Deutschlands schönster Stau: Still-Leben auf der A40 - Bilder

Autor: Ralf Schmahld      veröffentlicht am 19 Juli 2010    
 
0.0 (0)
Bewertung schreiben
Artikel weiterempfehlen / teilen:

 

Der Satz "im Stau stehen" bekam am gestrigen 18. Juli eine ganz neue Bedeutung: Rund drei Millionen Menschen, darunter eine Million Radfahrer (!) machten sich auf den Weg zur wohl bekanntesten Autobahn Deutschlands der A40, um einen besonderen und wohl nie wiederkehrenden Moment der Freude und kulturellen Vielfalt zu erleben. Eigentlich war es wie immer auf dem Ruhrschnellweg - mit dem einzigen Unterschied: diesmal standen nicht Autos, sondern Fußgänger, Radler und Skater im Stau, die im Gegensatz zum täglichen Verkehr völlig entspannt und fröhlich das größte Straßenfest der Welt zelebrierten. Wann ist man auf der Autobahn mit seinem Nachbarn schon einmal auf Du und lacht und genießt eine wunderbare Autobahnatmosphäre.

Auch die Veranstalter sind überwältigt von der Resonanz des Kulturhaupstadtprojekts, kalkulierten sie doch mit weniger als eine Million Menschen. Nun waren es mehr als dreimal soviele, die sich auf 60 Kilometer zwischen Duisburg und Dortmund auf dem Asphalt tummelten. Es waren soviele, das teilweise die Zugänge zu den Auf- und Ausfahrten wegen Überfüllung gesperrt werden mussten. Mit spektakulären Projekten, aber auch mit sozialen Inhalten und künstlerischen Elementen hatten die Teilnehmer auf der so genannten Programmspur die 20.000 Tische zur Bühne der Alltagskultur gemacht.

Auch auf der Mobilspur, wo alles erlaubt war, was keine Räder hat, rollte gut ein Drittel des Gesamtbesucheraufkommens: auf Einrädern und Tridems (Tandems für Drei), Rhönrädern und Rikschas und Kettcars. Mehr Fahrräder auf einen Haufen dürfte die Welt außerhalb Chinas noch nicht gesehen haben, schätzte der ADFC. Wichtiger noch: Polizei und Feuerwehr meldeten trotz des Großbetriebs keine besonderen Vorkommnisse. Das Medieninteresse war ebenfalls erfreulich. Über 100 internationale Journalisten waren von China über Russland bis Japan und aus den USA angereist, um ein neues Bild einer überraschend anderen Metropole in alle Welt zu verbreiten. Auch im Internet war das Kulturhauptstadt-Ereignis das Topthema: Die meist getwitterten Suchbegriffe des Tages waren A40, Still-Leben und RUHR.2010 – auf den Plätzen eins bis drei.

Das Ruhrgebiet im Weltfokus. Aber nicht nur Ruhris nahmen an dem Fest der Nationen teil, viele Besucher lernten das Ruhrgebiet und seine Menschen auf eine ganz neue Weise kennen: freundlich lachend und direkt. Es war ein tolles Fest mit Gänsehautfeeling. Wiederholbar scheint das ganze nicht, auch wenn manch einer schon darüber nachdenkt. Das Stillleben auf der A40 sollte seine Einmaligkeit für ewig behalten.

> zur Fotostrecke Stilleben A40/B1
produced by Bildagentur frontalvision.com
Artikel weiterempfehlen / teilen:

Benutzerkommentare

In dieser Liste gibt es noch keine Bewertungen.
Bewertung (je höher desto besser)
Weiterempfehlen
Kommentare