Aktuell
Kein Vertrauen in die Wirtschaft
Mittwoch, 19. März 2008
Das Vertrauen in Wirtschaft als Institution ist auf ein Vierjahrestief gesunken: Der Steuerskandal um Liechtenstein und den ehemaligen Deutsche-Post Chef Klaus Zumwinkel sowie der Konflikt um die Nokia-Werkschließung in Bochum mit einer möglichen Rückzahlung öffentlicher Fördermittel lassen das Vertrauen in die Institution Wirtschaft weiter schwinden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Ergänzung des Edelman Trust Barometers, für das 500 deutsche Meinungsführer zwischen 25-64 Jahren zu ihrem Vertrauen in die Institution Wirtschaft befragt wurden. Ein Vergleich der aktuellen Befunde mit den vor drei Monaten erhobenen Werten der globalen Umfrage offenbart einen signifikanten zusätzlichen Vertrauensverlust.


„Die jüngsten Vorgänge zementieren den Zustand der Vertrauenskrise in Deutschland“, so Cornelia Kunze, Deutschland-Geschäftsführerin von Edelman. „Wenn schon die Meinungsführer in Deutschland der Institution Wirtschaft nicht vertrauen, müssen wir davon ausgehen, dass der Durchschnittsbürger sich längst abgehängt fühlt. Er gewinnt zunehmend den Eindruck, dass so genannte Vorbilder sowohl ihre Versprechen als auch die Gesetze nicht einhalten und sich ihre Welt nach eigenen Maßstäben bequem einrichten. Wieso und wem sollte er dann noch vertrauen?“

Allein im Zeitraum von November 2007 bis Februar 2008 nahm die Anzahl derjenigen, die der Wirtschaft ihr Vertrauen aussprachen, von 35 auf 29 Prozent ab. Galten CEOs ohnehin nur sehr eingeschränkt als glaubwürdige Quelle für Informationen über das von ihnen geführte Unternehmen, so fiel dieser Wert nochmals weiter – von 24 Prozent Ende 2007 auf nur noch 18 Prozent aktuell. 14 Prozent der Befragten gaben dabei sogar an, CEOs seien als Informationsquelle „vollkommen unglaubwürdig“.

Mehr als die Hälfte der Meinungsführer führen ihr gestiegenes Misstrauen auf die jüngsten Vorkommnisse in Liechtenstein und Bochum zurück. 57 Prozent der Befragten sehen sich dadurch in ihrem persönlichen Misstrauen gegenüber CEOs bestätigt. Die entsprechende Korrelation fällt mit 59 Prozent noch deutlicher aus, wenn es um den Verlust von Vertrauen in die Wirtschaft als Institution generell geht.

Vertrauen sei eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Transaktionen, so Cornelia Kunze. „Unternehmen müssen Handlungsansätze zum Vertrauensaufbau überprüfen. Eine Chance besteht darin, die Stakeholder in den Dialog um Werte und Wahrhaftigkeit mit einzubeziehen.“ Einige der neuen Parameter für den Vertrauensaufbau werden auch in der aktuellen Edelman-Studie überprüft.

Über das Edelman Trust-Barometer:
Als Meinungsführer wurden Personen definiert, die einen Hochschulabschluss besitzen, deren jährliches Haushaltseinkommen sich im oberen Viertel ihres Landes befindet und die im politischen, wirtschaftlichen und medialen Bereich engagiert sind.

Weitere Infos:
Edelmann

 
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