicht. Ein dünnes Heftchen mit losen Seiten und drei Druckfarben: Schwarz, rot und grün. Grün für das Logo des VfL Wolfsburg. Ein Heftchen, in dem sämtliche Fakten rund um die Aufstiegsrunde kurz und knackig zusammengefasst wurden.
Ein Gruß an die Zuschauer, alle Ansetzungen auf einen Blick, die Mannschaften und auf der vorletzten Seite etwas informatives. Der FC Berlin schloss damals die Saison 1991/92 in der Nordost-Oberliga Staffel Nord als Tabellenführer ab. Mit 57:11 Punkten und 97:15 Toren wurde der FC Berlin mit fünf Punkten Vorsprung auf Greifswald unangefochtener Meister.
Mit in der Liga waren damals Vereine wie Wacker 04, Hafen Rostock, BW Parchim, PCK Schwedt, Victoria Frankfurt und Bergmann-Borsig. Torjäger des FC Berlin waren Dirk Rehbein (16 Treffer), Mario Tolkmitt (16 Treffer), Ralph Rambow (15 Treffer) und Michail Pronichew (13 Treffer). Mario Tolkmitt spielte später sogar bei Bayer 04 Leverkusen. Mit im Team waren damals Christian Backs, der in der vergangenen Saison zweitweise Trainer beim BFC Dynamo war, und Jörn Lenz, der jetzt sportlicher Teammanager des Vereins ist.
Genauso wie der FC Berlin und der FSV Zwickau konnten die Unioner sportlich nicht mit dem aufstrebenden Club aus Niedersachsen mithalten. Fünfmal gingen die Wolfsburger in sechs Spielen als Sieger vom Platz, allein das Rückspiel in Zwickau ging mit 2:4 verloren.
Im Kader des 1. FC Union Berlin waren Spieler dabei, die später Karriere machten: Pieckenhagen, Rehmer, Hofschneider...
Bei den Wölfen war ein Stürmer unter Vertrag, der bereits damals für die nötigen Tore sorgte: Sigi Reich. Er ließ es ordentlich krachen und schoss den VfL Wolfsburg fast im Alleingang in die zweite Bundesliga. 15 Treffer erzielten die Wölfe in den sechs Partien. Zum Vergleich: Den Unionern gelangen sechs Tore, dem FC Berlin neun Tore.
Die Saison 1991/92 schloss der 1. FC Union in der Staffel Mitte mit 69:7 Punkten ab. Das Torverhältnis konnte sich durchaus sehen lassen: 100:23. Damals in der Oberliga mit dabei waren der 1. FC Magdeburg, Altmark Stendal, Glückauf Brieske-Senftenberg, SV Thale 04, Anhalt Dessau, NSC Marathon 02, BSV Spindlersfeld und Energie Cottbus.
Am 3. Spieltag kam es zum Derby zwischen dem FC Berlin und Union. Glatt mit 3:0 gewann der FC Berlin, und auch das Rückspiel bei Union gewannen die Hohenschönhausener mit 4:0. Vor 2.500 Zuschauern schossen Jesse, Brestrich, Rehbein und Backs die Tore für den FC Berlin.
3.500 Zuschauer wollten immerhin noch am fünften Spieltag das Heimspiel des 1. FC Union gegen die Wolfsburger sehen. Es gab noch ein kleines Fünkchen Hoffnung, denn die Wölfe hatten überraschend mit 2:4 in Zwickau verloren.Nicht parallel, sondern etwas früher fand im Sportforum die Begegnung FC Berlin gegen den FSV Zwickau statt. Nach der 1:2-Niederlage machten sich ein paar FCB-Hools auf den Weg nach Köpenick, um dort im Stadion An der Alten Försterei zu schauen, was noch so geht.
Vor Ort war auch eine Handvoll Wolfsburger Fans, die nicht im Gästeblock, sondern mitten auf der Gegengeraden standen. Mit einer Trommel und paar grün-weißen Fahnen feierte die kleine Gruppe den 2:1-Sieg ihrer Wölfe. Die paar FCBer / BFCer waren auch zufrieden und es bleib soweit friedlich auf den Rängen.
Vor Beginn des letzten Spieltages stand bereits fest: Der VfL Wolfsburg war aufgestiegen und die drei Ostclubs hatten das Nachsehen. Locker flockig gewann zum Abschluss der FSV Zwickau mit 8:2 gegen den 1. FC Union, die Wölfe siegten gegen den FC Berlin mit 2:1...