Dienstag, 07 Februar 2012

Loveparade-Hetzjagd: Medien und Besserwisser schmeissen mit Dreck - wir schmeissen zurück

Es war ein Unfall, ein Unglück, eine Tragödie, deren Ursprung und deren Ablauf mitsamt den Schuldigen seine Aufklärung finden wird. Beileid gilt denjenigen, die durch das Geschehen in Duisburg einen geliebten Menschen verloren hat, Unterstützung gilt aber nicht denen, die jetzt im großen Stil mit Worten um sich werfen und eine Hetzjagd veranstalten, die ihresgleichen sucht: die Medien mitsamt ihren besserwisserischen Unterstützern aus Politik, Kultur und Sicherheitsorganen.

"Hinterher ist man immer schlauer." Wohl noch nie war eine Floskel so greifbar, wie in diesen Tagen. Schlauer wollen dabei vor allem die Medien sein, die sich förmlich über Stopfung des anbahnenden Sommerloches freuen und um Quote und Klick ringen und dabei die Wahrheit und vor allem journalistische Regeln hinten anstehen lassen. Ganz vorne mit dabei Focus, FAZ, BILD und ARD, aber auch die heimische WAZ und Rheinische Post lassen sich im Wettstreit um den Leser und damit um das profitable Werbegeschäft nicht lumpen: Da werden schnell nicht verifizierte Zeugenaussagen förmlich "zusammengekloppt" und einfach ohne Recherche bezüglich des Wahrheitssgehalts veröffentlicht. Gatekeeping auf naive Weise ganz getreu dem Motto: wir haben die Schuldigen, hängt sie auf.

Für die Presse hängt momentan einer: der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, besonders nach der gestrigen Pressekonferenz an dem das Stadtoberhaupt mit Tränen in den Augen teilnahm und Fragen der Journalisten nach seinen Wissensstand objektiv gesehen eigentlich beantwortete. Für die Medienmeute reicht das nicht, sie wollen ein Geständnis und werfen dem Stadtoberhaupt Profitgier und Geltungssucht vor. Ganz vorne mit dabei das Münchener Magazinblättchen Focus, das in einen von vielen Berichten am Sonntagnachmittag fast beleidigt aus einer Ecke schmollt, da es nicht die Fragen beantwortet bekommt, die es will. Peinlicher Journalismus auf den die eigentlich sonst so kompetente ARD mit einen Jörg Schönenborn, der Tag zuvor noch nichteinmal wusste was ein "Raver" ist, gerne aufspringt.

Da zeigt das Erste in ihrem Brennpunkt Sekunden-Ausschnitte aus der besagten Pressekonferenz gezeigt, um zu belegen wie angeblich wortkarg die Verantwortlichen agieren, dabei lief die Pressekonferenz gute 30 Minuten und Veranstalter, Sicherheitskräfte und auch der Oberbürgermeister hatten mehr zu sagen als das von der ARD gezeigte. Eine Farce und bewusste Manipulation des mündigen Bürgers durch eine von Bürgergeldern finanzierte Medienanstalt. Wenn sogar die öffentlich-rechtlichen Sender auf den medialen Hetzjagd-Zug aufspringen kann man getrost von Gleichschaltung sprechen.

Gefüttert werden die hungrigen Medien von Akteuren, die sich im Rampenlicht profilieren und sonnen wollen. Angefangen von Zeugen, die angeblich dabei waren, gefolgt von Konzertveranstaltern wie Marek Lieberberg, der den Organisatoren Profitgier vorwirft sowie Politikern, die wie gewohnt Köpfe rollen sehen wollen, um sich selbst zu positionieren und einer Polizeigewerkschaft, die ihre Beamten in Schutz nimmt und natürlich schon vor Monaten vor einem möglichen Unglück gewarnt haben will. Das Konkurrenzveranstalter sich jetzt profilieren wollen, ist aus geschäftlichen Interessen sicherlich verständlich. Aber Profitgier bei einer Loveparade zu sehen, die noch vor wenigen Monaten aufgrund der Finanzierung auf der Kippe stand, ist dann aber doch ein wenig zuviel Dreck der durch die Gegend fliegt. Und wer jemals Teilnehmer einer Demonstration oder eines brisanten Fußballspiel war, würde das sanfte Image, das die Polizeigewerkschaft (in Form des Vorsitzenden Rainer Wendt) über die teilnehmenden Polizisten in ihrer Kampfmontur suggeriert, niemals abnehmen.

