Ein Fußballfest ohne viel Schnickschnack: FC Energie Cottbus vs. FC St. Pauli
- Freitag, den 19. März 2010 um 23:57 Uhr
- Marco Bertram
- Bereich: Magazin -
- Sport
Hat man das Stadion erst einmal erreicht, so wird es freundlicher. Auf einer Brücke überquert man die Gleisanlagen und kann von oben bereits einen ersten Blick auf das Stadion der Freundschaft werfen.
Der erste Eindruck ist durchaus positiv. War man bereits einmal Anfang oder Mitte der 90er Jahre dort, so erinnert nur noch wenig an diese alten Zeiten. Und das ist auch gut so. Das Stadion in der jetzigen Form ist durchaus ansprechend. Einzig die Tatsache, dass die Eckblöcke nicht überdacht sind, stört ein wenig.
Die Eintrittspreise sind beim FC Energie Cottbus überaus moderat. Einen vernünftigen Sitzplatz auf der Osttribüne bekommt man bereits für 15 Euro. Das Ordnerpersonal ist freundlich und die Toiletten sind blitzblank und orange angestrichen. Die Catering-Preise bewegen sich auch auf einem relativ niedrigen Level. Ein 0,4er Bier kostet 2,90 Euro. Leider wurde beim Spiel gegen St. Pauli nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt - und das kann man sich echt schenken... In der Lausitz sind nicht Brat- oder Currywurst angesagt, sondern die Bockwürste. Diese gibt es für zwei Euro.
Wirklich nicht übel ist im Stadion der Freundschaft die Akustik. Das wussten die Gästefans aus Hamburg ordentlich zu nutzen. Bereits eine Stunde vor Spielbeginn leisteten die rund 1.500 angereisten St. Pauli-Fans einen Dauer-Support.Die Energie-Fans wurden kurz vor Anpfiff warm. Eine Viertelstunde vor Anpfiff noch ein eingespieltes "You´ll never walk alone" und dann wurde die Hütte langsam stimmungsvoll. Die Stehplatztribüne der Energie-Fans war recht ordentlich gefüllt und die Stimmung hätte schlechter sein können.
Positiv überraschte die lässige Musik beim Einlaufen, auch die Gästefans waren von dieser hörbar angetan. Von zu viel Ostmuff war weiß Gott nichts zu spüren.
Bei mildem Frühlingswetter und herrlichem Abendhimmel erfolgte Punkt 18 Uhr der Anpfiff und es ging auch sogleich munter los. Beide Mannschaften taten sogleich einiges für die Offensive. Die ersten richtig dicken Chancen hatte Cottbus in der achten und elften Spielminute. Anschließend gestaltete sich die Partie offen und auch die Stanislawski-Elf kam in der Folgezeit zu guten Chancen."Wir sind Zecken, asoziale Zecken. Wir schlafen unter Brücken und in der Bahnhofsmission..." dröhnte es aus Richtung Gästeblock. Den alt bekannten Spottgesang nutzten die Pauli-Fans zur Selbstironie. Die gesamten 90 Minuten über wurde es nicht ein einziges Minütchen still im Gästeblock. Ein Lied folgte dem nächsten, das Repertoire war bewundernswert groß und originell.
Knackig ging es in die zweite Spielhälfte. In der 50. Minute hätten die Lausitzer durch einen Fernschuss von Angelov in Führung gehen können. Das Tor erzielten jedoch die Gäste, und zwar nur drei Minuten später. Takyi war der Torschütze, die hervorragende Vorarbeit leistete Lehmann.Energie gab jedoch nicht auf und versuchte das Beste. Da Cottbus nun auf den Ausgleich drängte, ergaben sich logischerweise auch noch einige weitere Torchancen für die Gäste. In der 77. Minute war die Energie-Elf dem Ausgleich wirklich verdammt nahe, doch Pauli-Torhüter Hain parierte in guter Manier.
Kurz vor Schluss verfehlten zwei Fernschüsse der Cottbusser noch knapp das Ziel. Das Glück war heute nicht auf Lausitzer Seite. Wohl oder übel mussten sie die knappe Heimniederlage verschmerzen.
Der FC Energie Cottbus hat am kommenden Wochenende wieder ein Heimspiel, dann wird Arminia Bielefeld zu Gast im Stadion der Freundschaft sein.
Fazit:
Ein Besuch im Stadion der Freundschaft kann wirklich lohnenswert sein. Wer Fußball ohne großes Tamm Tamm und Schnickschnack mag, der ist bei Energie Cottbus richtig. Ist das Spiel ordentlich, ist auch die Stimmung auf den Rängen durchaus prima. Zudem wirkt das ganze Ambiente in Cottbus noch nicht so geleckt wie in manch anderen modernen Arenen...
An dieser Diskussion teilnehmen.
Bitte anmelden oder registrieren um an dieser Diskussion teilnehmen zu können. 