
Es schien, als würde die Demonstration gegen das Sparpaket im trüben Tiergarten gänzlich ungehört verpuffen, doch dann kam es doch noch zu einer Aktion, die für ein wenig Furore sorgte. Im Anschluss der Demonstration auf der Straße des 17. Juni zogen jugendliche Demonstranten vom großen Stern aus spontan quer durch den Tiergarten zur Parteizentrale der CDU. Dort gelang es den Demonstranten, sich im öffentlichen Raum ein wenig Gehör zu verschaffen. Zumindest sorgte die Aktion für ein paar symbolkräftige Fotos und TV-Aufnahmen. Der Verkehr lag kurzzeitig lahm, die Einsatzkräfte mussten die dortige Straßenkreuzung räumen.
Der Reihe nach. Als gegen zehn Uhr die Kundgebung auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor begann, sah alles aus Sicht der Veranstalter nach einem Desaster aus. Kaltes unangenehmes Wetter und rechtliche Querelen im Vorfeld der geplanten Demonstration und Belagerung des Bundestages. Man hatte es den Organisatoren nicht leicht gemacht, selbst der Pariser Platz blieb am heutigen Tag gesperrt. Von der Straße Unter den Linden kommend musste man einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um zur Demo zu gelangen.

Dass es mit der geplanten Belagerung des Reichstages / Bundestages nichts werden würde, schien schnell klar. Zu massiv waren die Absperrungen, die auf Grund der aktuellen Terrorgefahr in Berlin und ganz Deutschland errichtet wurden. Zu klein war zudem die Anzahl der Demonstranten. Berlin ist nicht Stuttgart und auch nicht das Wendland.
Gegen 10:30 Uhr hielt Gregor Gysi von den Linken eine seiner emotionalen Reden, währenddessen rückte noch der eine oder andere Demonstrant nach. Vom Potsdamer Platz aus näherte sich zudem lautstark eine Schülerdemonstration, die später die Spitze des Protestzuges bilden sollte. Jung, dynamisch und eine Portion Wut im Bauch - die Jugend zeigte sich kreativ und kampflustig - trotz des leichten Schneefalls.

Mit den Schülern, die an einem Schulstreik teilgenommen hatten, rückten auch weitere polizeiliche Einsatzkräfte aus NRW und Berlin nach. Die Kundgebung nach den Redebeiträgen sollte zum Großen Stern führen, ein Aufmarsch in Sichtweite des deutschen Bundestages wurde von den Behörden untersagt.
"Spart Euch Euer Sparpaket!" Mit diesem Slogan startete gegen 11:25 der Marsch der paar tausend Demonstranten. Anweisungen wurden gegeben, Fähnchenträger sollten spontan zeigen, wo es lang geht. Für die Schüler und Jugendlichen stand fest, die Nähe zum Bundestag muss gesucht werden, ein Durchbruch sollte nach Möglichkeit erfolgen.

Unter dem abgespielten Song
"Highway to hell" zog der Demonstrationszug rasch in Richtung Siegessäule. Dass etwas in der Luft lag, war für jedermann zu spüren. Kaum endeten die hohen Absperrzäune, versuchten einige Demonstranten in Richtung Regierungsviertel durchzubrechen. Gegen 11:45 Uhr hieß es für die Polizei Helm auf, die Lage drohte kurzzeitig zu eskalieren. Rangeleien im Unterholz, einzelne Böller, hier und dort eine gezielte Festnahme, ein rauer Umgangston von beiden Seiten. So ungemütlich das Wetter, so ungemütlich die Situation.
Immer wieder kam es zu einzelnen Durchbrüchen, doch in den Weiten des Tiergartens wurden die Demonstranten wieder eingesammelt. Nach kurzem Stillstand rückte der Demonstrationszug schließlich zum Großen Stern vor, wo Polizeifahrzeuge den Weitermarsch verhinderten. Endpunkt des Protestzuges, mitten im Niemandsland der Stadt Berlin.

Rasch sprach sich die Meldung herum, dass ein paar Demonstranten die CDU-Zentrale
"besetzt haben und nun Unterstützung brauchen". Quer durch den Tiergarten schlängelten sich hunderte meist jugendliche Demonstranten in Richtung Landwehrkanal. Dort angekommen, riegelte die Polizei das Gebäude bereits ab. Eine Belagerung konnte sie jedoch vorerst nicht verhindern. Der dortige Straßenverkehr kam kurzzeitig zum Erliegen. Immer mehr Demonstranten rückten nach, und auch zahlreiche Fahrzeuge der Bundespolizei erreichten unter Blaulicht den Ort des Geschehens. Was folgte waren kleinere Rangeleien, ein kurzzeitiger Sitzstreik und Festnahmen - Randale wie etwaige Steinwürfe oder Farbbeutelattacken blieben jedoch aus. Gegen 13:10 Uhr waren die Straßen vor der Parteizentrale der CDU wieder frei. Ein paar hundert linke Demonstranten wurden in Richtung Lützowstraße begleitet, wo sie noch ein Weilchen festgehalten wurden.
> zur turus-Fotostrecke: Demonstration gegen das Sparpaket