Ist das wirklich Berlin? Eine entspannte Atmosphäre wie in Rio de Janeiro in den Stadtteilen Leblon und Ipanema. An den Sommer-Wochenenden wird der Berliner Mauerpark zum multikulturellen Schmelztiegel. Hier wirkt Berlin zeitlos. Manches erinnert an die lockere Zeit zu Beginn und Mitte der 90er Jahre, als in Berlin das wirkliche Leben erwachte.
Sonntags im Mauerpark: Karaoke, Grillen, Feiern, Basketball und viel Alkohol
- Montag, den 19. Juli 2010 um 11:22 Uhr
- Marco Bertram
- Bereich: Magazin -
- Gesellschaft
Ist das wirklich Berlin? Eine entspannte Atmosphäre wie in Rio de Janeiro in den Stadtteilen Leblon und Ipanema. An den Sommer-Wochenenden wird der Berliner Mauerpark zum multikulturellen Schmelztiegel. Hier wirkt Berlin zeitlos. Manches erinnert an die lockere Zeit zu Beginn und Mitte der 90er Jahre, als in Berlin das wirkliche Leben erwachte.
Eine Atmosphäre wie auf einem Open-Air-Festival. Leute singen Lieder - die einen besser, die anderen schlechter. Gejubelt und geklatscht wird fast immer, jeder bekommt eine Ladung Applaus ab. Für ein paar Minuten ein echter Held sein, vor aberhunderten Zuschauern allen Mut aufbringen und der Star des Nachmittags sein.Â
Unweit der Freilichtbühne hat sich ein lustiges Grüppchen getroffen. Über Facebook haben sich ein paar Freunde und Bekannte zum Grillen verabredet. Der Anlass: Zwei Steinbock-Frauen möchten ihren Geburtstag nachfeiern, da auch sie Lust haben, einmal im Sommer eine Party zu schmeißen. Als Winterkinder bleibt ihnen sonst nur die Geburtstagsparty hinter verschlossenen Türen.Â
Alles ist am Start. Ein großer Grill, etliche Decken, eine riesige Kühlbox mit reichlich Getränken, Fleisch, Grillkäse und Würstchen sowie eine ordentliche Portion gute Laune. Alles perfekt vorbereitet.Â
Ein paar Polizisten laufen Patrouille. Auf einem asphaltierten Basketballplatz liefern sich ein paar Spieler ein ansehenswertes Duell. Die Atmosphäre im Mauerpark ist soweit völlig entspannt.
Die Lage bleibt dieses Mal ruhig, die Gemüter kühlen sich wieder ab. Keine Flasche fliegt, kein Pfefferspray wird versprüht und auch der Knüppel bleibt im Halfter stecken. Gut so. Niemand hat wirklich Lust auf die Fresse zu bekommen.
Ein Sanitäterwagen kommt mit Blaulicht herbei. Der eine Streithahn muss ärztlich versorgt werden, währenddessen versuchen die Polizisten glaubhafte Zeugen ausfindig zu machen. Leicht gesagt, schwer getan. Eine junge Frau bricht in Tränen aus und beklagt sich über das ruppige Auftreten der Beamten. Nach einer halben Stunde ist schließlich alles vorbei. Von der Polizei ist nun im Mauerpark nichts mehr zu sehen. Die Leute sind nun völlig unter sich.
Es wird dunkel im Mauerpark. Der Mond geht auf, noch immer steigen die Rauchschwaden auf, die Glut glimmt hier und dort. In der Ferne blinkt die Kugel des Berliner Fernsehturms. Erschöpft und glücklich lässt man sich auf die Decke sinken. Es fühlt sich wirklich an wie vor fünfzehn Jahren. Ach Berlin, ick liebe Dir...
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