Sicherlich wenn so ein Unglück passiert wird nach Verantwortlichen gesucht auch unter dem Motto "hinterher ist man immer schlauer". Aber wo waren die Journalisten, die jetzt ihre mediale Hetzjagd initiieren, vor der Loveparade? Blickt man auf die Vorberichterstattung, die überregional verständlich eher mager ausfällt, finden sich keine Bedenken über den Veranstaltungsort - im Gegenteil: in Interviews und Nachrichten wird der ausgezeichneten Organisation gehuldigt und das Fest als ein sensationelles angekündigt. Alles journalistische Fassade, die sich nach Gutdünken dreht, um dort abzuschöpfen wo es den größten Profit gibt.
Gesendet: 31 Jul 2010 19:34 von Hal #15098
Zum Thema komme ich zu ähnlichen Schlüssen

siehe:

www.presse-kostenlos.de/kommentar-und-ko...-sauerland_18431.htm
Gesendet: 28 Jul 2010 23:36 von Jan #15089
Meinungsstark. Doch wie war das gleich mit der seriösen Recherche? Wo sind die Belege des Autoren? Wie hier ist es oft im Netz: Lauthals den Grahlsbewahrer mimen - um dann kläglich an den eigenen Ansprüchen zu scheitern. Sensationsmache? Vielleicht. Eine Alternative bietet dieser Artikel jedenfalls nicht, sondern nur wohlfeile Larmoyanz. Hausaufgaben machen und morgen noch mal versuchen...und bitte nicht die klägliche Ausrede: Das ist ein Kommentar. Den können sich Medien leisten, die eine ausgewogene Grundversorgung mit Informationen bieten. Und selbst die sollten sich besser selten dazu hinreißen lassen!
Gesendet: 28 Jul 2010 17:44 von T0Bi #15088
Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Trotzdem mein Mitleid den Familien der Opfer.
Gesendet: 26 Jul 2010 13:31 von Mike #15075
Ich befand mich auf dem Rückweg und was ich sah waren sensationsgeile Reporter die versuchten irgendwelche Menschen vor die Kamera zu zerren (mich hat auch einer am Arm gepackt) und Fotografen die wie wild geworden auf alles was sich bewegte schossen. Abschaum nennt man das.
Gesendet: 26 Jul 2010 12:10 von Michael #15074
Es ist sicherlich nicht die Aufgabe von Medien das Sicherheitskonzept zu prüfen, es ist aber die Aufgabe von Medien ihre journalistische Sorgfaltspflicht bei der Berichterstattung nachzukommen. ich stimme den Artikel in allen Punkten zu
Gesendet: 26 Jul 2010 11:45 von Moligimbo #15073
Ich als-Nichtjournalist habe durch eine einfache Internetrecherche genug Stimmen von Leuten gefunden, die auch "vorher schon schlauer waren". Es ist auch nicht die Verantwortung von Journalisten, das Sicherheitskonzept vor einer Veranstaltung zu prüfen.
Gesendet: 26 Jul 2010 10:08 von Marianne #15072
Ja das stört mich auch gewaltig. Was noch fehlt, das dort unzensierte Bilder von zugedeckten Leichen gezeigt werden. Da muss doch der Presserat einschreiten.
Gesendet: 26 Jul 2010 09:44 von Bernhard #15071
Schuldig ist, wer schuldig gesprochen wird!
Gesendet: 26 Jul 2010 09:38 von Minusz #15070
Hallo turus-Redaktion, ein guter Bericht, der mir vom Herzen spricht! Vielen Dank dafür und viele Grüße aus Sangershausen.
MfG Minusz

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