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| Old Firm - zu wenig Schottland, zu viel Länderspiel |
| Magazin - Sport |
| Geschrieben von: Andreas Gläser |
| Donnerstag, den 04. März 2010 um 12:02 Uhr |
|
"H. aus B. und ich, wir hatten uns zu einem Trip nach Schottland verabredet, mit großem Plan, aber ohne Fußball-Tickets. 26. Februar, Freitagmittag, Ankunft in Edinburgh. H. war einige Male dort und begann mit mir durch sein Programm zu rasen. Rucksack abwerfen im City-Hostel, für 10 Pfund die Nacht, im Viermannzimmer, Fenster zur Straßenpartyseite. Danach ab zum Bus, um nach Leith zu gelangen, dem Trainspotting-Kiez. Karten für das Spiel am folgenden Tag besorgen. Hibernians FC gegen FC St. Johnstone. Leith ist eine imposante Gegend mit einigen Backsteinhäuserzeilen und einem malerischen Friedhof, rund um das weitestgehend moderne Easter Road Stadium. Im Ticket Center orderten wir unsere Karten zu 22 Pfund, andere taten es für ermäßigte 12, oder auch für das Auswärts-Derby in zwei Wochen, bei den Hearts Of Midlothian, am anderen Ende Edinburghs. H. und ich sind gleich mal rüber, vom Osten in den Westen der schottischen Hauptstadt. Das Bus-Netz war wie für uns erdacht. Abends in der City, in der „Scotman´s Lounge“ mit folkloristischer Live Music. Der Pub-Name hält, was er verspricht. Schon als wir auf ihn zusteuerten, purzelten einige Turbomaskuline heraus, sie kümmerten sich aber umeinander. Am Sonnabend Vormittag bewunderten wir im Museum Of Scotland einige Liga-Cup-Trophäen der Hearts, mitsamt der eingravierten Mannschaftsaufstellungen beider Finalisten und den Auflistungen der Gegner auf dem Weg ins Glasgower Hampton. An diesem Sonnabend war das Stadion zu weit über zwei Dritteln gefüllt, das Publikum zeigte sich einigermaßen sangesfreudig und ziemlich familiär. Aber das Spiel war ein ziemliches Gestochere, ein früh verwandelter Foulelfmeter versprach ein torreicheres Spiel, als es werden sollte. Die Fahrstuhl-Truppe aus Rand-Glasgow kam kurz vor dem Ende per Foulelfmeter zum berechtigten Ausgleich, der auch das Endresultat darstellte. Imposant war zwischenzeitlich ein ältere Herr, der „Falling in Love“ und andere Lieder gekonnt intonierte. Abends hieß es, rüber nach Glasgow, ein Stündchen mit dem Bus. Hinein ins Hostel mit der Foyer-Disko und rauf auf ´s Zimmer, wo wir mit 12 anderen nächtigten. Sonntag, Old Firm. Rein in die U-Bahn, in die rundliche, enge Grubenbahn. Ab zum Ibrox, trotz sold out. H. sprach von seinen Tricks, mit denen er bisher hinein gekommen wäre. Geld interessiere die Leute nicht, wir müssten Leidenschaft beweisen. Und so klaute er vor einem Obst- und Gemüseladen zwei Pappdeckel und begann sie zu beschriften. Der Zauberspruch solle aber geheim bleiben ... Um das ewige Duell, Rangers gegen Celtic, gibt es einige Legenden. Wer sich von wem in wiefern abgrenzt und so weiter. Ich wollte mir möglichst unvoreingenommen ein Bild machen, zumal ich es von Deutschland her kenne, das manche Vereine und deren Fans ein Image aufgedrückt bekommen, das allenfalls für zehn Prozent der jeweiligen Gefolgschaft gelten kann, aber nie und nimmer für 90 Prozent oder mehr. Wer hat es denn in Berlin wirklich mit dieser oder jener Konfession? Die sozialen Unterschiede sind hierzulande auch nicht so ausschlaggebend für die Vereinsfindung. H. meinte auf Glasgow bezogen, dass es früher sicher auch um die sozialen Unterschiede ging, aber die hätten sich heute einigermaßen angeglichen, nach unten natürlich. Jedenfalls hielt H. seine Pappe in die Höhe, viele Entgegenströmende schmunzelten, sicherlich auch aufgrund des krummen Englischs, das ich selbst mit meinen Mini-Kenntnissen zu verbessern wusste. Wir wurden mitunter nach Karten gefragt, deshalb muss das Englisch einiger Schotten wohl noch schlechter sein. Und überhaupt: wir sahen nur Rangers, keine Celtics. Letztere kamen ausschließlich aus ihren Stadtteilen über eine andere Hauptstraße zur gegenüberliegenden Stadionseite. So ein Hertha-Schalke-Gekuschele scheint für Glasgow ausgeschlossen. Die Rangers entsprachen zunehmend der Vorstellung, die ich von einem harten Fußballmob habe. Andererseits dürften H. und ich aufgrund unserer Pappen diejenigen gewesen sein, die am häufigsten von den Vertretern der anströmenden Horden angeschmunzelt wurden. Also rein in die Rangers-Kneipe. Ein Bier vom letzten Klimpergeld. Ich fragte den Wirt, ob er auch Euro nähme. Nee. Egal. Ich würde in dieser Gegend keinen Automaten suchen gehen. 90 Minuten ohne ein Scheinchen, das kann man schon mal aushalten. Die Kneipe war eine triste Tränke, das Publikum rekrutierte sich entsprechend. Kein Fernseher, nur ein bisschen Hörfunk. Ich setzte mich zu einigen Gestalten, hatte ja in etwa die selbe Frustfresse, und radebrechte ein bisschen englisch. Shake hands. Jemand streckte mir seinen rechten Arm entgegen, ein anderer fuchtelte mit der flachen Hand herum. Schönen Gruß vom Oranier-Orden. Ick bin Berliner. Is enough. Unverständnis. Dissonanzen. Ich besichtigte das Viertel. Hier und da ein Fan-Artikelstand. Union Jack hier, Union Jack da. No surrender, Rule britannia, We are the people, bla bla bla. Königinnentreuer als die Prinzessinnen. Stadionrundgang mit lustigem Intermezzo unter internationalen Zaungästen. Minimaler Blick auf den Stand der Celtics, ab und an irgendein Spieler. Große Stimmung drang aus dem weiten Eckigen nicht zu uns. War sicher ein typisches Schottenligaspiel. Abends dann der Ausklang, jenseits der City, hinter der markanten Brücke, im vermeintlich tristen Viertel bei den Celtics. Aber ob in der Bar 67 oder in der Bar der Bärtigen, es gab viele Leute und gute Laune. Hier und da ein bisschen IRA-Sing-Sang, aber nur so bedrohlich wie überholte Indianerlieder. Gelungener Abschluss eines interessanten Trips." |
Diskutieren (2 Posts)
| green_army_98 |
Old Firm - zu wenig Schottland, zu viel Länderspiel
Mar 04 2010 12:12:03 abwarten. wir kommen wieder!
|
#13650 |
| Theo |
Old Firm - zu wenig Schottland, zu viel Länderspiel
Mar 04 2010 11:47:02 Tja, das war es wohl für Celtic. Tut mir sooooo schrecklich leid!
Come on Rangers! Pah, IRA-Lieder. Lächerliche Kleeblatt-Bande... |
#13648 |
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