Auf Vinyl, Magnetband und Papier: „Knuts Opa war Nazi“ von Andreas Gläser

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 14 Juli 2014    
 
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Cover der Platte "Knuts Opa war Nazi"
 

Knuts OpaHey Leute, es gibt wieder einen guten Grund, seinen alten Schallplattenspieler hervorzukramen! Geht in den Keller, auf den Dachboden, in die Gerümpelkammer! Holt das alte Teil raus, entstaubt es und schließt es an. Falls Ihr keinen mehr habt, zieht los und kauft euch am besten einen. Oder geht zum Kumpel und borgt euch einen aus! Der gute Grund: „Knuts Opa war Nazi“! Diese schräge Geschichte kann man sich zum einen auf der Schallplatte anhören, zum anderen wurde diese in einem Heftchen gemeinsam mit anderen Texten aus dem Zeitraum von 2005 bis 2013 abgedruckt. Auf der Schallplatte, die bei Steeltown Records in Eisenhüttenstadt gepresst wurde, gibt es neben der literarischen Seite auch eine musikalische Seite mit sieben unterschiedlichen Werken. 

Da sich kein Plattenspieler mehr in meinem Besitz befindet und ich keine Muße hatte, einen neuen zu kaufen, hörte ich mir die nett aufgemachte Scheibe in Andreas Gläsers guter Stube an. Ein Tässchen Kaffee, ein Gläschen Weißwein, Ohren geputzt, Platte aufgelegt, zurückgelehnt und zugehört. Von Liedstück Nummer 1 „Wir kriegen unser Leben schon irgendwie Rum / Heut´trinken wir“ über „Skinheads und Heroin“ und „Wir sind prinzipiell dagegen, dass Punker ins Gefängnis müssen“ und „Es gibt nur ein Berlin“ bis zum Song Nummer 7 „Aeroflotpilot“.

Mitgewirkt haben an dieser Platte eine Menge Leute. Allen voran Andreas Gläser, der mit seinem Buch „DJ Baufresse“ und „Der BFC war schuld am Mauerbau“ Berühmtheit erlangte, und die drei Helden der „Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot“, die während der meisten Songs als Blasmusiker agierten. Mitunter griff auch Andreas Gläser persönlich zum Tenorsaxophon. Das Schlagzeug bediente Ille, Frank ist an der Gitarre zu hören. Und was den Gesang betrifft, haben sich auf dieser Scheibe eine Menge Leute verewigt. Mal legen Martini, Romy Sydow, Ahne und Andrea Gläser jeweils einen Solo hin, mal sind es zwei, die sich abwechseln. Und beim ersten Stück waren es gleich acht Personen, die zum Mikro griffen.

Auf der literarischen Seite gibt es das 19:36 Minuten lange schräge Textstück „Knuts Opa war Nazi“ zu hören. Sprecher sind Ahne, Heiner Rosch, Emil, Oz O. und Andreas Gläser. Und da die Story im Original doppelt so lang ist, gibt es parallel zur Platte noch eine 64-seitige Broschüre, die in einer limitierten 333er Auflage erschien und für 3,33 Euro zu haben ist. In dem selbst ernannten Ego-Poetry-Fanzine finden sich 24 Texte aus den Jahren 2005 bis 2013, die für Bühnen oder Anthologien sowie für Zeitungen und Internetportale verfasst wurden. Emil schrieb das Vorwort, während Liebling Kreuzberg und der Schusterjunge die Layout-Wünsche umsetzten.

HefteIch persönlich hatte vor dem Treffen in Gläsers Wohnung das Glück, ein Heft auf dem Postweg zu erhalten. Auf einer Fußball-Tour nach Polen las ich diese Broschüre in der Bahn und hatte meinen Spaß. Zwei Stunden Zugfahrt nach Stettin vergingen wie im Fluge. Herrliche Geschichten aus dem Leben. Eine Sturmfahrt mit dem Söhnchen vor der Küste Maltas, die erste Brille mit 44, ein Kaffeeklatsch im Stasi-Reservat und nicht zuletzt die Hauptgeschichte „Knuts Opa war Nazi“. Wie heißt es in der Einleitung? „Bragi war der Enkel von Heimdall und Ragna, sowie Alvar und Slemma. Bragi war der Sohn von Rasmus und Runa, sowie der Mann von Hedda und der Vater von Aldur und Wilm. Bragi war der Großvater von Michi, Sven, Fenja und Smilla, aber auch der Urgroßvater von Lars, Rebecca und Vera – und der Ur-Ur-Großvater von Knut ...“ Auf dem Cover – sowohl der Platte, als auch des Heftchens – zu sehen: Ein Erinnerungsfoto von einer Gruppe Wehrmachtssoldaten, die in Norwegen stationiert war. Inmitten dieser neunköpfigen Gruppe: Ein Eisbär. Besser gesagt, ein Mann mit einem Eisbärenkostüm.

Zum Inhalt soll an dieser Stelle gar nicht viel verraten werden. Unvoreingenommen soll sich der Leser in die Broschüre werfen. Das Vinyl erschien vorerst in 300er Auflage und wurde wie eingangs erwähnt von Steeltown Record gepresst. Und das ist noch nicht alles! Heutzutage ist die Veröffentlichung einer Magnetbandkassette schon schräg, aber die hier setzt dem die Krone auf. Knuts Kassette kommt in einer von Theresa Neumann handgefertigten Geldbörse, mit den entsprechenden Fächern für Taler und Scheine. Das ganze erscheint mit Tobins Comics, mit Gruß und Kuss, und natürlich dem Tonträger nach alter Schule, auf dem sich vom Aeroflotpiloten und Skinheads und Heroin eine jeweils andere Fassung als auf LP findet. Diese Kassette erscheint bei „Oi! The Nische“ in 200er Auflage und gibt es für je fünf Euro praktisch geschenkt.

Wie sagt man in Berlin? Voll dufte, die Platte! Und die Kassette! Musste koofen! Und dat Heft gleich mit dazu! Bei wem? Einfach direkt Andreas Gläser per Elektropost kontaktieren!

> zur Webseite von Andreas Gläser (inklusive Hörproben)

Fotos: Schallplatte „Knuts Opa war Nazi“

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ulkige sache. hatte die scheibe bei ner ollen gehört, die wohl atze baufresse kennt. nen achter für das ding ist echt nicht fett. und die kassette ist ja echt jeschenkt für den fünfer.

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Was soll denn der Blödsinn turus?

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Geiles Ding! :-D

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