Zuletzt bei der belgischen Parlamentswahl wurde dies wieder einmal deutlich. Die nationalistische Neu-Flämische Allianz (NVA) ist mit 27 Sitzen die stärkste Kraft im Parlament. Fast 30 Prozent fuhr die NVA in Flandern ein. Im französischsprachigen Wallonien wurden die Sozialisten die stärkste Partei.
Rund 60 Prozent der belgischen Bevölkerung sind den Flamen zugehörig, die Wallonen und die französischsprachigen Bewohner der Region Brüssel-Hauptstadt und ihres Umlandes umfassen etwa 40 Prozent der Einwohner des Landes. Somit stehen den Flamen 88 der insgesamt 150 Sitze in der Abgeordnetenkammer zu.
Das heutige Belgien war zu römischen Zeiten die Provinz Belgica, im frühen Mittelalter gehörte die Region zum fränkischen Reich. Später gehörten große Teile Flanderns politisch zum Haus Burgund, anschließend wurde das Gebiet vom spanischen Zweig der Habsburger regiert. Nachdem der österreichische Zweig der Habsburger die Macht übernommen hatten, annektierten die Franzosen im Jahre 1794 das heutige Belgien. 1815 wurde auf dem Wiener Kongress Belgien den Niederlanden zugesprochen.
1830 erhob sich die überwiegend katholische Bevölkerung der südlichen Provinzen gegen die Vorherrschaft der mehrheitlich protestantischen Nordprovinzen des Vereinigten Königreichs der Niederlande. In Folge der belgischen Revolution wurde Belgien unabhängig.
Brüssel samt Umland gehört keinem der beiden Gliedstaaten an, sondern bildet als Region Brüssel-Hauptstadt eine selbständige Region. Geographisch liegt Brüssel in Flandern, jedoch sprechen 80 Prozent der Einwohner Brüssels Französisch.
Besonders kritisch ist die Situation in den Ortschaften, die direkt an der Grenze zwischen Flandern und Wallonien liegen. Manche Gemeinden sind sehr umstritten, so zum Beispiel Voeren (Foron), das in einer Exklave der flämischen Provinz Limburg liegt. Weitere kritische Fälle sind unter anderem Comines-Warneton (Komen-Waasten), Mouscron (Moeskroen), Malmédy (Malmund) und Flobecq (Vloesberg).
Diese Ortschaften werden Fazilitäten-Gemeinden genannt. In den "Gemeinden mit Spracherleichterungen" wird neben der amtlichen Sprache die jeweils andere Sprache in öffentlichen Einrichtungen angeboten. Allerdings beschloss 2006 die Flämische Regierung alle noch offiziellen französischen Gemeinde- und Ortsnamen in Flandern abzuschaffen.
Egal, wie man es dreht. Zu einer vernünftigen Lösung für beide Seiten wird es wohl nie kommen. Selbst im Fall einer Autonomie Flanderns wird es in den Grenzortschaften immer wieder zu Streitigkeiten kommen - vom Sonderfall Brüssel ganz zu schweigen...
