Samstag, 04 Februar 2012

Vom Glauben zum Saufen: Geschichtskunde zum Vatertag

Alle Jahr wieder brechen an Christi Himmelfahrt Junggesellen, Väter sowie männliche Mitglieder von Sport- oder Gesangsvereinen zu einer feucht-fröhlichen Herren-Tour ins Grüne auf, um dort zu grillen, zu essen, zu trinken und zu singen. Das Fest Christi Himmelfahrt begeht die Kirche seit dem 4. Jahrhundert am vierzigsten Tag nach Ostern. Der Evangelist Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, dass Christus den Jüngern 40 Tage hindurch erschienen sei, schließlich sei er vor ihren Augen in den Himmel emporgehoben worden. Im liturgienahen Brauch wurde die Auffahrt Christi veranschaulicht, indem man in der Kirche eine Christusfigur in das Gewölbe hinaufzog und entschwinden ließ. Das Hochziehen einer Christusfigur soll in manchen Eifelpfarreien noch in den 1960er Jahren üblich gewesen sein.

Nach christlicher Tradition waren an Christi Himmelfahrt Flurprozessionen und Flurumritte üblich. Strittig ist deren Ursprung: Die einen halten die Umgänge für einen germanischen Rechtsbrauch, wonach jeder Grundeigentümer einmal im Jahr seinen Besitz umschreiten musste, um den Besitzanspruch aufrechtzuerhalten. Andere deuten die Umzüge als eine Anlehnung an die von Papst Leo III. (795 – 816) an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt eingerichteten Bittprozessionen. Seit dem 16. Jahrhundert verloren die Flurumgänge weitgehend ihren religiösen Sinn und endeten in Trinkgelagen.
is stripped because this article does not pass the security settings. -->
Diese Himmelfahrtsumgänge mögen Vorbilder gewesen sein für die „Herrenpartien“, die im 19. Jahrhundert in deutschen Großstädten überliefert sind. Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen - mit Ausnahme von Tänzerinnen. Die Männer unternahmen Ausflüge ins Grüne, spielten Skat und ließen kaum ein Wirtshaus aus. Nach dem Berliner Fuhrunternehmer Kremser heißen noch heute die Vatertagstouren in den ostdeutschen Bundesländern „Kremsertouren“, wobei die Männer auf geschmückten Wagen, oft mit Zylinder und Frack gekleidet, von Gasthaus zu Gasthaus fahren.

Heute ziehen Junggesellen, junge Männer und Väter am Himmelfahrtstag oft mit dem klassischen Bollerwagen, beladen mit Bierfass oder -kasten ins Grüne. Auch erobern  historische Eisenbahn-Sonderzüge den Vatertag, ebenso bieten die Schiffsflotten auf dem Rhein Vatertagsausflüge an.

An dieser Diskussion teilnehmen.
Bitte anmelden oder registrieren um an dieser Diskussion teilnehmen zu können.