Mittwoch, 08 Februar 2012

Willkommen, Gast

Ghadafi vs. Schweiz
(1 Leser) (1) Gast
  • Seite:
  • 1
  • 2

THEMA: Ghadafi vs. Schweiz

Ghadafi vs. Schweiz 10 Okt 2008 18:58 #8966

Lybiens Präsident ist mächtig sauer auf die Schweiz und verhängte nun einen Ölboykott.

Auslöser war Ghadafis Sohn Hanibal, der vor rund 2 Monaten mit seiner Frau und Ghadafis Tochter in einem Genfer Hotel übernachtete. Offenbar fiel dem Hotelpersonal auf, dass Ghadafis Angestellte, ein Ägypter und eine Tunesierin übelst misshandelt wurden. Das Hotelpersonal rief die Polizei und diese kam aber nicht an der lybischen Leibwache vorbei. Sie kamen wieder, servierten die Leibwächter ab und nahmen Hanibal und seine Frau für 2 Tage fest. Erst gegen Kaution wurden sie freigelassen. Dies war aus Sicht der Ghadafis ein ganz übler Frevel. Seine Tochter wütete wie eine Furie (sie wurde ja nicht verhaftet).

Die Angestellten erstatteten Anzeige, sie arbeiteten erst seit einem Monat bei den Ghadafis. Offenbar wurden sie mit heissem Tee übergossen, geschlagen, ausgepeitscht, gedemütigt und andere schreckliche Dinge.

Ghadafis Reaktion liess nicht lange auf sich warten. In Lybien wurden zwei Schweizer Manager von ABB und Nestle glaub ich, festgenommen und in eine Massenzelle gesteckt. Schweizer Firmenzweige in Lybien versiegelt. Die Verwandten der Angestellten waren spurlos verschwunden. Die Schweizer Fluggesellschaft dufte Lybien nicht mehr anfliegen. Ghadafi forderte eine Entschuldigung der offiziellen Schweiz und eine Einstellung des Verfahrens. Der Genfer Untersuchungsrichter war aber entschlossen, das Ding durchzuziehen.

Die 2 Mitarbeiter wurden nach ein paar Tagen der CH-Botschaft übergeben, dürfen aber das Land nicht verlassen.

Schliesslich erklärten sich die Angestellten bereit, gegen Geld die Anzeige zurückzuziehen. Wer die Kohle bezahlt hat, bleibt unbekannt. Ghadafis Zorn war damit aber nicht verraucht. Nach wie vor beharrt er auf eine Entschuldigung. Da in dieser Hinsicht nichts passierte, entschloss sich Ghadafi, den Druck zu erhöhen und drehte der CH den Ölhahn zu. In der Schweiz hat die lybische Tamoil rund 300 Tankstellen und eine Raffinerie. Sie muss ihr Geschäft derzeit einstellen oder Öl von einem anderen Land beziehen. Für die Schweiz selber hat der Boykott derzeit keine Auswirkungen. Das lybische Öl stellt 20% des Bedarfs, der nun von einem anderen Land gedeckt wird.

Ghadafi ist also immer noch sauer, 2 Schweizer sind noch immer in der Botschaft gefangen, was mit den Verwandten der Angehörigen passiert ist, wissen wir nicht. Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 10 Okt 2008 21:23 #8975

Ja das habe ich vor einigen Wochen im Spiegel gelesen.
Da zeigt Lybien sein wahres Ich.

Erst den Westen anhimmeln und wenn dieser nicht nach seiner Pfeife tanzt, fährt Lybien andere Methoden.

Mal sehen wie sich dieser Fall entwickelt

Re: Ghadafi vs. Schweiz 13 Okt 2008 10:39 #8990

Offenbar wollte Ghadafi (oder wie man den schreibt) auch alle lybischen Gelder, rund 3 Milliarden Euro aus der Schweiz abziehen und die Beziehungen abbrechen.

Nun kommt aber das grosse Dementi aus Lybien. Kein Ölstop, kein Abzug der Gelder etc.

Keine Ahnung was da im Hintergrund los ist. Gab es einen Deal? Hat Ghadafi gemerkt, dass die Boykotte die Schweiz nur am Rande treffen, aber vielmehr die lybische Tamoil?

Fragen über Fragen.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 24 Okt 2008 12:00 #9046

Eine spannende Geschichte.
Krass, wo Libyen überall während der letzten Jahrzehnte verstrickt war...
Dann wolte Libyen plötzlich Vorreiter für ein einiges Afrika werden.
Absurd, absurd...
Immerhin nähern sich Italien und Libyen langsam aber sicher an...

