Hallo Alfred,
zum Thema „Grenzverlauf entlang der Elbe“ gibt es bei der Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze eine extra Tafel, und demzufolge hatte ich mich mit diesem auch explizit Thema beschäftigt.
Hier ein paar Informationen, entnommen von der Tafel 14 der Ausstellung:
Der 95 Kilometer lange Verlauf der Demarkationslinie entlang der Elbe bereitete Probleme. Laut Londoner Protokolle gehörte die gesamte Breite der Elbe zum Gebiet der westlichen Besatzungszonen. Das Territorium der DDR begann demzufolge direkt am östlichen Ufer der Elbe.
In der Praxis verlief die Demarkationslinie in der Mitte des Flusses, und die Gewässerhälften konnten von den jeweiligen Seiten benutzt werden. Ein Problem jedoch war die unterschiedlich verlaufende Fahrrinne, die sich je nach Pegelständen und Sandablagerungen in den Flusskurven ständig verschob.
Weiterhin gab es die Regelung, dass auf internationalen Wasserstraßen die Schifffahrt auf der ganzen Breite der Fahrrinne stattfindet. Die Elbe war eine Bundeswasserstraße der 1. Ordnung und somit auch für Sportboote befahrbar. Diese Regelungen wurden von der BRD und der DDR unterschiedlich ausgelegt und interpretiert, und so kam es immer wieder zu Problemen und Konflikten über den genauen Grenzverlauf auf der Elbe.
Die »Schlacht um Gorleben« auf der Elbe
Im Oktober 1966 verschärfte sich die Situation auf der Elbe. Es kam zur »Schlacht um Gorleben«, von der es Augenzeugenberichte von verschiedenen Seiten gibt.
Auf einem Elbabschnitt bei Dömitz kam es zu einer brenzligen Situation zwischen der 1. Bootsgruppe der Grenztruppen der DDR und dem westdeutschen Vermessungsschiff »Kugelbake«. Die Berichte zum genauen Hergang des Vorfalls gehen weit auseinander. Bei Vermessungsarbeiten kam es zu Provokationen, die »leicht einen dritten Weltkrieg auslösen hätten können«, wie später ein Generalmajor der Britischen Rheinarmee feststellte.
Nach dem Vorfall auf der Elbe mussten die DDR-Grenztruppen erkennen, dass ihre Grenzkontrolle nur bis an das Ostufer der Elbe mit allen Mitteln durchsetzbar war. Ab 1967 erfolgte am Ostufer der Elbe ein weiterer Ausbau der Grenzanlagen, die Sicherung der Grenze wurde zunehmend vom Wasser auf den Uferstreifen entlang der Elbe verlegt.
Wassersport auf der Elbe
Im Herbst 1969 hatte Hans Jürgen P. ein unangenehmes Erlebnis, das er wenig später auf Papier festhielt. Mit einem Begleiter war er auf einem Sportboot auf der Elbe unterwegs, als auf der Westseite des Stromstrichs ein Boot der DDR-Volkspolizei auf ihn zusteuerte und ihn aufforderte, das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik sofort zu verlassen. Erst als er das kleine Sportboot in das Kehrwasser auf westdeutscher Seite einlenkte, ließ das Boot der Volkspolizei von ihm ab.
Seine Wassersportkameraden konnten von ähnlichen Erlebnissen berichten. Teilweise versuchte man sie mit den Booten der Volkspolizei auf die östliche Seite abzudrängen, um sie dort wegen Grenzverletzung festnehmen zu können. Von schärferen Dialogen war die Rede. Aussagen von Seiten der Volkspolizei, wie »Dich holen wir uns noch!« sollen gefallen sein. Erst durch das Hinzukommen westdeutscher Zollboote konnte in der Regel die Situation entschärft werden.
Manchmal wurden bundesdeutsche Sportbootfahrer auch von den DDR-Behörden festgenommen und erst nach der Bezahlung der sogenannten Frachtkostenerstattung bei Lauenburg wieder freigelassen. Bei Sportbootfahrten mit Jugendlichen empfahlen die westdeutschen Behörden diese Elbtouren 14 Tage vorher beim Zoll in Lauenburg anzumelden.
Die Ruine der Eisenbahnbrücke bei Dömitz
Ein Symbol der Deutschen Teilung im Raum der Elbe wurde die Ruine der Eisenbahnbrücke bei Dömitz. Diese Eisenbahnbrücke wurde von 1870 bis 1873 erbaut und war in jener Zeit die längste Brücke Deutschlands.
Am 20. April 1945 wurde sie von alliierten Bomben getroffen und fast komplett zerstört. Ein Segment fiel in die Elbe und konnte erst 1948 geborgen werden. Ab den 60er Jahren wurde der nordöstliche Brückenkopf von den DDR-Grenztruppen genutzt. 1987 wurde dieser jedoch gesprengt. Wieder verbunden wurden die beiden Regionen an den Ufern der Elbe durch die im Jahre 1992 fertiggestellte Brücke der anliegenden Bundesstraße.
Zum Thema Grenzanlagen:
Entlang der Elbe gab es parallel zum Fluss auf östlicher Seite die gleichen Grenzanlagen wie am übrigen Verlauf der deutsch-deutschen Grenze. Bei Rüterberg gab es sogar einen zusätzlichen Grenzzaun, der die Ortschaft komplett umschloss...
Bei weiteren Fragen, Alfred, stehe ich jederzeit gern zur Verfügung!
Es grüßt Marco