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Unterwegs mit Interflug, CSD und Reichsbahn: Alte Tickets lassen Reiseerinnerungen aufleben

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 09 Juni 2017    
 
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1,50 Mark der DDR kosteten die drei Platzreservierungen von Berlin Stadtbahn nach Praha Holesovice. Mein damaliger Sitz: Nichtraucherabteil, Fenster, Platznummer 55. Am 04. Juni 1989 ging es auf dem Schienenweg in die tschechoslowakische Hauptstadt. Der Gesamtpreis für drei Erwachsene (Die Eltern und der 15-jährige Nachwuchs) betrug damals 82,80 Mark. Hinzu kam ein Streckenzuschlag für den Abschnitt Berlin Stadtbahn - Schoena in Höhe von 12 Mark. Zurück ging es dann mit Interflug im sowjetischen Propellerflugzeug Weitaus weniger musste zwei Jahre zuvor auf den Tisch gelegt werden. Gerade mal 60 Pfennige kostete am 23. Juli 1987 die Fahrkarte im Personenzug von Wandlitzsee nach Lottschesee. Mit 13 ging ich noch als Kind durch, der Preis betrug demzufolge schlappe 30 Pfennige. Am Tag zuvor waren es beim Tagesausflug sogar nur 40 Pfennige bzw. 20 Pfennige, die für die Strecke Klosterfelde - Wandlitzsee gezahlt werden mussten. Kurzum: Kurzstrecken und städtischer Nahverkehr waren zu DDR-Zeiten wahrlich günstig, für den Fernverkehr musste indes durchaus Geld hingeblättert werden. So kostete im Jahr 1981 eine reguläre Fahrkarte von Ostberlin nach Prag exakt 27,60 Mark. Gemessen am damaligen Durchschnittseinkommen durchaus ein gewisser Preis. Im gleichen Jahr lag der Preis für eine Fahrkarte im Schnellzug von Ostberlin nach Rostock bei 20,80 Mark.

Woher diese ganzen Daten stammen? Aus dem Reisetagebuch der Eltern. Von 1971 bis kurz nach dem Mauerfall wurden sämtliche kleineren und großen Touren in dicken Heften festgehalten. Meine Mutter schrieb mit dem Füller Tagebuch und klebte dazu Postkarten, Eintrittskarten, Quittungen, ein paar ausgewählte Fotos sowie die Flugtickets und Bahnfahrkarten mit ein. 30, 40, 45 Jahre später - ein wahre Goldgrube. Wer wüsste noch sonst, dass im Februar 1972 eine Bahnfahrkarte von Dresden Hauptbahnhof nach Prag 10,80 Mark der DDR kostete?! Das Ticket war damals dunkelbraun. „Für alle Züge - Pro vsechny vlaky“ stand am oberen Rand geschrieben. Gültig war die Karte zwei Monate. Gültig nur am Lösungstag war indes zum Beispiel das am 01. Juli 1983 gekaufte Ticket für den Personenzug, das für die Strecke Göhren (Rügen) - Binz Ost gültig war und 1,20 Mark kostete. 

Tickets

Aber interessant sind nicht nur die damaligen Preise, sondern teilweise auch die Streckenverläufe. Im Personenzug von Blankenburg im Harz nach Michaelstein? Damals noch auf  dem Schienenweg möglich, in der Gegenwart fährt diese Strecke nur noch der Bus ab. Bevor ich auf die Welt kam, reisten meine Eltern im Juli 1972 mit dem Zug in den Harz. Mit der Deutschen Reichsbahn ging es von Ostberlin über Magdeburg nach Blankenburg. Pro Person machte das pro Strecke 17,60 Mark. Hinzu kamen drei Mark Schnellzugzuschlag und 50 Pfennige für die Platzkarte. Als ich ein Jahr alt war, düsten meine Eltern mit mir gen Ostsee - und zwar am 22. Juli 1974. Über Waren an der Müritz, Güstrow und Schwaan nach Rostock. Auch hierfür waren drei Mark Schnellzugzuschlag fällig. Drei Tage später ging es von Stralsund mit dem Schnellzug zurück nach Berlin. Wahnsinn, was anhand der Reisetagebücher alles rekonstruierbar ist! 

Weiße Flotte

Wie erwähnt, wurden nicht nur Bahnfahrkarten eingeklebt. Hunderte Perlen dürfen bewundert werden und wurden inzwischen bereits digitalisiert. So musste in den 1980ern eine Mark dafür bezahlt werden, wenn der PKW auf dem bewachten Parkplatz des Ostseebad Binz abgestellt wurde. Gleicher Preis am 28. Juli 1984 für die Parkplätze auf Fischland / Darß / Zingst. Der Eintritt in die Hermannshöhle kostete für Erwachsene ebenfalls eine Mark, hinzu kamen fünf Pfennige Kulturbeitrag. Wer ein Kino der Bezirksfilmdirektion der DDR besuchen wollte, musste indes 1,50 Mark hinlegen. Für Kinder waren 50 Pfennige fällig. Schon mehr ins Geld gehen konnte eine Fahrt mit der „Weißen Flotte“. Sechs Mark für eine Fahrt im Juli 1983. Acht Mark kostete die Eintrittskarte für eine Show am 02. September 1984 des VE Hengstdepot Moritzburg. Allerdings wurde dem Besucher damals einiges geboten, die Erinnerungen an diese Veranstaltung sind auch auch 33 Jahre später noch recht frisch. 

KFZ

Generell galt - abgesehen vom Personenverkehr -, bei Eintrittspreisen wurde gern runde Sache gemacht. Eine Mark für das Meerwasserhallenbad des Feriendienstes der IG Wismut in Zinnowitz. Eine Mark Eintritt für das Schifffahrtsmuseum Rostock, 50 Pfennige für einen Liegestuhl im Schwimmbad Tabarz, 50 Pfennige Eintritt für den Tierpark Wolgast, eine Mark für den Bootsverleih  in Zirchow am Wolgastsee. Ebenfalls eine Mark Eintritt für das Fernsehturm-Café Kulpenberg und 50 Pfennige für das Kaltbad einschließlich Garderobe in Blankenburg. Apropos, in der Gegenwart ist das Gelände samt Fernsehturm auf dem Kulpenberg, von dem aus man den Kyffhäuser überblicken kann, nicht mehr öffentlich zugänglich. Zu DDR-Zeiten pilgerten indes rund 200.000 Besucher pro Jahr zum 95 Meter hohen Fernsehturm, auf dem sich in Höhe von 78 Metern das besagte Aussichtscafé befand…

Kulpenberg

Interflug

DDR

FDGB

Fotos: Marco Bertram / privat

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