H.F.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 27 Dez 2008 20:48 #9603

Das Ganze geht nun in die nächste Runde. Lybien behauptet, eine unabhängige Fachkomission habe festgestellt, dass die Verhaftung von Hannibal illegal gewesen sei und all dieses blablabla. Auf was für eine Komission sich Gadafi stützt, weiss man noch nicht.

Gadafi droht nun mit weiteren Sanktionen. Schweizer Fluggesellschaften dürfen Tripolis nicht mehr anfliegen (keine Ahnung, warum sie das immer noch taten). Ansonsten hat Lybien eigentlich nichts, was der Schweiz wehtuhen könnte. Noch immer aber sitzen 2 Schweizer in der CH-Botschaft in Lybien und dürfen das Land nicht verlassen.

Gadafi verlangt, dass die Schweiz sich entschuldigt, die Polizisten, die an der Verhaftung beteiligt waren, vor Gericht gestellt und verurteilt werden. Zudem soll die Schweiz eine Entschädigung an Hannibal und seine Frau bezahlen.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 09 Feb 2009 21:13 #9798

Derzeit geht gar nichts. Ghadafi ist immer noch beleidigt und zwei Schweizer werden nach wie vor als Geisel in Tripolis festgehalten. Auch ein Treffen zwischen Saif (dem einziges Kind Ghadafis, der nicht verhaltensgestört ist) und dem Bundesrat brachte nichts.

Zwischendurch passierte was typisch Schweizerisches. Man machte den halben Bückling.

Nun, was genau im Hotel passierte, da widersprechen sich die Angaben. Die Regierung fands jedenfalls gar nicht witzig, die Stadtpolizei Genf kratzte das nicht, die taten ihren Job. Nach ihrer Version hinderten sie die Ghadafis-Leibwächter an der Festnahme, worauf sie halt Ghadafi in Handschellen legten und in U-Haft steckten.

Nun hat der offizielle Regierungsuntersuchungsbericht herausgefunden, dass die Verhaftung zwar rechtlich korrekt, aber unverhältnismässig und nicht nötig gewesen wäre. Eine Einladung zu einer Anhörung hätte genügt. (Hat ja nur 2 Angestellte übelst misshandelt)

Ich hätte auf dieses Resultat gewettet, ist wirklich typisch

Der Bruder eines der Angestellten ist in Lybien spurlos verschwunden.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 21 Jul 2009 11:59 #11794

Nach wie vor gibt es keine Bewegung in der Sache. Gaddafi hält nach wie vor zwei Schweizer in Lybien als Geisel. Mittlerweile hat er seine Kohle von den Schweizer Banken abgezogen. Die Öl- und Gaslieferungen wurden eingestellt. Der Handel zwischen den beiden Ländern hat sich halbiert. Lybien ist aber nicht wichtig für die Schweiz, Gaddafis Sanktionen mekrt man hier kaum. Die lybische Tamoil, die in der Schweiz eine Raffinerie und ein paar Tankstellen betreibt, bezieht ihr Benzin nun aus Algerien.

Offenbar ist Gaddafi in seiner Ehre unverzeihlich gekränkt. So forderte er am G8-Gipfel in Italien, dass die Schweiz als Hauptfinazier des Terrorismus zerstückelt werden müsste. Das Tessin geht an Italien, die romandie an Frankreich und die Deustchschweiz an Deutschland. Immerhin, er kennt sich gut mit der Schweiz aus

Ist auch auffallend, dass nun die Gegner immer Terroristen sind. Im Iran sind die Demo^nstranten Terroristen, in Russland auch. In China sinds nun auch immer Terroristen.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 22 Jul 2009 15:11 #11795

  • Anonymous
Unglaublich, was sich Libyen herausnimmt. Komischerweise kam mir diese Sache aber noch nicht zu Ohren. Habe ich erst hier im Board von gelesen. Sehr skurile Angelegenheit. Mister Gaddafi vergisst wohl seine eigene schmutzige Vergangenheit, hm???

Julian

Re: Ghadafi vs. Schweiz 28 Aug 2009 12:18 #11924

Die Laqe spitzt sich zu.

Eine unglaubliche Politposse seitens der Schweiz hat das Land in eine schwere politische Krise manövriert. Eigentlich ist es viel zu peinlich, dies hier zu erwähnen. Unfassbar, dass so ein Land regiert wird.

Jeweils ein Bundesrat wird für jeweils ein Jahr zum Bundespräsidenten erkoren. Neben Repräsentation muss er vorallem Verträge absegnen.Seine Unterschrift ist rechtlich bindend. Dieses Jahr ist der Bundesrat Merz Bundespräsident. Der kleine Appenzeller wirkt in seinem Amt überfordert. Die Finanzkrise hat er verschlafen und als es fast zu spät war, zweimal Notrecht angewendet. Schon bei der UBS-Krise hegte man den Verdacht, dass Merz der UBS alles gegeben hat, was die Bank verlangt hatte, ohne eine Gegenleistung zu fordern. Merz steht massiv in der Kritik und braucht dringend einen Erfolg.

