Wenn in Bari der Wein in Bächen fließt …

Autor: P.Schoedler     veröffentlicht am 04 August 2017    
 
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Im Koran, Sure 47, Vers 15 steht folgendes geschrieben: „Das Gleichnis des (Paradies)gartens, der den Gottesfürchtigen versprochen ist: Darin sind Bäche mit Wasser, das nicht schal wird, und Bäche mit Milch, deren Geschmack sich nicht ändert, und Bäche mit Wein, der köstlich ist für diejenigen, die (davon) trinken, und Bäche mit geklärtem Honig.“ Bäche mit Wein? Das könnte mir passen und auch der persische Dichter Omar Chayyām könnte das Paradies nicht besser in Worte fassen. Im 11/12. Jahrhundert verfasste er neben vielen anderen Aphorismen und Gedichten dies: „Sogar der Berg beginnt zu tanzen, wenn Weinestropfen ihn benetzen! Unverständig ist mir der, der edlen Wein verderben lässt. Warum befiehlst du mir, des Weines wegen Reue zu empfinden? Ein Geist ist er! Er festigt die Persönlichkeit!“.

wein

Wenn ich meiner Bach-Phantasie weiter freien Lauf lassen könnte, so würden mir Bäche aus tief-dunkelrotem, kräftigem und fruchtigem Wein einfallen. Den passionierten Weintrinkern unter uns wird nun sicherlich die Rotweinsorte Primitivo einfallen. Und mir auch! So in etwa entstand auch der Wunsch ins Land dieses Rebensafts zu reisen. Genauer nach Apulien im östlichen Süden des italienischen Stiefels. Ursprünglich jedoch stammt die Rebsorte aus Kroatien und heißt dort Crljenak Kaštelanski. Nun könnte die Anreise – dem Wein folgend - über Kroatien und dann mit der Fähre ab dem montenegrinischen Bar erfolgen. Um jedoch direkt und ohne großen Zeitaufwand an das wohltuende Getränk zu gelangen, bietet sich jedoch der direkte Flug in die Stadt Bari an.

bari

Hier liegen seit etwas mehr als tausend Jahren die Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra, der in dem Gebiet der heutigen Südtürkei wirkte und dem bis heute am 06.12 gedacht wird. Aus Myra raubten italienische Seefahrer 1087 die Gebeine des Schutzpatron der deutschen Schüler (im Mittelalter) und brachten sie in die heutzutage so bedeutende Universitätsstadt. Sie liegen in der Basilika San Nicola, die eigens dieser Gebeine wegen errichtet wurde und nun einer der wichtigsten Anziehungspunkte Reisender ist, darunter vieler christlicher Pilger der West- und Ostkirche. 

Markt

Vielleicht auch deshalb findet man in der süditalienischen Stadt eine der wenigen russisch-orthodoxen Kirchen Italiens, die Chiesa di San Nicola. Diese mit ihrem grün-leuchtenden Dach schmiegt sich in ein ansonsten wenig spektakuläres Viertel südlich des Hauptbahnhofs ein. Somit kehrt nach Jahrhunderten das Byzantinische Reich mit seiner reichen religiösen Kultur zurück in die als letzte gefallene Stadt des damals byzantinisch beherrschten Italien. In der Altstadt selbst bietet heute auch die Chiesa di San Giovanni Crisostomo einen Anlaufpunkt für die orthodoxen Gläubigen Baris. Die weiß, fast wie Jerusalem, glänzende Stadt – die in der Vergangenheit einen verwegenen Ruf umgab – wirkt verträumt, ruhig aber auch etwas verlassen. Jede Gasse ist mit Heiligenfiguren geschmückt, liebevoll gepflegt und in oranges Licht getaucht. Einige Restaurants, Cafés und Läden des Alltäglichen in typisch süditalienischem Ambiente bieten Fisch, Oliven, Käse und natürlich … Primitivo an.

Bari

Abends auf den weißen Steinen um die Altstadt spazierend, oder auf den vielen Plätzen der Stadt dem Treiben mit einem Eis oder der pizzaähnlichen und regional typischen Foccaccia zuzuschauen, entspannt und belebt gleichermaßen. Gerade am Sonntag geht es sehr familiär und entspannt zu. Stilvoll gekleidet – wie im abgedroschensten Italienreiseführer - schlendert Alt und Jung in den Einkaufsstraßen zwischen dem Bari Centrale und dem Corso Vittorio Emmanuele umher. Dahinter liegt die orientalisch anmutende Altstadt mit ihren vielen Kirchen sowie die Adria. Dass Bari nicht nur Altstadt oder Einkaufsstadt ist, lässt sich hervorragend bei einem Spaziergang vom Fischmarkt über die Straßenpromenade Lungomare Araldo di Crollalanza erkunden. Südlich dieser Straße liegt unter anderem das Opernhaus. 

Bari

Von Bari selbst lohnt die Zugfahrt in Richtung Lecce, vorbei an Feldern und Olivenhainen. Mit etwas Glück erwischt man noch die alten klapprigen und quietschenden Züge, mit denen die Fahrt zwar langsamer von Statten geht, dafür die umso einprägsameren Erinnerungen hinterlässt. Nach 33 Kilometern erreicht man die Stadt Polignano a Mare, die bereits im Frühjahr von Touristen leider völlig überlaufen ist. Hier finden sich aber vielleicht gerade deshalb auch erstklassige Restaurants, ein Strand - der als einer der qualitativ besten in Italien gilt – sowie schmusende verliebte Pärchen, die auf den Klippen eng aneinander gedrückt sitzen. Für uns war das kleine bereits seit der Antike bestehende Städtchen Monopoli weitaus interessanter. Es liegt unweit von Polignano entfernt und ist weitläufiger und wahrscheinlich daher auch etwas ruhiger. 

Bari

An die Stadtmauer gelehnt kann man am Abend auf den vor der Stadtmauer liegenden Felsen gedanklich in der Adria versinken, fast den Balkan und das Morgenland erblicken und unserem persischen Freund mit einem Glas Primitivo zuprosten. Vielleicht antwortet er Dir, „Solange Du in der Lage bist, sei ein weindürstiger Ketzer und zerstöre die Pfeiler des Gebets und des Fastens! Höre auf ein wahres Wort von Omar Hayyam: Trink Wein, lebe dein Leben und tue Gutes!“. 

Na dann, zum Wohle und Gott erhalt’s!  

Anmerkung zur Quelle: Omar Hayyam, Zelte der Weisheit, Greifenverlag zu Rudolstadt

Fotos: P. Schoedler

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Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Region!

LG Rauke

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Der durchaus bekanntere Zinfandel ist dem Primitivo sehr ähnlich, vllt sogar dessen Ursprung!
Apulien und Kalabrien sind zum Glück noch recht unentdeckte Gebiete Italiens!

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Traumhafte Ecke. Kann die Region auch fußballbegeisterten besonders ans Herz legen. Demnach auch einen Besuch in Lecce (U.S. Lecce). Lecce liegt ca. 1 bis 2 Zugstunden (abhängig vom Zug) von Bari entfernt. Was ebenfalls gut gefällt sind die nicht vorhandenen Hotelburgen.
Nach Bari fliegt man übrigens per Handgepäck bereits ab 69 €.

Grüße

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