"Hinterher ist man immer schlauer." Wohl noch nie war eine Floskel so greifbar, wie in diesen Tagen. Schlauer wollen dabei vor allem die Medien sein, die sich förmlich über Stopfung des anbahnenden Sommerloches freuen und um Quote und Klick ringen und dabei die Wahrheit und vor allem journalistische Regeln hinten anstehen lassen. Ganz vorne mit dabei Focus, FAZ, BILD und ARD, aber auch die heimische WAZ und Rheinische Post lassen sich im Wettstreit um den Leser und damit um das profitable Werbegeschäft nicht lumpen: Da werden schnell nicht verifizierte Zeugenaussagen förmlich "zusammengekloppt" und einfach ohne Recherche bezüglich des Wahrheitssgehalts veröffentlicht. Gatekeeping auf naive Weise ganz getreu dem Motto: wir haben die Schuldigen, hängt sie auf.
Für die Presse hängt momentan einer: der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, besonders nach der gestrigen Pressekonferenz an dem das Stadtoberhaupt mit Tränen in den Augen teilnahm und Fragen der Journalisten nach seinen Wissensstand objektiv gesehen eigentlich beantwortete. Für die Medienmeute reicht das nicht, sie wollen ein Geständnis und werfen dem Stadtoberhaupt Profitgier und Geltungssucht vor. Ganz vorne mit dabei das Münchener Magazinblättchen Focus, das in einen von vielen Berichten am Sonntagnachmittag fast beleidigt aus einer Ecke schmollt, da es nicht die Fragen beantwortet bekommt, die es will. Peinlicher Journalismus auf den die eigentlich sonst so kompetente ARD mit einen Jörg Schönenborn, der Tag zuvor noch nichteinmal wusste was ein "Raver" ist, gerne aufspringt.
Da zeigt das Erste in ihrem Brennpunkt Sekunden-Ausschnitte aus der besagten Pressekonferenz gezeigt, um zu belegen wie angeblich wortkarg die Verantwortlichen agieren, dabei lief die Pressekonferenz gute 30 Minuten und Veranstalter, Sicherheitskräfte und auch der Oberbürgermeister hatten mehr zu sagen als das von der ARD gezeigte. Eine Farce und bewusste Manipulation des mündigen Bürgers durch eine von Bürgergeldern finanzierte Medienanstalt. Wenn sogar die öffentlich-rechtlichen Sender auf den medialen Hetzjagd-Zug aufspringen kann man getrost von Gleichschaltung sprechen.
Gefüttert werden die hungrigen Medien von Akteuren, die sich im Rampenlicht profilieren und sonnen wollen. Angefangen von Zeugen, die angeblich dabei waren, gefolgt von Konzertveranstaltern wie Marek Lieberberg, der den Organisatoren Profitgier vorwirft sowie Politikern, die wie gewohnt Köpfe rollen sehen wollen, um sich selbst zu positionieren und einer Polizeigewerkschaft, die ihre Beamten in Schutz nimmt und natürlich schon vor Monaten vor einem möglichen Unglück gewarnt haben will. Das Konkurrenzveranstalter sich jetzt profilieren wollen, ist aus geschäftlichen Interessen sicherlich verständlich. Aber Profitgier bei einer Loveparade zu sehen, die noch vor wenigen Monaten aufgrund der Finanzierung auf der Kippe stand, ist dann aber doch ein wenig zuviel Dreck der durch die Gegend fliegt. Und wer jemals Teilnehmer einer Demonstration oder eines brisanten Fußballspiel war, würde das sanfte Image, das die Polizeigewerkschaft (in Form des Vorsitzenden Rainer Wendt) über die teilnehmenden Polizisten in ihrer Kampfmontur suggeriert, niemals abnehmen.
Sicherlich wenn so ein Unglück passiert wird nach Verantwortlichen gesucht auch unter dem Motto "hinterher ist man immer schlauer". Aber wo waren die Journalisten, die jetzt ihre mediale Hetzjagd initiieren, vor der Loveparade? Blickt man auf die Vorberichterstattung, die überregional verständlich eher mager ausfällt, finden sich keine Bedenken über den Veranstaltungsort - im Gegenteil: in Interviews und Nachrichten wird der ausgezeichneten Organisation gehuldigt und das Fest als ein sensationelles angekündigt. Alles journalistische Fassade, die sich nach Gutdünken dreht, um dort abzuschöpfen wo es den größten Profit gibt.