Ghadafi verlangt ja eine Entschuldigung der offiziellen Schweiz, weil sie seinen Sohn Hannibal, der ja in Genf eine schwere Straftat begann, verhaftet hatten. Die Schweizer Regierung weigert sich logischerweise, das Volk will das auch nicht. Aber Ghadafi hat zwei Schweizer Geiseln in Tripolis.

Nun reiste Bundesratspräsident nach Tripolis und setzte zu einem unfassbaren Sololauf an. Er unterschrieb einen Vertrag mit Lybien, in dem er die Verhaftung von Ghadafi als Fehler bezeichnet und dem Herrscher von Lybien garantiert, dass die Schweiz niemehr einen Ghadafi verhaften wird. Gegenleistung erhielt die Schweiz keine! Dass die Geiseln nun freikommen, wurde Merz angeblich mündlich versprochen, schriftliches aber nicht fixiert.

Der Schock ab Merz Sololauf sitzt tief. Niemand von der Regierung hat er über sein Vorhaben in Kenntnis gesetzt, die Aussenministerin ist desavouiert. Seine Unterschrift ist aber rechtlich bindend. Er hat die Schweiz vor Lybien völlig unnötig gedemütigt. Noch viel tragischer ist, dass er sich über die Gewaltentrennung hinwegsetzt. Laut Vertrag hat Hannibal somit keine Straftat begannen. Dass er und seine Frau die Hausangestellten übel verprügelt, mit heissem Wasser übergossen etc und die Bodyguards sich eine wüste Schlägerei mit der Genfer Polizei lieferten, ist also für ihn keine Straftat. Er düpiert somit den Rechtstaat und setzt den Ghadafi-Clan über das Recht. Das mag in Lybien so sein, aber in einer Demokratie geht das nicht. Was geschieht, wenn morgen Hannibal einen Genfer Polizisten erschiesst?

Die Posse geht nun weiter. Merz glaubte, er könne wie Bill Clinton mit den Geiseln heimkehren und werde dann gefeiert. Sofort schickte er den Bundesratsjet los. Es erwies sich als grenzenlos naiv. Ghadafi denkt nicht daran, die Geiseln freizulassen, dafür hat er mit dem Jet und der Besatzung weitere Möglichkeiten zur Geiselnahme. Immerhin, nach ein paar Tagen in Lybien ist der Jet in aller stille und mitten in der Nacht heimgekehrt ohne Geiseln. Trotzdem erfuhren es die Medien.

Nun besteht noch die Hoffnung, dass Ghadafi die Geiseln am 1. September freilässt, denn dann ist der 40. Jahrestag der Revolution und eine Gnadengeste wird dort gerne vollbracht.

Einen Bundesrat kann man nicht zum Rücktritt zwingen. Das ganze Land hofft somit, nachdem Merz der UBS per Notrecht 70 Mia Franken praktisch schenkte und per Notrecht die UBS-Spitze vor einer drohenden Gefängnisstrafe bewahrte das Jahr 2009 möglichst schnell vorbeigeht, bevor Merz noch weiteren Schaden anrichtet.

totaler Triumph für Ghadafi. Nun geniesst er es, die Schweiz weiter vorzuführen, wie das zynische Spiel mit den Geiseln beweist. Totaler Gesichtsverlust für den Rechtsstaat Schweiz.

Es ist auch schrecklich für die misshandelten Angestellten, die in Genf an einem geheimen Ort leben, weil Ghadafi ihnen nach dem Leben trachtet. Von einem sind in Lybien der Bruder und die Mutter spurlos verschwunden, Merz hat darüber keine Auskunft verlangt. Wie mies muss es nun ihnen gehen? Sie haben alles verloren inklusive den Glauben an den Rechtstaat.

Re: Ghadafi vs. Schweiz 02 Sep 2009 02:21 #11941

Ghadafi denkt nicht daran, die Geiseln freizulassen. Merz hat die Schweiz unnötig Lybien ausgeliefert. Ghadafi pocht darauf, dass der einseitige Vertrag eingehalten wird. Die Schweiz muss so auch den stümperhaft ausgehandelten Vertrag umsetzen. Es rächt sich, dass Merz nicht darauf beharrt hat, die Freilassung der Geiseln schriftlich festzuhalten.
  • Seite:
  • 1
  • 2
Moderatoren: Marco Bertram
Ladezeit der Seite: 0.59 Sekunden